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Umland Unerlaubte Pflanzenschutzmittel sind in Sachsen kein Problem mehr
Region Umland Unerlaubte Pflanzenschutzmittel sind in Sachsen kein Problem mehr
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09:39 04.09.2017
Unerlaubte Pflanzenschutzmittel sind im sächsischen Wein kein Problem mehr (Illustration) Quelle: dpa

Die Vollkontrolle aller sächsischen Weine auf mögliche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und damit die Überwachung der Arbeit der Winzer wird beibehalten. Das teilte das sächsische Verbraucherschutzministerium auf Anfrage mit. Seit einem Jahr müssen alle Qualitäts- und Prädikatsweine von der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen grünes Licht bekommen, bevor sie zur Qualitätsweinprüfung angestellt werden dürfen. 811 Weine wurden nach Angaben einer Ministeriumssprecherin seither kontrolliert, nur bei einem Kerner aus der Weinkellerei Jan Ulrich waren erhöhte Rückstände eines im Weinbau nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittels festgestellt worden (DNN berichteten.)

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alle anderen sächsischen Weine von höchster Güte wären. Denn schon bei der Landesuntersuchungsanstalt wurden weitere Mängel festgestellt: Ein Wein fiel den Angaben zufolge überschwefelt auf, ein Wein mit einem zu hohen Gehalt an flüchtiger Säure sowie drei Erzeugnisse mit deutlichen sensorischen Abweichungen.

Dasselbe Bild spiegelt die Qualitätsweinkontrolle wider, die unter Regie des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie läuft. Dort rasselten vergangenes Jahr 56 „Raritäten aus Sachsen“, wie der Wein noch immer beworben wird, bei den Prüfern durch. Die Prüfer, darunter Kellermeister und Fachleute aus Landesbehörden, hatten teils gravierende Weinfehler ausgemacht, die eigentlich auch den Weingütern hätten auffallen müssen.

Der so genannte Böckser, der im Wesentlichen auf Schwefelverbindungen beruht und an den Gestank eines Ziegenbocks erinnert, wurde in gut einem Fünftel der endgültig abgelehnten Weine bemängelt. Aber auch Weine mit bitteren, muffigen, oxidativen Tönen, flüchtigen Säuren oder einem untypischen Alterungston, der an nasse Scheuerlappen erinnert, wurde den Prüfern vorgesetzt.

Diese beklagen hinter vorgehaltener Hand schon lange, dass nicht wenige solcher handwerklich fehlerhaften Weine zur Qualitätsweinprüfung angestellt werden. Manche Betriebe finden sich mit einer Ablehnung nicht ab und reichen ein und denselben Wein immer wieder ein, investieren viele Gebühren, um bestimmte Weine durch die Qualitätsweinkontrolle zu bekommen.

Das bestätigt auch das Landeslandwirtschaftsamt, wenngleich darüber keine detaillierte Statistik geführt werde. Fakt ist aber auch, manche Weinfehler können nachträglich korrigiert werden, so dass ein betroffener Wein gerechtfertigt noch eine Amtliche Prüfnummer erhalten kann. Auch die Zusammensetzung der Verkoster wechselt bei der Qualitätsweinprüfung, was durchaus zu unterschiedlichen Bewertungen führen kann. Im vergangenen Jahr hat all das in 56 Fällen jedoch nichts genützt, denn so viele Weine erhielten keine Prüfnummer und rasselten endgültig durch. Die Anzahl und Art der Weinfehler ist von den Besonderheiten des jeweiligen Jahrgangs beeinflusst.

In den vergangenen zehn Jahren schwankte der Prozentsatz der endgültig abgelehnten Weine zwischen 2,3 Prozent und 10,8 Prozent. In diesem Jahr wurden bisher bei 14 Prüfungsrunden 595 Weine beurteilt. Eine Statistik zu den Ergebnissen wird aber erst Ende des Jahres erstellt.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums bereiten auch einige Landweine den Behörden Sorgen: Im Rahmen der Landesüberwachungsprogrammes „Dimethoat und weitere Pflanzenschutzmittel in sächsischem Landwein“ seien seit Jahresbeginn 40 Proben Landwein aus zwölf Betrieben entnommen worden, so eine Sprecherin. Es habe zwar keine Beanstandung aufgrund von Pflanzenschutzmittelrückständen gegeben. „Ein Landwein musste allerdings beanstandet werden, da er überangereichert war.“ Als Anreicherung werden Maßnahmen zur Erhöhung des Alkoholgehaltes von Wein bezeichnet; ein Anreicherungsmittel ist dabei Saccharose, also Zucker.

Weitere sechs Proben Landwein wurden nach Ministeriumsangaben wegen formaler Kennzeichnungsmängel und Etikettierungsfehler bemängelt. Die Ministeriumssprecherin kündigte zudem weitere Kontrollen von Keltertrauben in der bevorstehenden Lesezeit an. Details zum genauen Umfang wollte sie mit Verweis auf das Kontrollanliegen nicht nennen. Bei der Kontrolle von Keltertrauben war der sogenannte Weinskandal 2015 aufgedeckt worden.

Welche Kosten dem Steuerzahler durch die zusätzlichen Kontrollen der sächsischen Weine entstehen, dazu machte das Ministerium keine Angaben. Wörtlich hieß es: „Eine exakte Kostenaufstellung mit Bezug auf die Kontrollen von Wein und Weinerzeugnissen liegt nicht vor. Die Kosten von Maßnahmen der Lebensmittelüberwachung im Rahmen der staatlichen Daseinsfürsorge werden derzeit nicht produktbezogen erhoben.“

Von Lars Müller

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