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Umland Streit ums Wohnheim der Forststudenten
Region Umland Streit ums Wohnheim der Forststudenten
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12:00 30.07.2018
Er will bleiben: Jan Friedrich Thüme studiert Forstwissenschaft und lebt – noch – im Tharandter Wohnheim auf der Weißiger Höhe. Quelle: Dietrich Flechtner
Tharandt

Durchgetretenes Lineoleum, ab­gegriffene Türklinken aus schwarzer Plaste und mattes Riffelglas – der Zahn der Zeit hat am einstigen Chic der 50er Jahre sichtbare Spuren hinterlassen. Die Wände in den Gängen des Studentenwohnheims auf der Weißiger Höhe sind gift­grün gestrichen, ein starker Kontrast zum tristen Beige der in Tharandt weithin sichtbaren Außenfassade. Und dennoch wohnen die Studenten gern hier, vor al­lem we­gen des besonderen Charmes. Da­mit könnte aber bald Schluss sein. Der Freistaat, Eigentümer des Heims, will das Ge­bäude rasch loswerden.

Verkaufsentscheidung soll „zeitnah“ getroffen werden

Bereits vor drei Jahren hatten der Freistaat und das Dresdner Studentenwerk, Be­treiber der Einrichtung, den Entschluss ge­­fasst, das Wohnheim zu verkaufen. Hinter der Entscheidung stecken die immensen Kosten für die längst fällige Sanierung des Gebäudes, wie Dieter Ruf, stellvertretender Geschäftsführer vom Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement (ZFM), er­klärt. Von mehreren Millionen Euro ist die Rede, die es bräuchte, um das Wohnheim innen und außen aufzumöbeln. Und schon jetzt wirtschafte das Haus defizitär, be­gründet Dieter Ruf die Entscheidung. Mit 41 Zimmern ist das Heim eines von insgesamt drei in Tharandt – und zugleich das größte.

Das Tharandter Studentenwohnheim Quelle: Dietrich Flechtner

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte das ZFM das 1955 eröffnete Wohnheim auf der Expo Real in München zum Verkauf angeboten. Die Veranstaltung gilt als die größte Fachmesse für Immobilien und Investitionen in ganz Europa. Im Februar hatte der Freistaat den avisierten Verkauf dann noch einmal beworben. „Inzwischen ist das Ausschreibungsverfahren weit fortgeschritten“, sagt Dieter Ruf. Mit in Frage kommenden Interessenten habe es inzwischen auch Ge­spräche gegeben, eine Verkaufsentscheidung soll „zeitnah“ getroffen werden.

Studenten wollen familiäres Ambiente nicht aufgeben

Entwicklungen, die auch den im Wohnheim lebenden Studenten nicht verborgen geblieben sind. Immer wieder waren Makler aufgetaucht, die Hausmeister hätten inzwischen auch das Möbellager ausgeräumt, berichtet der angehende Forstwissenschaftler Jan Friedrich Thüne. Er ist einer der aktuell etwa 40 Bewohner und von den Plänen des Freistaats wenig be­geistert. Denn ungeachtet des baulichen Zustands seien die Zimmer hier nah an den Hörsälen der in Tharandt beheimateten Forstwissenschaft und vergleichsweise günstig.

Die Studenten haben sich mit den abgewetzten Räumen arrangiert. Quelle: Dietrich Flechtner

Darüber hinaus kommen die Bewohner oft zusammen – um zu kochen, zu mu­sizieren oder um im Garten zu arbeiten. Ein familiäres Ambiente, dass die Studenten ungern aufgeben wollen. Sie drängen auf den Erhalt des traditionsreichen Hauses – fühlen sich mit ihren Forderungen aber abserviert und al­lein gelassen. „Wir wissen derzeit noch nicht einmal, wann wir hier möglicherweise ausziehen müssen“, er­klärt Jan Friedrich Thüne.

Behörde verweist auf ausreichend vorhandene Plätze in Dresden

Auf Nachfrage der Dresdner Neuesten Nachrichten kündigte das ZFM an, den Verkauf noch dieses Jahr unter Dach und Fach bringen zu wollen. „Die konkreten Planungen der Kaufinteressenten konzentrieren sich vor allem auf die Nutzung des Objektes zu Wohnzwecken“, lässt Die­ter Ruf bereits durchblicken. Ob der po­tenzielle Käufer auch Angebote für Studenten plane, könne er nicht sagen.

Der antiquierte giftgrüne Flur sorgt für ein besonderes Ambiente. Student Thüme spricht von einem „faszinierendem Wohnen“. Quelle: Dietrich Flechtner

Den Vorwurf der Studenten, dass Land und Studentenwerk das Wohnheim „als lästige denkmalgeschützte Altlast loswerden“ wollen und den „sozialen Auftrag mit Füßen“ trete, kontert die Staatsverwaltung: „Die Sanierung müsste mangels öf­fentlicher Förderung allein aus Eigenmitteln des Studentenwerks finanziert werden. Angesichts der wenigen Wohnheimplätze wären diese nicht mehr zu sozialverträglichen Mieten vermietbar, so dass das Studentenwerk damit seinen ge­setzlichen Auftrag nicht mehr erfüllen könnte“, heißt es aus dem ZFM.

Zudem verweist die Behörde auf ausreichend vorhandene Plätze in an­deren Wohnheimen – in Dresden. „Viele der Wohnheime befinden sich in der Nähe des Hauptbahnhofs, von wo aus Tharandt mit der S-Bahn gut angebunden und für Studenten per Semesterticket oh­ne zusätzliche Kosten zu erreichen ist“, sagt Dieter Ruf. Ein Argument, dass Jan Friedrich Thüne nicht gelten lassen will: „Die Plätze in den Wohnheimen in Dresden sind teurer.“ Er und seine Mitstreiter sind noch fester Hoffnung, „auch für künftige Generationen von Studierenden ein bezahlbares und faszinierendes Wohnen in unmittelbarer Nähe unseres Studienortes“ erhalten zu können.

Von Sebastian Kositz

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