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Umland Sachsenforst arbeitet an 100 Kilometer langer Trekkingroute
Region Umland Sachsenforst arbeitet an 100 Kilometer langer Trekkingroute
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10:19 27.09.2017
Assistiert von Forst-Mitarbeiter Uwe Spieler markiert Barbara Hartstein, Wegewartin der Gemeinde Rosenthal-Bielatal, eine alte Grenzsäule mit dem goldgelben Forststeig-Strich. Quelle: Bernd Lichtenberger
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Cunnersdorf

Für Leute, die Spaß daran haben, statt auf markierten Wanderwegen mal über Stock und Stein zu gehen und so das Elbsandsteingebirge zu erkunden, gibt es ab dem kommenden Frühjahr ein ganz besonders Angebot: den „Forststeig Elbsandstein“. In der Nähe des Taubenteiches an der deutsch-tschechischen Grenze wurde vor wenigen Tagen ganz offiziell mit der Markierung dieses Waldpfades begonnen. Außerdem erklärte Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt, aus diesem Anlass die unweit der Strecke gelegene Haselmausbaude zur Trekkinghütte, in der Wanderer übernachten können.

„Die Idee, im linkselbischen Gebiet des Elbsandsteingebirges eine grenzüberschreitende Trekkingroute auszuweisen, wurde schon 2012 geboren“, erklärt Borrmeister. Seitdem werde die für eine fünftägige Wanderung ausgelegte Strecke mitten durch die Natur, möglichst abseits der üblichen Wanderwege von den beiden Staatsbetrieben Sachsenforst und Lesy České republiky, s.p. geplant und vorbereitet. Auf sächsischer Seite gehören dazu auch fünf Trekkinghütten und die Anlage von drei Biwakplätzen. Finanziell unterstützt wird das Projekt, weil grenzüberschreitend, zu 80 Prozent von der EU.

Die hundert Kilometer lange Route, auf der hier und da auch eine tolle Aussicht lockt, wurde im Juni von 20 Wanderteams getestet. Heidemarie Matthes und Bernhard Müller bildeten das erste Team, das mit GPS-Unterstützung in die manchmal ziemlich schwer zu findende Spur ging. Ihr Urteil: „Uns hat es wunderbar gefallen. Es war aber auch eine ganz schöne Herausforderung. An den Fichtenwänden haben wir für drei Kilometer zwei Stunden gebraucht und am Großen Zschirnstein ging es sehr steil nach oben. Da wäre ich sonst nie hoch gegangen“, berichtet Müller. Mit 75 Jahren der älteste Testwanderer, war er angesichts des damit verbundenen Gepäcks allerdings nicht scharf auf eine Nacht unter freiem Himmel und hatte sich mit seiner Wanderpartnerin Pensionen in der Umgebung gesucht. Außerdem schien beiden an allen Trekkingtagen die Sonne. Dieses Glück hatten andere Testwanderer nicht. So moniert Barbara Hartstein, Wegewartin in der Gemeinde Rosenthal-Bielatal, dass es bei oder nach einem Regen durch viel nasses Gras und nassen Farn geht. „Das muss man mögen, ist sehr speziell und für Normalwanderer ziemlich grenzwertig“, meint sie. Ein anderer Tester bestätigt, die Route sei „intensiv in jeder Hinsicht“.

Im Forstbezirk wurden diese Erfahrungen gründlich ausgewertet. Auf etwa zehn Prozent der Strecke gab es danach Veränderungen an der Route, so der Forstbezirksleiter. Wo es zu steil ist, soll der Pfad in Serpentinen verlaufen, die Fichtenwände müssen frei geschnitten, am Quirl gibt es jetzt eine Abkürzung, nennt er dafür Beispiele. Trotzdem betont Borrmeister: „Wer den Forststeig geht, muss mit nassen Füßen und zerkratzten Beinen rechnen. Das ist kein Malerweg.“ Außerdem soll der Forststeig aus gutem Grund nur jeweils von April bis Oktober begangen werden. Im Winter sei er dafür völlig ungeeignet, zu nass, zu glatt, zu gefährlich, warnt der Forstbezirkschef.

Die fünf Trekkinghütten sind deshalb künftig nur im Sommerhalbjahr offen. Dann allerdings ohne jede Einschränkung und Vorbestellung. Einzige Nutzungsbedingung ist die Entrichtung eines Pflegebeitrages durch die Entwertung von Trekkingtickets. Diese Tickets zum Preis von zehn Euro für Erwachsene kann man zuvor beim Sachsenforst, im Nationalparkzentrum oder bei anderen Nationalpark-Partnern kaufen. Mit Komfort ist in den im Blockhausstil errichteten und bisher nur als Schutzhütten für die Waldarbeiter genutzten Häuschen nicht zu rechnen. Es gibt einen Schlafboden, einen Aufenthaltsraum und eine moderne Komposttoiletten. Aber kein Trinkwasser. Und auch für Gruppen sind die Hütten ungeeignet. Wer kommt, wenn die acht Schlafplätze unterm Dach schon belegt sind, hat Pech. „Voll ist voll, wie beim Boofen“, erklärt Borrmeister. Im Falle der Haselmausbaude wäre die nächste Übernachtungs-Alternative die etwa eine Wegestunde entfernte Grenzbaude.

Ihren Namen hat die Haselmausbaude angeblich einem überraschenden Fund zu verdanken. Vor Jahren endeckten Waldarbeiter, die sich in der Hütte einrichten wollten, im Aschekasten eine Haselmaus-Familie, erzählt Anke Findeisen und erinnert daran, dass die kleinen, strenggeschützten Nager 2017 zum Wildtier des Jahres gekürt wurden. Die Sprecherin des Forstbezirks begleitet das Forststeig-Projekt seit 2012 und freut sich darüber, dass es – obwohl der eigentliche Start erst für April 2018 vorgesehen ist, schon große Resonanz erfahren hat. Immerhin bewarben sich für den Routentest beim Forstbezirk insgesamt 194 Teams mit 387 Wanderern, von denen dann schließlich 20 Teams ausgelost wurden. Auch Heidemarie Matthes, Präsidentin des Sächsischen Wander- und Bergsteigerverbandes e.V. bestätigt, als sie im Verband von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet habe, sei das Echo super gewesen.

„Offenbar treffen wir mit diesem Angebot den Nerv der Zeit“, freut sich Findeisen. Allerdings gebe es bis zum richtigen Start noch einiges zu tun“, räumt ihr Chef ein. So sei noch in diesem Jahr geplant, gemeinsam mit Mitgliedern der IG „Stiegen- und Wanderfreunde“ und unterstützt von Globetrotter den dritten Biwakplatz herzurichten. Auch die fünfte als Trekkinghütte vorgesehene Schutzhütte bei Bielatal ist noch dafür vorzubereiten. Abschließend sollen außerdem sechs Globetrotter-Azubis auf eine letzte Test-Wanderschaft gehen. Vielleicht haben es bis dahin auch die zehn Wegewarte als Partner der Forstverwaltung geschafft, die gesamte Route mit dem goldgelben, senkrechten Forststeig-Strich zu markieren. Pinsel, Farbe und eine Drahtbürste zum Glätten der Baumrinde erhielten sie kürzlich am Taubenteich.

Mehr Infos gibt es im Internet unter www.forststeig.de und unter www.trekkinghütten.de.

BU-Vorschläge: Alle Fotos: Bernd Lichtenberger

Forstbezirkschef Uwe Borrmeister erläutert, wie die Forststeig-Markierung aussehen soll. Rechts Pressesprecherin Anke Findeisen, die das Projekt seit 2012 betreut.

Frieder Waurer aus Reinhardtsdorf ist einer von zehn Wegewarten, die den Forststeig als Sachsenforst-Partner in den nächsten Wochen markieren werden.

Assistiert von Forst-Mitarbeiter Uwe Spieler markiert Barbara Hartstein, Wegewartin der Gemeinde Rosenthal-Bielatal, eine alte Grenzsäule mit dem goldgelben Forststeig-Strich.

Mit Sorgfalt markiert Barbara Hartstein, Wegewartin der Gemeinde Rosenthal-Bielatal, eine alte Grenzsäule mit dem goldgelben Forststeig-Strich.

Testwanderer tauschen anhand der Routenpläne ihre Erfahrungen aus. Insgesamt waren zum Test der 100 Kilometer langen Strecke 20 Wanderteams unterwegs.

Ein goldgelber, etwa 5 cm breiter Strich markiert künftig die Trekkingroute.

Forstbezirkschef Uwe Borrmeister bringt an der Trekkinghütte die Hüttenbezeichnung an.

Noch bis Mitte Oktober empfängt die Haselmausbaude müde Wanderer für eine Übernachtung.

Von Bernd Lichtenberger

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