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THW probt in Obercarsdorf für den Ernstfall

Hubvorrichtung an einer Weißeritztalbahnbrücke THW probt in Obercarsdorf für den Ernstfall

Tausende Augenpaare richteten sich am Ortseingang von Obercarsdorf von der Bundesstraße 170 auf einen Großeinsatz des Technischen Hilfswerkes. Nicht wegen einer winterlichen Notsituation waren hier die Angehörigen des Ortsverbandes Dippoldiswalde angerückt. Sie übten den Ernstfall einer Hochwassersituation an der Eisenbahnbrücke über die Rote Weißeritz.

Die 26 Tonnen schwere Brücken-Stahlkonstruktion über die Weißeritz muss im Falle eines Hochwassers um ungefähr 90 Zentimeter angehoben werden.
 

Quelle: Peter Weckbrodt

Obercarsdorf.  Tausende Augenpaare richteten sich am Ortseingang von Obercarsdorf am vergangenen Sonnabend von der Bundesstraße 170 auf einen Großeinsatz des Technischen Hilfswerkes (THW). Nicht wegen einer winterlichen Notsituation waren hier die Angehörigen des Ortsverbandes Dippoldiswalde angerückt. Sie übten den Ernstfall einer Hochwassersituation an der Eisenbahnbrücke über die Rote Weißeritz. Was sich an diesem Tage noch über rund vier Stunden hinzog, ist im Ernstfall vom THW im Wettlauf mit den ansteigenden Fluten in der halben Zeit zu meistern. Der Ernstfall tritt ein, wenn vom Pegel Schmiedeberg ein Anstieg der Wasserführung um 80 Zentimeter, das entspricht der Hochwasserwarnstufe 1, gemessen und automatisch nach Dippoldiswalde gemeldet wird. Dann wird die Strecke für den Zugverkehr gesperrt. Anschließend muss die 26 Tonnen schwere Brücken- Stahlkonstruktion um ca. 90 Zentimeter angehoben werden, damit sie die gleiche Durchlasshöhe wie die unmittelbar benachbarte Straßenbrücke der B 170 erreicht. Bei den Hochwassern der Jahre 2002 und 2013 hatte die Brücke wegen ihrer geringen Bauhöhe die Fluten der Weißeritz auf verheerende Weise gesperrt. Das soll, das darf nicht wieder passieren.

Die Idee, die Obercarsdorfer Brücke anhebbar zu machen, wurde in der Betriebsleitung der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft SDG geboren. Gemeinsam mit den Ingenieuren der Dresdner IPROconsult GmbH wurde die dafür geeignete technische Lösung gefunden. „Wir setzen an jeden der vier Eckpunkte der Brückenkonstruktion eine Zahnstangenwinde mit einer Hubkraft von 10 Tonnen ein“, erläutert Mirko Froß, Eisenbahnbetriebsleiter der SDG, die Technologie.“ Elektrische Winden kommen nicht in Frage, weil im Katastrophenfall wahrscheinlich kein Strom anliegt. Ein großer Kran kommt nicht schnell genug hierher, da bleibt nur die Muskelkraft“, stellt Froß lapidar fest. Unter die manuell angehobene Brücke werden ca. 60 Zentimeter lange vorgefertigte Doppel-T-Trägerstücke gelegt und miteinander verschraubt. Bei der Generalprobe passte noch nicht alles komplett. Da werde es Nacharbeiten geben, bestätigte Froß. Mit im Einsatz waren THW-Helfer aus Dresden und Pirna. Sie sollten diese Technik ebenfalls kennen und beherrschen lernen, damit sie im Notfall helfend zur Seite stehen können.

Alle im Ernstfall einzubauenden Konstruktionsteile können problemlos von Menschenhand bewegt werden. Sie werden im Stützpunkt der Straßenmeisterei Obercarsdorf eingelagert und sind folglich schnell verfügbar. An der Brücke selbst mussten keine Veränderungen vorgenommen werden. Sie hatte die Hochwasser gut überstanden. Auf maximal 40 000 Euro schätzt Froß die Kosten für die Hublösung. Diese Lösung ist einzigartig nicht nur in Sachsen, sondern vielleicht sogar europaweit. Das dürfte die Brücken-Experten interessieren.

Von Peter Weckbrodt

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