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Umland Radebeulerin erhält Preis für ihr Lebenswerk
Region Umland Radebeulerin erhält Preis für ihr Lebenswerk
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10:11 18.12.2015
Helga Gäbler hat ihr ganzes Leben in drei Büchern niedergeschrieben. Neben der eigenen Geschichte schildert sie äußerst detailreich den Wandel des Dorfes Reppen, wo sie aufwuchs, und ihre Zeit in den Hilfsorganisationen Oberwiesenthals. Quelle: Dietrich Flechtner
Radebeul

Sie wurde auch Zeugin des Aufbaus, der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Ihre Erlebnisse hielt sie in drei Büchern fest, für die sie gestern in Leipzig ausgezeichnet wurde. Bei der Verleihung des 12. mitteldeutschen Historikerpreises "Ur-Krostitzer Jahresring" wurde sie in der Kategorie "Lebenswerk" mit einem Preisgeld von 500 Euro geehrt.

"Ich habe das Gefühl, dass unsere Dörfer langsam sterben", sagt die 92-Jährige, die seit 1981 in Radebeul lebt. Sie wuchs in Reppen auf, einem kleinen Ort bei Oschatz. Als ihre Mutter 1945 starb, übernahm sie den Hof und arbeitete einige Jahre als Landwirtin. Anlässlich des 800-jährigen Dorfjubiläums im Jahre 1998 recherchierte sie im Stadtarchiv Dresden über 300 Akten und fasste die Entwicklung im Buch "Reppen - Ein Dorf im Wandel" zusammen. Darin schildert sie auch ein Phänomen, dem in den letzten Jahren immer mehr Dörfer zum Opfer fielen: "Junge Leute zogen arbeitsbedingt weg, die Alten blieben zurück. Es gab kaum noch Landwirtschaft, Häuser verfielen und Handwerksbetriebe machten dicht. Es folgten öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, auch soziale Treffpunkte wie Vereine und Gasthöfe." Diese Vorgänge schildert sie sehr bildhaft und eindringlich.

Nachdem ihr Mann 1950 Stationsleiter der Wetterwarte Fichtelberg wurde, beteiligte sie sich zunächst an der Untersuchung der Luftchemie. Später entstand dort eine Unfallhilfsstelle. Der Tourismus hatte nach Aufhebung des Sperrgebietes der Wismut stark zugenommen, und immer mehr Urlauber und Freizeitsportler verunglückten in den Bergen. Gäbler half bei der ärztlichen Versorgung und bildete selbst rund 300 junge Sanitäter für den Bergrettungsdienst aus.

Diese und andere Erlebnisse, wie die Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten DRK in der DDR, schildert sie im Buch "Immer hilfsbereit - Entwicklung der Hilfsorganisationen Oberwiesen-thals". Der Wunsch zu helfen, zog sich durch ihr ganzes Leben. Neben ihrer Tätigkeit beim DRK engagierte sie sich auch als Rettungsschwimmerin.

Gäblers umfassendstes Werk, das den Titel "Geschichten - Für meine Kinder, Enkel und Urenkel und alle, die sich dafür interessieren" trägt, würdigte die Jury besonders. In dem Buch finden sich nicht nur Erinnerungen an ihr eigenes Leben und die Familie wieder. Die Autorin dokumentierte und reflektierte auch das jeweils aktuelle Zeitgeschehen und die historischen Epochen, in denen sie lebte. "Ich entdeckte viele Widersprüche, Übertreibungen und Halbwahrheiten in der medialen Berichterstattung und wollte meine eigenen Beobachtungen für die Nachwelt festhalten", begründet die hellwache Seniorin ihr Interesse am Schreiben.

Schnell war sich das Preiskomitee einig, dass vor allem dieses Buch viele politische und kulturgeschichtliche Details enthält, die im Rahmen der wissenschaftlichen Forschungen zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden und schließlich in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund, so die Jury, sind Gäblers Bücher, die alle im Leipziger Verlag Osiris Druck erschienen, von großem historischem Wert.

von Ronald Kuchar

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