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Umland Immer mehr Dorfbewohner sitzen auf dem Trockenen
Region Umland Immer mehr Dorfbewohner sitzen auf dem Trockenen
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13:17 03.12.2018
Anwohnerin Jutta Voigt bunkert ihren Wasservorrat vor der Wohnungstür. Wasser fürs Zähneputzen und Kochen kauft sie im Supermarkt. Quelle: Lisa-Marie Leuteritz
Schmiedeberg/Klingenberg

Das Aufdrehen des Wasserhahns ist ein Glücksspiel. Kommen ein paar Tropfen oder nicht? Seit August ist in der Schmiedeberger Niederpöbel und im Klingenberger Ortsteil Röthenbach häufig letzteres der Fall. 15 Niederpöbler Grundstücke und etliche Röthenbacher Haushalte kämpfen mit erheblichen Wasserproblemen. Denn die Brunnen, die sie versorgen, liegen trocken. Wäsche wird bei Verwandten oder Freunden gewaschen, Staubflusen machen sich in der Dusche breit.

Wasser gibts nur freitags

Bereits im Juli wurde das Wasser langsam knapp, genau wie 2003. Vor 15 Jahren herrschten ähnliche Bedingungen: Kein Regen und Sonne satt. Damals reichte das Wasser, 2018 nicht. Im Treppenhaus von Jutta Voigt aus Niederpöbel stapeln sich Wasserflaschen und prall gefüllte Kanister. „Freitags zwischen 16.15 und 16.30 Uhr können wir uns Wasser im Schmiedeberger Bürgerhaus abholen“, erzählt sie. Die Versorgungsstelle wurde auf Anfrage von der Stadt Dippoldiswalde eingerichtet. „Oberbürgermeister Jens Peter sagte uns, er sehe keine Förderungsmöglichkeiten für den Bau einer Wasserleitung“, berichtet Jutta Voigt.

Der Wasserstand im Brunnen von Familie Leuteritz lässt sich nur noch erahnen. Quelle: Lisa-Marie Leuteritz

Eine Retourkutsche der Geschichte

In Röthenbach fahren Tanklaster das kostbare Nass zum Hochbehälter, der 35 der 75 Haushalte versorgt. Trocken liegende Brunnenbesitzer fahren mit Kanistern zum Pretzschendorfer Bauhof, um dort Wasser zu holen. Der Dorfbach ist seit Monaten ausgetrocknet. 70 Prozent der Anwohner wünschen sich Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz. übergaben ihre Anträge bereits an den Versorger. Doch das ist teuer – zu teuer für den Einzelnen und eine Retourkutsche der Geschichte.

Zehntausende Euro für einen Hausanschluss

Zum Verständnis ist ein kleiner Zeitsprung nötig: In den Neunziger Jahren gab es von Bund und Ländern 80 Prozent Fördermittel für die Errichtung einer öffentlichen Trinkwasserversorgung. Die Röthenbacher sträubten sich gegen den Anschluss. Die Anwohner der Niederpöbel sagen, sie seien nie gefragt worden: „Hier betrifft es nur 15 Grundstücke und kein ganzes Dorf. Ich habe das Gefühl, wir werden hier vergessen“, fürchtet Schmiedebergerin Jutta Voigt.

„Einige Grundstückseigentümer, die sich vor 20 Jahren vehement gegen den Anschluss gewehrt haben, stehen nun, wie 2003 schon, hilfesuchend vor der Tür“, sagt Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH, zuständig für die Trinkwasserversorgung im Gebiet. Die Förderung ist mittlerweile ausgelaufen, weil keine weiteren Baumaßnahmen zu erwarten waren. Der heiße Sommer 2018 hat das geändert.

Refinanzierung frühestens in 85 Jahren

Die Aufgabe, Niederpöbel, Röthenbach und weitere betroffenen Ortschaften an ihr Netz anzuschließen, sei für die Weißeritzgruppe aber nur mithilfe von „erheblichen Fördermitteln nachhaltig für alle und nur gemeinsam mit den zuständigen Behörden zu schultern“, teilt Kukuczka mit. Der Anschluss der Niederpöbel würde etwa 300 .000 Euro kosten. Die Grundstücke müssten jeweils bis zu 20. 000 Euro aus eigener Tasche zahlen. Die Refinanzierung aus den Wasserentgelten würde bis zu 85 Jahre dauern. Die Kosten für Gewinnung, Aufbereitung und Bereitstellung des Wassers sind in dieser Rechnung noch nicht inbegriffen. Ähnlichen Forderungen sähen sich auch die Röthenbacher gegenüber.

Der Bach in Röthenbach ist seit Monaten ausgetrocknet. Quelle: Franziska Kästner

Ist die Finanzierung aber gesichert, könne sofort mit der Planung begonnen werden, stellt Kukuczka klar. Die Gesellschaft habe dem Umweltministerium und der Landesdirektion Sachsen bereits von der Problematik berichtet und „sozialverträgliche Lösungen angemahnt“. Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft erklärt auf DNN-Nachfrage, dass es für dieses Thema nicht zuständig sei. Sprecher Frank Meier verweist an die Wasserversorgung Weißeritzgruppe. Kukuczka spielt den Ball zurück: „Der Freistaat muss sich positionieren!“

„Es geht nicht von heute auf morgen“

Erste Schritte dahin werden nun bereits gemacht. Wie Andrea Dombois (CDU), Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags auf DNN-Anfrage mitteilte, wird bereits an einem entsprechenden landesweiten Förderprogramm gearbeitet. Die Röthenbacher hatten sich Hilfe suchend an sie gewandt. Zunächst muss aber der kommende Haushalt verabschiedet werden. „Das wir die betroffenen Gemeinden unterstützen, ist kein Thema – aber das geht nicht von heute auf morgen“, so Dombois.

Sie rechnet mit drei bis vier Jahren, ehe der erste Spatenstich getätigt werden kann. Wie hoch der Eigenanteil der Anwohner dann sein wird, kann sie zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Ob ihn alle schultern wollen und können, bleibt erst einmal offen. „Solidarität ist in dieser Frage unabdingbar“, fordert Dombois. Entweder werden alle angeschlossen oder keiner. Möglich seien zum Beispiel Stundungen für sozial schwache Haushalte.

Hoffen auf Schnee

Den Betroffenen hilft die Aussage in der aktuellen Situation zunächst nicht weiter. „Wie lange sollen die Zustände noch anhalten? Hätte ich nicht so hilfsbereite Bekannte, müsste ich zum Waschen in einen Salon nach Dresden fahren“, sagt Voigt. Eine Regentonne im Garten beherbergt noch letzte Wasserreserven. „Bald kommt der Winter, dann friert das ein und hilft mir auch nicht mehr“, sagt sie. Inzwischen ist sie auch selbst auf der Suche nach einem passenden Förderprogramm. Derzeit wartet die 63-Jährige auf eine Antwort des Leaderprogramms „Silbernes Erzgebirge“. Doch die Hoffnung ist gering. Die nächstmögliche Rettung scheint eine große Schneeschmelze zu sein. Doch dafür muss es erst einmal ordentlich schneien.

Von Lisa-Marie Leuteritz und Franziska Kästner

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