Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Radebeuler Courage Preis 2017 gegen das Vergessen

Preisverleihung in der Radebeuler Friedenskirche Radebeuler Courage Preis 2017 gegen das Vergessen

Am Sonntag bekommen Ingrid Lewek und Wolfgang Tarnowski in der Friedenskirche in Radebeul den regionalen Preis des „Radebeuler Courage Preises 2017“ überreicht, Elena Mircea aus Rumänien wird mit dem internationalen Preis für ihre Arbeit gewürdigt.

Ingrid Lewek hat die Nachricht zu der Preisverleihung des Radebeuler Couragepreises per Post erhalten.

Quelle: Annette Lindackers

Radebeul. Am Sonntag bekommen Ingrid Lewek und Wolfgang Tarnowski in der Friedenskirche den regionalen Preis des „Radebeuler Courage Preises 2017“ überreicht, Elena Mircea aus Rumänien wird mit dem internationalen Preis für ihre Arbeit gewürdigt.

„Ich war völlig überrascht, als der Brief Ende Juli bei mir im Briefkasten lag“, sagt die Preisträgerin Ingrid Lewek und war sich mit ihrem Mit-Preisträger Wolfgang Tarnowski schnell einig, die Auszeichnung anzunehmen, die sie für ihre Arbeiten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus erhalten.

Beide haben 2004 in einem Buch ihr Wissen und das Ergebnis von umfassenden Forschungsarbeiten rund um das Thema „Juden in Radebeul 1933 bis 1945“ veröffentlicht. Darin werden anhand von Einzelschicksalen Radebeuler jüdischer Bürger die Formen von Diskriminierung, Vertreibung, Ausgrenzung und Deportation beschrieben, angefüllt mit Fotos und Dokumenten. Tarnowski, dem es gelang, als Halbjude die Zeit der Nationalsozialisten in Radebeul zu überleben, hat für das Buch viel Wissen über einzelne Schicksale zusammentragen können. Ingrid Lewek hörte in Gesprächen mit Radebeulern – sensibilisiert durch die Geschichte ihres Mannes, der jüdische Wurzeln hatte – von einigen Schicksalen jüdischer Familien und dokumentierte dies.

Am 27. August wird um 19 Uhr der Radebeuler Couragepreis 2017 an zwei regionale und einen internationalen Preisträger in der Friedenskirche Kötzschenbroda verliehen.

Der Verein „Radebeuler Couragepreis“ e.v. will damit Personen, Gruppen, Initiativen und Projekte bekannt machen und unterstützen, die sich teils unter schwierigen Bedingungen um Frieden und mehr Gerechtigkeit bemühen, aber auch sozial und ökologisch verantwortlich für bürgerschaftliches Engagement als Vorbild wirken.

Der internationale Preis geht in diesem Jahr an die rumänische Lehrerin Elena Mircea , die sich für gleichberechtigte Bildungschancen über räumliche und vor allem Nationalitätengrenzen hinweg einsetzt. Die Laudatio hält Pfarrer Christof Heinze von der Lutherkirchgemeinde Radebeul. Schüler der Evangelischen Grundschule in Radebeul erzählen von ihren Reisen dorthin.

Der regionale Preis wird gemeinsam an Ingrid Lewek und Wolfgang Tarnowski verliehen. Er würdigt ihr langjähriges Wirken zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Frank Richter, Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden, spricht die Laudatio.

Der 2004 gegründete Verein hat die im zweijährigen Turnus stattfindende Preisverleihung auf den 27. August festgelegt und erinnert an den Jahrestag des Waffenstillstands von Kötzschenbroda im Jahr 1645.

Ihre Wurzeln hat sie in Chemnitz, wo sie als Ingrid Püschel 1927 zur Welt kam. Beide Eltern starben früh, der einzige Bruder fiel im Krieg. In Obhut von Familienangehörigen und guten Freunden wuchs sie in Chemnitz auf und legte auf der Höheren Mädchenschule trotz Kriegswirren mit 14 anderen Mädchen 1964 ihr Abitur ab. Eine große Affinität zur Bibel und ihrer Aussagekraft hatte sie schon früh, nahm im Alter von 12 Jahren am Mädchenbibelkreis teil. Sie sagt von sich selber, dass sie ein Bibel-Narr gewesen sei. Deshalb wunderte es niemanden, als sie 1946 mit dem Theologiestudium in Leipzig begann. „Mein Ziel war es immer, Pastorin zu werden“, sagt Lewek, „doch nach der Verlobung mit meinem späteren Mann Kurt Lewek im Jahr 1950 war damit erstmal Schluss.“ Als Verheiratete war es zu der Zeit nicht möglich, als Pastorin ordiniert zu werden. Kennengelernt hatten sie sich im Studium und zogen 1950 nach Jößnitz zur ersten Pfarrstelle des Mannes. Hier kamen die ersten drei Kinder zur Welt.

1956 wechselte die Familie zur neuen Pfarrstelle an die Friedenskirche nach Radebeul. „Die Stadt war mir nicht ganz unbekannt, mit meinem Vater war ich 1939 zu Besuch im Karl-May-Museum“, sagt die Seniorin, „mein Bruder und ich waren so begeistert von Karl-May und haben 40 Bücher von ihm gelesen!“ Als Pfarrersfrau in dem von der Stadt gemieteten Pfarrhaus auf der Wilhelm-Busch-Straße engagierte sich Ingrid Lewek – inzwischen Mutter von vier Kindern – in der Eltern-und Familienarbeit.

Zu ihrer großen Freue konnte sie im Jahr 1980 an der Friedenskirche als Pfarrerin ordiniert werden und arbeitete fortan in diesem Amt in der Krankenhaus- und Altersheimseelsorge. Seit 1987 ist sie im Ruhestand, was sie aber nicht davon abhält, weiterhin Menschen zu besuchen, die ihrer Seelsorge bedürfen.

Den Austausch mit anderen Menschen schätzt sie sehr, so dass sie viel damit zu tun hat, die sich daraus entwickelnde umfangreiche Korrespondenz zu erledigen. Der tägliche Gang zur Post gehört schon zur Routine.

Ingrid Lewek war Mitbegründerin der „Gesellschaft für Christlich Jüdische Zusammenarbeit“ im Jahr 1991, auch bestärkt durch ihre christlichen Grundwerte. Ihr Engagement gegen das Vergessen der Judenschicksale ist noch stärker geworden seit der Debatte um die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. „Wenn ich denke, wie wir uns gebärden gegenüber den Flüchtlingen, und Sorge haben um unsere kulturelle Reinheit“, sagt sie mit ernster Stimme „denke ich sofort, wer außer uns hat Auschwitz zu verantworten?“

Sie freut sich auf die Übergabe des Preises und der damit verbundenen Anerkennung der gemeinsam geleisteten Arbeit mit Wolfgang Tarnowski.

Von Annette Lindackers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

21.01.2018 - 08:21 Uhr

Pech im Neunmeterschießen : Knappe Finalniederlage gegen den JFC Jena

mehr