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Umland Stadtmuseum Meißen widmet sich Unternehmen Brück & Sohn
Region Umland Stadtmuseum Meißen widmet sich Unternehmen Brück & Sohn
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17:53 09.10.2018
Museumsleiterin Martina Fischer zeigt einen Postboten, der es in sich hat. In seiner Tasche verbirgt sich ein Leporello mit Ansichten Meißens. Quelle: Uwe Hofmann
Meissen

Firmengeschichte, Familiengeschichte, Stadtgeschichte – mit dem Namen Brück & Sohn verbinden sich in Meißen viele Stränge. „Es ist unglaublich, was damit alles zusammenhängt“, beschreibt Martina Fischer, Leiterin des Stadtmuseums, das Phänomen. „Als Papier noch Luxus“ war heißt die neue Ausstellung, die sie am Donnerstag im ehemaligen Franziskanerkloster am Heinrichsplatz eröffnet. Die Schau beschäftigt sich vor allem mit dem Unternehmen Brück & Sohn, das vor 225 Jahren in Meißen gegründet wurde und seit 1987 in siebter Generation von Annette und Helmut Brück geführt wird.

Anstoß für die Ausstellung habe ein Knallbonbon gegeben, den sie im Bestand fand, sagt Fischer. So einer, wie er in der Kaiserzeit im großen, inzwischen anderweitig vermieteten Geschäft von Brück & Sohn direkt am Markt (Burgstraße 1) zu haben war. „Über Luxuspapier wollte ich schon lange mal etwas machen, da passte das Firmenjubiläum 225 Jahre ganz gut“, sagt die Museumsleiterin. Und das sie mit Unternehmenserbin Annette Brück auf sehr gutem Fuß steht, sicher auch. Diese hat gemeinsam mit ihrem Mann, der in den 1990er Jahren auch mit Hilfe aus dem Stadtarchiv ein Postkartenarchiv aus auf dem Dachboden lagernden Beständen aufgebaut hat, unzählige Exponate beigetragen.

Helmut und Annette Brück haben aus ihren Beständen auch eine Art Kaufmannsladen bestück. OB Olaf Raschke (r.) gefällt’s. Quelle: Uwe Hofmann

Luxuspapier also. Gemeint sind aufwendige Papierwaren, wie sie im 19. Jahrhundert durch maschinelle Fertigungsverfahren aufkamen. Bei Brück & Sohn gingen sie über die Ladentheke. Noch wichtiger: Bei Brück & Sohn wurden sie erfunden. Ansichtspostkarten etwa. „Die hat das Unternehmen als eines der ersten im großen Stil hergestellt“, sagt Helmut Brück. Als eines der ersten weltweit, wohlgemerkt. 1885 begann die Produktion von Bildpostkarten auf Basis der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Fotografie. Um an Motive zu gelangen, ging man bei Brück & Sohn eigens auf Reisen, auch nach Übersee in den Wilden Westen. 33 000 Exemplare an Postkarten aus eigener Herstellung hat Helmut Brück bisher zusammengetragen. Exportiert wurde in die ganze Welt.

Mit den Zeiten änderte sich das Geschäft. So war am Anfang noch ein Kalender, worunter eher eine Art Almanach mit bunten Geschichten, Illustrationen und einem Kalendarium zu verstehen ist, Standbein des Verlagshauses. Dort wurden auch deftige Geschichten über die Konkurrenz erzählt, etwa von Christian Ehregott Klinkicht, der nach harter Zecherei im Ratskeller aufs Damenklo wankte – nachdem ein Brück die Abort-Schilder vertauscht hatte.

Ansichtskarten waren lange Zeit das Hauptgeschäft von Brück & Sohn. Heute vertreibt das Unternehmen Adventskalender mit historischen Stadtansichten. Quelle: Uwe Hofmann

Es gab auch viele ernste Herausforderungen. Den Zweiten Weltkrieg etwa, in dem die Produktion erlahmte, weshalb Walter Brück bei Null anfangen musste. Es entwickelte sich ein stabiler Umsatz mit Karten für besondere Anlässe – zur Hochzeit, zum Geburtstag, Trauerkarten. Sie entstanden nach einem bewährten Muster: Brück & Sohn besorgte sich Motive bei den Künstlern, die sich in Meißen im Umfeld der Porzellanmanufaktur angesiedelt haben. „Diese Beziehung hat das Überleben von Brück & Sohn gesichert“, meint Museumsleiterin Fischer.

Das, und eine Geschäftsbeziehung, die 1964 geknüpft wurde. Eine Firma aus dem Norden Englands zeigte sich an Kunstdrucken interessiert. Fast 30 Jahre lang entstanden von Meißner Künstlern entworfene Kunstdrucke, die etwa englische Soldaten zur Zeit der napoleonischen Kriege zeigen, die dann in England für Platzbrettchen und Untersetzer benutzt wurden. „Wir waren Devisenbeschaffer, konnten deshalb überleben“, sagt Helmut Brück. 100 000 bis 110 000 Tonnen Papier gingen jährlich von Meißen auf die Insel, eine Million DM Umsatz wurde gemacht. Nach der Wende war es damit vorbei. Nach zwei Hochwassern findet sich Brück & Sohn vor allem im Internet wieder. Dort und im Handel werden Adventskalender mit historischen Stadtansichten angeboten – das neue Standbein. Sinnig, dass die Ausstellung im Stadtmuseum auch über die Weihnachtszeit läuft. Dann werde man mehr Adventskalender zeigen, die auch gekauft werden können, sagt Museumschefin Fischer.

Service

Ausstellung: „Als Papier noch Luxus war. 225 Jahre Brück & Sohn in Meißen“, vom 11. Oktober bis 17. Februar

Ort: Stadtmuseum Meißen, Heinrichsplatz 3

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr; 25./26. Dezember und 1. Januar 14 bis 18 Uhr; 24. und 31. Dezember geschlossen

Eintritt: drei Euro, ermäßigt zwei Euro, Familien acht Euro; Anmeldung für Gruppen unter Tel. 03521/ 45 88 57.

Darum geht es: Um den Meißner Kunstverlag Brück & Sohn, der 1793 gegründet und inzwischen in siebter Generation von Annette und Helmut Brück geführt wird. Anhand des Verlags und seiner Produkte wird Zeit- und Stadtgeschichte erzählt.

Veranstaltungen: 19. Oktober, 18 Uhr: Vortrag „Brücks USA-Reise zu den Postkarten der Vorfahren“ mit Annette und Helmut Brück

2. November, 15 bis 18 Uhr: Annette und Helmut Brück führen durch die Ausstellung

28. November, 18 Uhr: Vortrag „Brücks USA-Reise zu den Postkarten der Vorfahren“ mit Annette und Helmut Brück

9. Dezember, 15 Uhr: Adventsmusik „Maria durch ein Dornwald ging“ mit H. Lauterbach (Sächsisches Landesgymnasium St. Afra, Gesang), A. Forberger (Violine) und C. Forberger (Leitung und Klavier)

16. Dezember, 15 Uhr: Adventsmusik mit Schülern der Musikschule des Landkreises Meißen, Leitung: G. Hammer

Von Uwe Hofmann

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