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Umland Sachsens Winzer sind mit der Lese im Endspurt
Region Umland Sachsens Winzer sind mit der Lese im Endspurt
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11:23 08.10.2018
Die Sektmanufaktur Perlgut erntet erstmals Schwarzriesling-Trauben. Winzer Hendrik Weber bereitet daraus einen Blanc de Noir–Sekt und erweitert das Angebot des jungen Betriebs Quelle: PR
Meissen/Radebeul

Das Stimmgewirr der ukrainischen, rumänischen und deutschen Erntehelfer in den sächsischen Weinbergen verstummt. Die Weinlese ist in den meisten Betrieben beendet – so früh, wie wohl noch nie. Ein Selbstläufer wird der Jahrgang 2018 aber nicht, ein sonniger, heißer und trockener Sommer beschert per se noch keine grandiosen Weine.

Nun ist das Können der Kellermeister gefragt, damit die Weine trotz hoher Mostgewichte und des Trockenstresses keine „Alkoholbomben“ und nicht durch untypische Alterungstöne getrübt werden. Laut Schätzung des Deutschen Weininstituts werden in diesem Jahren in Sachsen rund 22.500 Hektoliter Wein geerntet, etwas mehr als im langjährigen Durchschnitt. Die Schätzungen beruhen auf Umfragen bei ausgewählten Weingüter, die Winzer müssen ihre tatsächlichen Erträge erst bis Ende des Jahres definitiv melden.

Schloss Proschwitz ohne Eiswein

Im Prädikatsweingut Schloss Proschwitz hing zuletzt lediglich in Terrassenweinbergen noch etwas Traminer und Riesling. Man strebe dort Auslesequalitäten an, sagte Unternehmenssprecherin Alexandra zur Lippe. Generell sei Sachsens größtes Privatweingut mit der Traubenqualität des Jahrgangs 2018 zufrieden. Die Trauben seien physiologisch ausgereift und besäßen entsprechend die sorten- und lagentypischen Aromen. Auf den Rebflächen wurden den Angaben zufolge bis zuletzt mit gezielter Laubarbeit an der Qualität der Trauben gefeilt.

Da die Trauben wegen des trockenen Wetters nicht faulten, ging die Ernte in diesem Jahr zügig vonstatten. In feuchten Jahren müssen oftmals zeitaufwendig essigfaule Beeren herausgepult werden. Das blieb den Erntehelfern erspart. Den hohen Mostgewichten werde der Kellermeister mit dem Säuern der Weine im rechtlich genehmigten Rahmen begegnen. Schloss Proschwitz wolle, so zur Lippe, auch vom Jahrgang 2018 elegante Weine mit nicht zu hohem Alkoholgehalt ausbauen. Mit Eiswein plane man nicht. Es gebe von diesen Weinen für Liebhaber noch einen Bestand im Sortiment.

Wackerbarth: Das Können der Kellermeister ist besonders gefragt

Im Endspurt befindet sich auch das Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Anfang Oktober werde die Hauptlese abgeschlossen, erklärte Firmensprecher Martin Junge. Vorige Woche waren die Trauben demnach bereits von 90 Prozent der insgesamt 92 Hektar geerntet. Der Blaufränkisch in Laubach sowie Riesling, Traminer und Scheurebe auf dem Wackerbarthberg und im Goldenen Wagen wurden zuletzt in die Kellerei geholt. „Aus den Riesling-, Traminer- und Scheurebe-Trauben, die aktuell noch in unseren Radebeuler Steillagen und Terrassenweinbergen hängen, keltern wir restsüße beziehungsweise edelsüße Weine wie Spätlesen und Auslesen“, kündigte Junge an. Zugleich stelle das Staatsweingut „die Weichen für Eiswein“: Auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern bleiben Trauben an rund 3.000 Riesling-Rebstöcke hängen. Ob Eiswein klappt, hängt vom Witterungsverlauf im Herbst und dem nötigen Frost zu Beginn des Winters ab.

Weinreben der Sorte "Riesling" auf dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Quelle: dpa/Sebastian Kahnert

Wackerbarth-Sprecher Junge sagte: „Mit den Ergebnissen der Weinlese 2018 sind wir zufrieden – sowohl hinsichtlich der Qualität der Trauben und deren Mostgewichten, als auch bezüglich der Lesemenge.“ Im Vergleich zum Weinjahr 2017 verfügten zwar alle Trauben über geringere Gewichte – also weniger Saft - und eine lockerere Traubenstruktur. Da die Trauben aber alle gesund sind und kein Verlust verbucht werden muss, sei bei der Menge ein Ergebnis wie in einem Durchschnittsjahr erzielt worden.

Traubenlieferanten und Wackerbarth-Winzer achteten den Angaben zufolge auf optimale Aromareife der Trauben. Junge betonte aber auch: „Der Ausnahmejahrgang 2018 stellt das Können unserer Kellermeister auf die Probe: Trotz der besonderen Witterung mit langanhaltender Hitze und vielen warmen Tagen und Nächten ist unser Ziel, auch aus diesem Jahrgang elegante und finessenreiche Weine zu keltern.“

Untypische Alterungsnoten entstünden bei Weinen in der Regel aus der Verbindung von Trockenstress, hohen Erträgen und einer zu zeitigen Lese von nicht vollständig ausgereiften Trauben, so der Unternehmenssprecher. „Um der langanhaltenden Trockenheit in diesem Jahr erfolgreich zu begegnen, haben wir die Bewirtschaftung unserer Weinberge umgestellt.“ Neben einer zusätzlichen Bewässerung in den Steillagen sowie Junganlagen, habe dazu auch eine individuell angepasste Bodenbearbeitung sowie eine aufwendige Pflege der Laubwand gehört. Das Staatsweingut verweist darauf, dass der Durchschnittsertrag in Sachsen bei lediglich 47 Hektoliter je Hektar liege. Deutschlandweit ernten die Winzer durchschnittlich beinahe doppelt so viele Trauben pro Hektar.

8 Zeilen: Noch nie so früh geerntet

Die kleine Weinbau „8 Zeilen“ von Winzer Ronny Koch in Diera-Zehren hat am Wochenende die Ernte mit Spätburgunder und Traminer beendet. „Das Traubengewicht ist deutlich geringer dieses Jahr, was der langen Trockenheit geschuldet ist. Daraus resultierend ist hoffentlich der Extraktgehalt auch deutlich konzentrierter“, so der Winzer. Dünnschalige und kompakte Rebsorten hatten besonders unter Hitze und Trockenheit zu leiden. „Pilzkrankenheiten waren bis auf den kleinen Wetterabschnitt innerhalb der Blüte nicht weiter relevant“, so Koch. „Eine ordentliche letzte Vorblüte- und eine gute Nachblütespritzung“ hätten gesunde Trauben gebracht. Koch bewirtschaftet im Nebenerwerb vier Weinberge mit einer Gesamtfläche von 7500 Quadratmetern. Er erinnert sich, dass zu Beginn seiner Lehre 1996 Riesling noch Anfang bis Mitte November in Sachsen geerntet wurde. Der Klimawandel verschiebt diesen Termin kontinuierlich nach vorn. So früh, wie in diesem Jahr, sei es aber noch nie gewesen.

Hoflößnitz: Zehn Prozent weniger Ernte

Der einzige Bio-Betrieb im Anbaugebiet, das Radebeuler Stadtweingut Hoflößnitz, wollte Ende vergangener Woche mit Riesling und Souvihnier Gris ebenfalls die Lese beenden. Die Qualitäten seien zufriedenstellend bis sehr gut. Von der Solaris habe man Auslesequalität in den Keller holen können, hieß es aus der Geschäftsführung. „Da Ansäuerung erlaubt ist, kann dies im Bedarfsfall angewendet werden. Um UTA – also untypische Alterungsnoten – vorzubeugen, werde „der Most bedarfsentsprechend mit zugelassenen Bio- Hefenährstoffen versorgt“. Die Gesamtmenge nach dem regenarmen Sommer liege etwa zehn Prozent unter den Planungen der Hoflößnitz. Hitze und Trockenheit sei vor allem auf sandigen Böden eine Herausforderung für die Reben gewesen. Neue pilzwiderstandsfähige Sorten, die auf 50 Prozent der 11,5 Hektar stehen, seien gegen Trockenstress nicht robuster als althergebrachte Rebsorten. Es liege stets am Standort der Rebstöcke.

Sachsens größter Weinproduzent, die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen, ließ mehrere Anfragen zum Stand der Weinlese unbeantwortet.

Von Lars Müller

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