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Umland Von Marx bis Mowgli: Rund um die Welt beim Literaturfest Meißen
Region Umland Von Marx bis Mowgli: Rund um die Welt beim Literaturfest Meißen
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17:20 04.06.2018
Auch der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird dieses Jahr wieder beim Literaturfest in Meißen dabei sein und gemeinsam mit Mitarbeitern der Migrationsberatung der Diakonie aus dem Roman „Landnahme“ lesen. Quelle: Literaturfest Meißen
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Meissen

Märchen und Fantasy, Mittelalter und Renaissance, Revoluzzer und Fluchtgeschichten: 180 Veranstaltungen an 40 Orten – meist unter freiem Himmel – und 200 Akteure machen die Stadt Meißen ab Donnerstag zu einer riesigen Lesebühne. Zum neunten Mal haben Ehrenamtliche ein Programm für Menschen zwischen zwei und 100 Jahren zum Literaturfest 2018 organisiert.

Es sei das größte eintrittsfreie Open-Air-Lesefest in Deutschland, sagte der Sprecher der ehrenamtlichen Organisatoren, Sven Mücklich. Bei den großen Lesefesten und vielen kleineren Veranstaltungen seien Lesungen kostenpflichtig.

Die diesjährige Ausgabe ist vor allem berühmten Weltverbesserern, der 68er Bewegung, den literarischen Vorlagen für aktuelle TV-Serien und dem Dreißigjährigen Krieg gewidmet. „Sie feiern allesamt in diesem Jahr jeweils ein besonderes Jubiläum“, erklärte Mücklich. Zwischen Marx und „Dschungelbuch“-Held Mowgli werden Geschichte und Geschichte aus aller Welt zum Leben erweckt, darunter Legenden aus Guatemala oder Impressionen aus dem Oman.

Zu den Novitäten gehören Lesungen auf Arabisch und Dänisch. Außerdem sind erstmals Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Libanon unter den Vorlesern. Dazu kommen teilweise prominente Autoren, Schauspieler, Künstler, Politiker und Bürger, die aus eigenen Werken oder Lieblingsbüchern vortragen. So liest etwa Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gemeinsam mit Mitarbeitern der Diakonie Migrationsberatung aus dem Roman „Landnahme“.

Darin beschreibe der gebürtige Schlesier Christoph Hein sehr anschaulich und feinfühlig die Lage von Menschen, die eine neue Heimat suchen“, sagte der CDU-Politiker und Schirmherr des Festivals in der „Wiege Sachsens“, wie Meißen auch genannt wird. Es knüpfe an die Erfahrungen Vieler nach dem Zweiten Weltkrieg an. Angesichts der Asylbewerber und Flüchtlinge heute sei das Thema Flucht, Vertreibung und Integration aktueller denn je.

Bis zum Sonntag werden romantische Gassen, Terrassen und Innenhöfe der Altstadt unterhalb der Albrechtsburg, aber auch idyllische Weinberge, Kirchtürme, Schloss- und Kellergewölbe zu Leseforen. Zudem öffnen sich der historische Jahnaische Freihof sowie der Garten der Superintendentur, das einstige Gefängnis und die weltberühmte Meissener Porzellanmanufaktur.

Dort, wo Luxusgüter aus „weißem Gold“ gefertigt werden, ist die 1992 mit Armin Mueller-Stahl verfilmte Novelle „Utz“ zu verfolgen. Der Schriftsteller Marcel Beyer wiederum liest aus „Das blindgeweihte Jahrhundert“. Zu denen, die honorarfrei lesen, gehören Sachsens SPD-Chef und Wirtschaftsminister Martin Dulig, der Liedermacher Gerhard Schöne und der aus TV-Wissenschaftssendungen bekannte „Mathe-Botschafter“ Norbert Herrmann.

Das Literaturfest Meißen findet seit 2009 jährlich statt und wird von Unternehmen gefördert. Gewöhnlich kommen zwischen 12 000 und 15 000 Besucher. Die Resonanz sei seit der Premiere ebenso stark gewachsen wie die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitwirkung, sagte Mücklich. Mittlerweile kämen Anfragen aus ganz Deutschland – von potenziellen Vorlesern und Besuchern. Die Organisatoren hoffen vor allem auf „angenehmes, schönes Wetter um die 25 Grad“, ohne Regen.

Von Simona Block, dpa

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