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Umland Sieben Millionen Euro sollen in den Lößnitzbach fließen
Region Umland Sieben Millionen Euro sollen in den Lößnitzbach fließen
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09:55 03.01.2018
In einem Graben, dessen Ufermauern einsturzgefährdet sind, fließen Lößnitzbach und Abwässer, ab Serkowitz gen Elbe. Das ist laut Wasserrecht nicht erlaubt. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
Radebeul

Im Mündungsbereich des Lößnitzbaches steht der Stadt Radebeul ein langwieriges und vor allem teures Investitionsprojekt bevor. Das Gewässer muss einen neuen Verlauf durch die Elbwiesen bekommen. Dies verlangt das Wasserrecht von der EU- über die Bundes- bis hin zur Landesebene. Rund sieben Million Euro wird die Realisierung des Vorhabens kosten.

„Naturnahe Gewässer müssen naturnah gestaltet werden“, fasst Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) die Vorgaben aus dem Wasserrecht zusammen. Und dieses Kriterium erfüllt der Lößnitzbach zwischen Eisenbahndamm und Elbe nicht. Denn im Stadtteil Serkowitz ist das Gewässer teilweise verrohrt. Zudem nimmt es nach heftigen Regenschauern als Entlastung des Kanalnetzes überschüssiges Mischwasser auf. Bach- und Abwasser fließen dann zusammen in einem von hohen Ufermauern eingezwängten Auslaufgraben gen Elbe.

Am Mauerwerk des Grabens sind die Spuren der Flut von Juni 2013 deutlich zu sehen. Denn Teile sind eingestürzt, große Mauersteine liegen im Grabenbett und bei weiteren Abschnitten der Uferbefestigung ist die Standsicherheit nicht mehr gegeben. Weitere Mauerteile drohen, spätestens beim nächsten Hochwasser einzustürzen. Weil eine Sanierung nicht mehr möglich ist, meldete die Stadt einen grundhaften Neubau über das Wiederaufbauprogramm von Bund und Ländern nach dem Juni-Hochwasser 2013 an. Eine Genehmigung wurde jedoch aufgrund des Wasserrechts versagt. Gewässer in guten ökologischen Zustand – dies ist der Lößnitzbach, bis er Serkowitz erreicht – dürfen nicht mit Mischwasser vermengt und zusammen weiterfließen. Das heißt, der Kanal darf nur dann wieder aufgebaut werden, wenn gleichzeitig der Bach von dem gemeinsamen Gewässerbett abgetrennt wird. Dies bedeutet einerseits, dass die Stadt für den Lößnitzbach eine neue Trasse zwischen Bahndamm und Elbmündung bauen muss. Andererseits möchte sie den Auslaufgraben, der die Entwässerung von Radebeul-Ost nach Starkniederschlägen gewährleistet, als abwassertechnische Anlage gestalten und somit komplett verrohren.

Als „Unsinn“ bezeichnete Stadtrat Roland Schreckenbach (Freie Wähler) das Vorhaben angesichts der hohen Investitionssumme. „Mit viel weniger Geld könnte man den jetzigen Graben sanieren“, meinte er. Auch CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi geißelte das Projekt als Verschwendung von Steuergeldern. Beide verweigerten ihre Zustimmung für die weitere Planung.

SPD-Stadtratsfraktionschef Thomas Gey gab zu bedenken, dass dies zwar nur ein Gewässer sei: „Für sieben Million Euro könnte man eine ganze Schule bauen.“ Jedoch sei das Vorhaben „alternativlos“. „Wir können die rechtlichen Vorgaben nicht ignorieren“, sagte Gey.

FDP-Stadtrat Jan Mücke verstand die Kritik von Jacobi und Schreckenbach nicht. Zum einen vertraue er den Fachbehörden und ihrem Lösungsvorschlag, zum anderen verwies er auf den Fördersatz. „Wir müssen es nicht komplett bezahlen“, so Mücke. Der Freistaat hat einen Zuschuss von fast 6,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Lößnitzstadt muss einen Eigenanteil von etwas mehr als 500000 Euro aufbringen.

Bis zum Abschluss dieses Vorhabens können nach Schätzung von OB Bert Wendsche (parteilos) noch bis zu zehn Jahre vergehen. Denn für die Trennung der beiden Gewässer ist ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Während des Verfahrens wird auch geklärt, wie und wo der Lößnitzbach ab der Bahntrasse bis zur Elbe künftig verlaufen soll.

Von Silvio Kuhnert

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