Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Sonderpreis für eine engagierte Radebergerin
Region Umland Sonderpreis für eine engagierte Radebergerin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 19.09.2017
„Demokratie funktioniert ohne Frauen nicht“, sagt Ingrid Petzold, die für ihr langjähriges Engagement im Landesfrauenrat geehrt wurde. Quelle: Bernd Lichtenberger

Seit Freitag steht in Ingrid Petzolds Wohnzimmer ein kleiner gläserner Kelch aus dem Jahre 1800. Selbst bei dem eher trüben September-Licht, das durchs Fenster fällt, leuchtet sein intensives Grün. „Ich mag solche Gläser aus der Zeit des Klassizismus. Sie sind hübsch und das Grün dieses Kelchglases passt zu mir. Sachsengrün“, freut sie sich, denn Ingrid Petzold ist seit 1990 in der Landespolitik aktiv. Sie erhielt den Kelch auf einer Festveranstaltung im Dachsaal des riesa efau Kulturforum Dresden als Sonderpreis vom Landesfrauenrat Sachsen e.V. Mit diesem ersten Sonderpreis habe der Landesfrauenrat Sachsen die Radebergerin für ihr langjähriges Engagement ausgezeichnet, teilt der Landesfrauenrat mit.

Immerhin gehörte Ingrid Petzold von 1994 bis 2015 dem Landesvorstand der Frauen Union (FU) Sachsen an, sechs Jahre davon als Landesvorsitzende. Ihr Augenmerk in der männerdominierten CDU habe stets der Teilhabe von Frauen und ihrer Nominierung für die Wahllisten zum Europäischen Parlament, Bundestag, Landtag sowie den kommunalen Gemeindevertretungen gegolten, heißt es zur Begründung der Ehrung. Dank umfangreicher Netzwerke fand sie immer wieder Frauen mit Mut zur Kandidatur. Als langjähriges Mitglied des FU-Bundesvorstandes stehen Themen wie Gleichstellung, Mütterrente oder Frauen in Führungspositionen auf ihrer Agenda. Als Mitglied des Sächsischen Landtages bis 2004 rückte sie frauenpolitische Themen in den Fokus der Politik und der Öffentlichkeit. Für den Landesfrauenrat Sachsen e.V. begleitete sie als stellvertretende Vorsitzende den Verschmelzungsprozess beider bis dahin existierender Frauen-Dachverbände zum Landesfrauenrat Sachsen.

„Das war 2006 und der Weg bis zur Fusion turbulent“, erinnert sich Ingrid Petzold. Heute fungiert der Landesfrauenrat in Sachsen als Dachverband von über 40 Mitgliedsorganisationen, in denen rund 40 000 Frauen engagiert sind. Er sei ein wichtiger Partner für Politik, Verwaltung und die Gesellschaft in Sachsen, formulierte Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, zum 25-jährigen Bestehen des Verbandes im vergangenen Jahr.

Ingrid Petzold mischt dabei seit 1990 mit. Ein Jahr zuvor hatten sie und ihr Mann den Antrag auf Mitgliedschaft in der CDU gestellt. Anlass dafür war eine Bekanntschaft mit einem in der CSU sehr engagierten Ehepaar, erzählt sie. Zuvor waren beide jeglicher Parteienpolitik aus dem Weg gegangen. Nun, als Mitglied der CDU, stellte die studierte Kypernetikerin bald fest, dass die CDU eine Männerdomäne war. „Aber Demokratie funktioniert ohne Frauen nicht“, ist sie noch heute überzeugt. So war es geradezu logisch, dass sich die Radebergerin in der Frauen Union der CDU Sachsen, einer Vereinigung der CDU-Frauen, engagierte. „Wir haben genug Frauen, die das können und dazu auch bereit sind, nur eben nicht den Ellenbogen benutzen“, weiß sie aus Erfahrung. Obwohl sich auch innerhalb ihrer Partei in den vergangenen Jahren viel verändert hat, „auch die CDU inzwischen in der Wirklichkeit angekommen ist“, wie sie es formuliert, gibt es für Ingrid Petzold auch als nunmehr Rentnerin in der Landes- und Bundespolitik noch keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Die „Entgelt-Gleichheit“ zwischen Männern und Frauen und „mehr Frauen in Führungspositionen“ – das sind zwei Forderungen, die sich in den vergangenen zehn Jahren besonders heraus kristallisiert haben, findet sie und ergänzt: „Frauen in der Wirtschaft sind ein Potenzial und keine Last, sondern ein Gewinn“. Andererseits, betont sie, sei die Anerkennung der Arbeit in der Familie nicht weniger wichtig, wie die von Berufstätigkeit.

Trotz vieler Erfolge, habe sie noch immer oft genug den Eindruck von einer „reinen Männergesellschaft“, sagt sie. Denn bei den verschiedensten Veranstaltungen stellt sie fest, dass dort noch immer die Männer dominieren. Nach den jahrelangen Erfahrungen ist ihr Blick für die Teilhabe von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen geschärft. Im Landtag sind nur ein Sechstel der Abgeordneten Frauen, schätzt sie. Und das wurmt sie. Aber einfach über eine Quotenregelung sei dieser Zustand nicht zu verändern, ist sie sicher. Auch im 27-köpfigen Radeberger Stadtrat, dem Ingrid Petzold seit 2014 angehört, sitzen – sie eingerechnet – nur drei Frauen.

Neben dem vom Landesfrauenrat erstmals vergebenen Sonderpreis für Ingrid Petzold wurde am vergangenen Freitag zum dritten Mal ein Engagementpreis verliehen. Dieser Engagementpreis 2017 ging an den Müllerhof e.V. Mittweida. Mit ihm würdigte der Dachverband die Tätigkeit dieses soziokulturellen Vereins als

Anlaufstelle für viele Menschen in Mittweida. Mit vielfältigen Projekten und Initiativen sowie der Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch wichtige Mehrgenerationen-Arbeit leistet er eine wichtige Arbeit, bei der die Förderung von Frauen im ländlichen Raum und die damit verbundene Stärkung ihrer Lebenskompetenzen im Vordergund steht. Außerdem motiviere der Müllerhof andere Vereine zum gemeinsamen Handeln, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe.

Von Bernd Lichtenberger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Rohbau zur Erweiterung des Elblandklinikums nimmt bereits Gestalt an. Bevor die Hülle des neuen Flügels bis Ende dieses Jahres stehen wird, fand am Montag die symbolische Grundsteinlegung statt. Der Neubau wird nicht die einzige Investition in die medizinische Versorgung der Lößnitzstadt bleiben.

19.09.2017

Mit einem Grundsatzbeschluss soll am Mittwoch der Radebeuler Stadtrat über die Zukunft des Schulstandortes in Kötzschenbroda entscheiden. Auf Vorschlag von OB Bert Wensche und seiner Verwaltung soll die Oberschule einen Neubau erhalten und das in unmittelbarer Nähe zur Grundschule.

18.09.2017

Am 24. September entscheiden die Wähler, wer sie im Bundestag vertreten soll. Die DNN stellen hier Direktkandidaten der Wahlkreise aus der Region Dresden vor.Über den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erstreckt sich dabei der Wahlkreis 158.

18.09.2017
Anzeige