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Umland Sachsen wirbt in Vietnam um Pflegepersonal
Region Umland Sachsen wirbt in Vietnam um Pflegepersonal
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13:02 14.10.2017
Routiniert misst Hong Nhung Nguyen den Blutdruck bei Paul Jeurink.  Quelle: Uwe Menschner
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Pulsnitz

 Die junge Frau im blauen Kittel versteht ihr Handwerk. Mit geübten Griffen legt sie dem Patienten die Manschette des Blutdruckmessgerätes an und beobachtet aufmerksam die Skala. Hong Nhung Nguyen hat bereits in ihrem Heimatland Vietnam eine Ausbildung als Krankenschwester beendet und in diesem Beruf gearbeitet. So fiel es ihr nicht schwer, die „Anpassungsqualifizierung zum Gesundheits- und Krankenpfleger“ erfolgreich zu absolvieren.

„Diese Qualifizierung dient dazu, die Gleichwertigkeit des vietnamesischen Abschlusses mit der entsprechenden deutschen Ausbildung herzustellen, um diesen hier anerkennen zu können“, erklärt Gerald Svarovsky. Der Regionalmanager der DPFA Akademiegruppe mit Sitz in Dresden zählt zu den geistigen Vätern eines Pilotprojektes, mit dessen Hilfe der sich abzeichnende Fachkräftemangel im Pflegebereich abgemildert werden soll.

„Sachsen tut schon viel für die Ausbildung von Pflegefachpersonal“, so Gerald Svarovsky. „Doch aus eigenen Ressourcen können wir den altersbedingten Abgang von Fachkräften in den nächsten Jahrzehnten nur bestenfalls zur Hälfte ausgleichen. Wir brauchen also neue Ideen“, betont er. Und eine solche Idee sei es, den dringend benötigten Nachschub zum Teil im Ausland zu generieren. Beispielsweise in Vietnam, dessen Beziehungen zur früheren DDR ja einen besonders innigen Charakter trugen.

„Freilich gibt es da in der Anfangsphase auch gewisse Zweifel und Skrupel. Beispielsweise ob es moralisch vertretbar ist, die Fachkräfte, die ja in ihren Heimatländern auch gebraucht werden, hierher nach Deutschland zu holen“, räumt der Regionalmanager ein. Bei einem Besuch vor Ort habe er sich jedoch davon überzeugen können, dass diese Bedenken unbegründet sind: „In Vietnam stellt sich die Situation völlig anders dar als hier: Dort kommen 2000 Bewerber auf 200 Ausbildungsplätze, und etwa 30 davon finden tatsächlich eine Stelle.“

Bleibt noch die Sorge, ob die kulturellen und mentalen Unterschiede möglicherweise ein ernsthaftes Hindernis bilden. Doch auch hier lautet die Erkenntnis: eindeutig nicht. „Freilich war es für unsere neuen Kollegen nicht einfach, sich einzugewöhnen. Doch letztendlich ist es ihnen allen gelungen“, wie Carsten Tietze berichtet.

Er spricht als Geschäftsführer der Helios Kliniken Pulsnitz für einen von drei Praxispartnern des Projektes (die anderen beiden sind die Altenpflegeheim Spreegasse GmbH Bautzen und die Cultus gGmbH Dresden), in denen die bislang insgesamt 15 jungen Vietnamesen ihre praktischen Fähigkeiten erwarben und wo sie nach erfolgreichem Abschluss auch arbeiten. „Hong Nhung Nguyen und einige ihrer Kollegen haben einen festen und unbefristeten Arbeitsvertrag bei uns, sie gehören zu unserem Team“, betont der Geschäftsführer.

 Die Mindestdauer des Aufenthalts in Deutschland beträgt vier Jahre, eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht. Und Nhung (dies ist der Vorname) hat nicht vor, so schnell wieder aus Deutschland wegzugehen: „Mir gefällt die Arbeit hier sehr gut, ich bin mit dem Herzen dabei“, sagt sie mit einem breiten Lächeln. In Deutschland sei ihr Tätigkeitsgebiet wesentlich umfangreicher als in Vietnam. „Und an das Essen musste ich mich erst gewöhnen, doch auch das schmeckt mir jetzt sehr gut.“

Barbara Klepsch vernimmt dies mit Freude. Trägt die CDU-Politikerin doch als Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz einen großen Teil der politischen Verantwortung dafür, dass die Pflegeversorgung im Freistaat funktioniert. „Die Gewinnung von Fachkräften im Ausland ist nur einer von vielen Mosaiksteinen, die dazu beitragen“, erklärt sie.

Die DPFA steht bereit, ihren Beitrag zu leisten – für 2018/19 will sie wieder 15 jungen Vietnamesen eine Anpassungsqualifizierung oder auch eine Erstausbildung in Deutschland ermöglichen. „Wir sind da auch offen für neue Praxispartner“, betont Regionalmanager Gerald Svarovsky. Von der Politik wünscht er sich einen „Abbau von Bürokratie, dass uns nicht so viele Formalien im Wege stehen.“

Von Uwe Menschner

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