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Umland Stadt will verwahrlostes Grundstück in Radebeul-Ost übernehmen
Region Umland Stadt will verwahrlostes Grundstück in Radebeul-Ost übernehmen
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17:14 09.10.2017
Das Eckhaus soll nach dem Willen der Stadt abgerissen werden. Quelle: Uwe Hofmann
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Radebeul

Ein Schandfleck verschwindet und die Hubschraubergrundstücke bekommen einen Entwicklungsschance – so sieht nach Baubürgermeister Jörg Müllers (parteilos) Vorstellungen eine doppelte Gewinnsituation aus. Der Stadtrat folgte in seltener Einmütigkeit dem Vorschlag aus seinem Hause, einen schmalen Grundstücksstreifen am Turnerweg in Radebeul-Ost zu erwerben. Per Vorkaufsrecht. Das bedeutet, dass sich die Stadt in ein eigentlich schon beschlossenes Geschäft als neuer Käufer hinein drängelt. Die Wahl dieses drastischen Mittels hat seine Gründe.

Konkret geht es um das Eckhaus an der Kreuzung Turnerweg und Dresdner Straße, an das sich ein schmaler Streifen entlang des Turnerwegs anschließt. Es liegt mitten im Sanierungsgebiet Radebeul-Ost, weswegen das sanierungsfällige Haus, das 2000 schon einmal wegen eines dem Einsturz nahen Giebels die Ordnungsbehörde beschäftigte, und das verrümpelte Grundstück der Stadt schon lange ein Dorn im Auge sind. Normal könne diese aus Verwahrlosung kein Vorkaufsrecht ableiten, im Sanierungsgebiet gehe das aber schon, wie Baubürgermeister Müller erläutert. Dort hat sich Radebeul schließlich per Satzung unter anderem die „Beseitigung nicht erhaltenswerter ruinöser Bausubstanz“ vorgenommen.

Mit dieser Begründung platzt die Stadt in den Handel, den der bisherige Eigentümer mit dem langjährigen Mieter geschlossen hat. Beide sollen verwandt sein, die Stadt will das aus Gründen des Datenschutzes nicht bestätigen. Offenbar gibt es zwischen beiden Seiten aber Wohlwollen, schließlich wurde ein ausgesprochen geringer Kaufpreis vereinbart: 12 000 Euro. Für das Geld übernimmt nun die Stadt das Areal, muss aber sein Recht noch in Anhörungen erläutern und notfalls vor Gericht durchsetzen.

Für den Schritt führt die Stadt gewichtige Argumente ins Feld. So habe der bisherige Mieter und verhinderte Käufer in den zurückliegenden Jahren nichts für den Werterhalt des Grundstücks getan. „Im Gegenteil, Gebäude und Grundstück dienen als Sammelplatz von Gegenständen jeglicher Art (Möbel, Reste von Baumaterialien, Geräte, Müll, etc.), die ein Betreten und damit ein Bewohnen des Gebäudes und des Geländes unmöglich machen“, heißt es einigermaßen pikiert in der Beschlussvorlage. Außerdem wird angezweifelt, dass der Mieter wie behauptet seinen Hauptwohnsitz in dem Haus hat. Der geringe Wasser- und Stromverbrauch zum Beispiel sprechen laut Stadt dagegen.

Die hat klare Pläne: Das Haus soll für knapp 50 000 Euro abgerissen und der Fußweg am Turnerweg für rund 25 000 Euro zu Lasten des Grundstücks verbreitert werden. Der Rest wird begrünt. Für die hinter dem strittigen Streifen liegenden Baugrundstücke eröffnet sich dadurch eine Chance: Sie können Einfahrten und in der Folge Einfamilienhäuser erhalten. Bisher habe man sie mangels geregelter Wege nur mit dem Helikopter erreichen können, sagt Müller.

Von Uwe Hofmann

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