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Über eine Tonne Trauben für Pirnaer Wein

Über eine Tonne Trauben für Pirnaer Wein

Gegenüber von Schloss Sonnenstein an den Hängen auf der Copitzer Elbseite wächst in Pirna Wein, die Trauben werden selbst gekeltert. Hobbywinzer Wolfgang Winn bot dieses Jahr die ersten Flaschen vom "Schlossblick" an.

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Bei der Lese auf seinem Pirnaer Weinberg bekam Winzer Wolfgang Winn (l.) Hilfe von Katja Riedel, der sächsische Weinkönigin 2013, und Mitarbeitern des Hotels "Deutsches Haus".

Quelle: Daniel Förster

Zurzeit ist die Lese für den nächsten Jahrgang voll im Gange. Im Interview mit DNN-Mitarbeiter Silvio Kuhnert bilanziert Winzer Winn das Weinjahr.

Wird 2013 ein guter Jahrgang?

Wolfgang Winn: Wir Winzer waren relativ euphorisch, dass dies ein tolles Jahr wird. Im April und Mai hatten wir optimale Wetterbedingungen für einen guten Traubenansatz. Leider hatten wir in den vergangenen sechs Wochen, die für den Weinbau entscheidend sind, nur Mistwetter gehabt. Der Wein konnte nicht richtig reifen. Es hat immer wieder geregnet. Deshalb bereitet die Fäulnis uns schwere Probleme. Wir rennen jetzt dem Wetter hinterher und nutzen jede freie Minute und jeden trockenen Moment, um die Trauben von den Rebstöcken zu lesen. Von der Menge und Qualität her wird 2013 kein tolles, sondern ein ganz normales Jahr.

Die Pirnaer Elbhänge sind im Gegensatz zu denen in Meißen oder Radebeul nicht gerade als Weinanbaugebiet bekannt...

Pirna liegt am Anfang der sächsischen Weinstraße. Weinanbau ist seit mehreren Hundert Jahren hier bekannt. Auf den Elbterrassen wurde früher viel Wein angebaut. Heute gibt es noch zwei größere Weinbauflächen, die bewirtschaftet werden. Da ist zum einen die von meinem Nachbarn Jürgen Schreier, und zum anderen die von Familie Zisler, die ich seit 2012 pachte. Der Weinberg wurde in den Jahren 1899 und 1900 vom Farbenfabrikanten Reppe oberhalb der Postaer Straße angelegt. Riesige Sandsteinquader wurden aus einem extra dafür angelegten Steinbruch gebrochen und gleich vor Ort zu vier großen Mauern verarbeitet. Bis 1906 dauerte der Ausbau. Es entstand auch ein Weinkeller. 1923 war der Weinbau zum Erliegen gekommen wegen der Reblaus und weil das Interesse an trockenem sächsischen Wein nicht mehr so stark war. Um 1980 begann Familie Zisler wieder aufzureben. Aus Altersgründen haben sie uns den Weinberg verpachtet.

Welcher Wein wächst hier besonders gut?

Ich bewirtschafte in Pirna rund 3400 Quadratmeter Fläche. Dort wächst Goldriesling. Die Rebsorte gibt es nur noch in Sachsen und wird seit 101 Jahren hier angebaut. Zum anderen haben wir Müller Thurgau. Dann haben wir Spätburgunder. Aus ihm machen wir einen schönen Rosé. Als Rotwein wird Dornfelder angebaut. Und neu angepflanzt haben wir Scheurebe. Von der Rebsorte werden wir im kommenden Jahr die ersten Trauben lesen können.

Haben Sie keine Angst, dass die Reblaus wieder kommt?

Die Reblaus kann nicht kommen, weil durch amerikanische Unterlagsreben die Wurzeln resistent gegen den Schädling sind. Unser Problem ist vielmehr das Wetter. Wir werden wohl mit solchen Wetterlagen wie in diesem Jahr leben müssen. Hagel und Starkregen sind heute die größten Feinde im Weinberg.

Weinbau ist Ihr Hobby. Im Berufsleben arbeiten Sie als Personalentwickler. Wie sind Sie Winzer geworden?

Mit dem Weinbau habe ich 1996 begonnen. Dazu gekommen bin ich über die Freundschaft zur damaligen Sächsischen Weinkönigin Ines Hoffmann. Sie war außerdem 1996/97 Deutsche Weinkönigin. In dieser Zeit war ich immer mal wieder bei der Weinlese dabei. Irgendwann habe ich sie einfach gefragt, wie man Winzer wird. Sie erzählte es mir. Und so habe ich eine Fläche in den Hängen über Pillnitz gepachtet und war der Winzergenossenschaft beigetreten. Seit 2004 gebe ich meine Trauben nicht mehr ab, sondern keltere selbst. Und dieses Mal machen wir den zehnten Jahrgang. Der Pillnitzer Wein heißt "Königlicher Weinberg".

Wie viele Flaschen Wein können Sie mit den Trauben von Ihren beiden Weinbergen füllen?

Dieses Jahr haben wir in Pirna das erste Mal mehr als eine Tonne gelesen. Das werden knapp 2000 Flaschen werden. In Pillnitz haben wir immer schon um die 1500.

Den ersten Pirnaer Wein "Schlossblick" gab es in diesem Jahr zu trinken. Wo kann man ihn genießen?

Den Wein gibt es beispielsweise in unserer Besenwirtschaft in Copitz. Sie hat von Ende Mai bis Ende September geöffnet. Am kommenden Sonntag ist die Auskehr, da werden die letzten Flaschen getrunken. Den neuen Wein gibt es zum ersten Mal am Freitag, 8. Mai 2015, zur Jungweinprobe im Romantikhotel "Deutsches Haus". Dort kann man ihn probieren und gleich kaufen. Auch über mich selbst kann man den Wein erwerben, indem man entweder über meine Internetseite mit mir in Kontakt tritt oder im kommenden Jahr die Besenwirtschaft besucht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2014

Silvio Kuhnert

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