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Radebeuler DDR-Museum plant Ausstellung zum DDR-Design

Radebeuler DDR-Museum plant Ausstellung zum DDR-Design

Vorsichtig packt Hans-Joachim Stephan den in schlichter Metall-Optik gehaltenen Plattenspieler aus. "So etwas Edles hat man noch 1986 versucht zu bauen", sagt er zum Modell Olympia P 2001. Das Audiogerät blieb Studie, ging in der DDR Ende der 1980er nie in Serie, weil es die dafür benötigten Chips aus Westproduktion schlicht nicht gab.

Radebeul.

Für Stephan, den Leiter des Radebeuler DDR-Museums "Zeitreise" dennoch ein starkes Stück, das Teil einer neuen Ausstellung werden soll. Sie wird sich dem DDR-Design widmen, einem Thema, das auf Anhieb viel Interesse finden dürfte.

Stephan zieht aber den Vergleich auf einer ganz anderen Ebene. "Wir haben beispielsweise auch einen Teil von einem Möbelsystem, das ebenfalls nicht in Serie gegangen ist. Den anderen Teil hat das Grassi-Museum in Leipzig", sagt er. Das dortige Museum für Angewandte Kunst zeigt tatsächlich mit hohem Anspruch viele Produktdesigns aus der DDR der 1950er bis 1970er Jahre. Ähnliches schwebt offenbar auch Stephan vor, der sich für die Schau mit Günter Höhne zusammengetan hat. Der Forscher hat zur DDR-Design-Geschichte einschlägige Literatur verfasst und soll für die inhaltliche Gestaltung der neuen Ausstellung verantwortlich sein. Die Exponate kommen aus dem Fundus des Radebeuler Museums, der mit 38 000 Artikeln außerordentlich reichhaltig ist.

Damit ließen sich noch ganz andere Dinge anstellen, allein es fehlt das liebe Geld dafür. Stephan trifft der Schwund von Ein-Euro-Jobbern in Radebeul (DNN berichteten) besonders. Mal acht, mal neun der billigen Arbeitskräfte hatte ihm das Rathaus in der Vergangenheit zugeteilt, jetzt muss es ohne gehen. Einen neuen Mitarbeiter hat Stephan deshalb eingestellt, kommt jetzt auf sieben Beschäftigte. Das ist ein eigentlich positiver Effekt, für den Museums-Chef bedeutet es aber, dass sein Budget nahezu ausgereizt ist. "Noch so eine Entwicklung wie beim Hochwasser 2013, als die Besucherzahlen für zwei Monate einbrachen, verkrafte ich nicht", sagt er.

Umso erfreulicher, dass ihm kürzlich ein Fördermittelbescheid ins Haus flatterte. "Das ist der erste, den ich je bekommen habe", sagt Stephan. 25 000 Euro erhält er vom Landkreis Meißen aus einen speziellen Fonds für behindertengerechte Kultureinrichtungen. Dafür will Stephan sieben Videostationen, die für Rollstuhlfahrer erreichbar sind, und zehn Audiostationen anschaffen, die das Museum insbesondere für sehbehinderte Menschen erfahrbar machen. Bis Jahresende soll alles eingerichtet sein, sagt Stephan über die Investition, die vor allem in der Zukunft von stärkerer Bedeutung sein soll. Er geht davon aus, dass die Besucher gemäß der demografischen Entwicklung künftig älter werden.

In einem eng gesteckten Rahmen gibt es also Bewegung. Stephan fuchst es dennoch, dass es keine institutionelle Förderung etwa durch den Kulturraum für sein Museum gibt, das mit rund 60 000 Besuchern jährlich immerhin die am besten besuchte Sammlung Radebeuls ist. Das würde ihm vieles erleichtern. Es fehle dafür jedoch die Gemeinnützigkeit, bekomme er auf seine Anfragen als stete Antwort. Der 59-Jährige führt das im Oktober 2005 gegründete Museum als GmbH. Theoretisch könnte er sich das für die Fördergeldgeber so bedeutsame kleine g - für gemeinnützig - vor der GmbH zulegen. Dafür müsste sein Vermieter, ein spanisches Unternehmen, aber auf steuerliche Vorteile verzichten. Für Stephan eine Zwickmühle, denn eine ähnlich geeignete Anlage wie im Wasapark wird er für seine Sammlung kaum finden.

Die auf vier Etagen ausgedehnte Ausstellung hat in ihrer Fülle immerhin internationales Interesse erregt. Das kalifornische "Wende Museum" habe ihn kontaktiert, informiert Stephan. Das US-Museum firmiert unter der Ortsangabe Los Angeles, ist aber in Culver City gelegen. Es widmet sich dem Osteuropa des Kalten Krieges, konzentriert sich dabei aber insbesondere auf die DDR und will mit dem Radebeuler Museum einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnen. Für Stephan, dem unter anderen auch schon die Technischen Sammlungen in Dresden Leihgaben übereignet haben, ein Ritterschlag. Schließlich wollen die US-Amerikaner anscheinend nach vor allem von dem in seinem Museum versammelten Wissen profitieren. Es gehe ihnen insbesondere um die Kategorisierung ihrer rund 75 000 Exponate, sagt er nach einem ersten Treffen mit Angela Thompson, einer in Dresden geborenen, aber schon seit langen in den USA lebenden Schriftstellerin, die als Beraterin des "Wende Museums" fungiert. Er sei gespannt, wie sich die Zusammenarbeit entwickle.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2014

Uwe Hofmann

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