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Umland Radebeul zahlt 125 000 Euro mehr für das E-Werk
Region Umland Radebeul zahlt 125 000 Euro mehr für das E-Werk
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09:53 05.11.2018
Die Stadt Radebeul kauft das Gelände des ehemaligen E-Werks. Bislang gehört das Areal der Enso. Quelle: Silvio Kuhnert
Radebeul

Die Stadt Radebeul kauft das E-Werk im Lößnitzgrund. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Stadtrat bereits ende 2017 gefasst. Weil sich die Kosten durch ein neues Wertgutachten allerdings um 125 000 Euro erhöht hatten, musste ein erneuter Beschluss gefasst werden. Zuvor gab es erneut eine hitzige Debatte.

Sie entzündete sich nicht an dem Kaufpreis von nun knapp 700 000 Euro, für den das Versorgungsunternehmen Enso das E-Werk samt fast 25 000 Quadratmeter Flächen im Lößnitzgrund an Radebeul abgibt. Schließlich hatte eine zwischenzeitlich für Stadträte angesetzte Besichtigung der Anlagen einen „erfreulich guten Zustand der meisten Gebäude“ vor Augen geführt, wie auch Kritiker Martin Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) zugestand. Er zweifelt jedoch an, dass die Gebäude der Stadt den erhofften Nutzen bringen und befürchtet hohe Folgekosten für Umbauten und Sanierung. „Das E-Werk wird uns mindestens sechs Millionen Euro kosten“, sagt er.

Halle an der Kötzschenbrodaer Straße muss saniert werden

Die Stadtverwaltung, und mit ihr die Mehrheit der Stadträte sieht das anders. „Es ist eine einmalige Gelegenheit für die Stadt, die wir nicht versäumen sollten“, sagt etwa Eva-Maria Schindler (Freie Wähler). Hinzu kommt, dass Ordnungsbürgermeister Wilfried Lehmann (CDU) eine ganz andere Rechnung aufmacht. Maximal 1,75 Millionen Euro müsste die Stadt demnach für sofortige Reparaturen und eine einfache Herrichtung investieren. Damit sei das Gebäudeensemble im Grunde nutzbar.

Für eine denkmalgerechte Sanierung, die laut Lehmann weitere 1,3 Millionen Euro kosten würde, könne man sich anschließend Zeit lassen. Auch das Herrichten soll sich über Jahre bis 2022 hinziehen. Man könne jedes Jahr kleinere Summen investieren, wenn einem die Anlage gehöre, so Lehmann. Andere Vorhaben im Schul- und Straßenbau sollen auf die Art keinen Schaden nehmen.

Den Kosten gegenüber steht ein enormer Nutzen. Die Stadt will ihre Lager in dem Areal konzentrieren. Das betrifft vor allem das Feste-Lager, in dem Buden, Kulissen und andere Materialien für Karl-May-Festtage, Kasperiade, Herbst- und Weinfest und Weihnachtsmarkt liegen. Derzeit ist es in einer in die Jahre gekommenen Halle an der Kötzschenbrodaer Straße untergebracht, muss dort aber raus. Denn die Halle muss dringend neuen Brandschutz erhalten, eine Baugenehmigung dafür bekommt Radebeul aber nicht, weil die Anlage eigentlich nur für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden darf. Daher wird ein neuer Standort gesucht.

„Ein Neubau würde eine Million Euro kosten“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Das Geld könne man sich sparen, wenn das Festelager ins E-Werk umzieht. Die alte Halle könnte dann ans Staatsweingut Schloss Wackerbarth vermietet oder verkauft werden, das am Standort schon eine Halle nutzt.

Ebenso soll das derzeit über alle Feuerwachen verteilte Katastrophenschutzlager im E-Werk zusammengeführt werden. Auch dafür war eigentlich ein Neubau an der geplanten neuen Feuerwache Radebeul-Ost vorgesehen. Die 500 000 Euro Baukosten hat man sich mit Blick auf das E-Werk aber lieber gespart, zumal dort anders als in Radebeul-Ost keine landwirtschaftliche Fläche versiegelt werden muss. Als Drittes soll das Verkehrszeichenlager an den Standort ziehen – und eine Werkstatt, die alle drei Lager pflegt. „Das bringt uns enorme Synergieeffekte“, hofft OB Wendsche.

Zu klein, zu abgelegen?

Die Kritik an diesen Plänen lässt nicht auf sich warten. So hält Stadtrat Oehmichen die Gebäudekapazität für viel zu gering, um all die vorgesehenen Sachen unterzubringen. SPD-Fraktions-Chef Thomas Gey hält den Standort „für ein Katastrophenschutzlager denkbar ungeeignet“, weil zu abgelegen. Mehrheiten fanden sie für diese Meinung nicht.

Zumal es auch um Ideelles geht. Damit ist einerseits die historische Bedeutung des 1895 gebauten E-Werks gemeint, das einst ein Gebiet von Sörnewitz bis Klotzsche mit Strom versorgte und es erst ermöglichte, dass die Straßenbahn nach Radebeul kahm. Außerdem haben zwei mit der Schmalspurbahn verbundene Vereine, die Traditionsbahn und der Modellbahnverein, ihren Sitz im E-Werk, könnten durch einen städtischen Vermieter auch dort gehalten werden. Vor allem aber geht es um die Karl-May-Festtage. Sie finden vom orientalischen Basar über Fort Henry bis zur Westernstadt Little Tombstone auf Flächen statt, die die Stadt bisher von der Enso billig gemietet hat und nun kaufen will. „Fallen diese Flächen weg, sind die Karl-May-Festtage gefährdet“, warnt OB Wendsche. Durch den Kauf können sie sich nun ungestört entwickeln. Obendrein bekommt Radebeul Zugriff auf die Uferzone des Lößnitzbachs, was für eine etwaige Gewässersanierung gute Voraussetzungen schaffe, so der OB.

Und nicht zuletzt sollen touristische Potenziale in dem Areal gehoben werden, an die jetzt noch gar keiner denkt. Der Lößnitzgrund sei zu Zeiten von Naturheilkundler Eduard Bilz der Tourismusmagnet von Radebeul gewesen, sagt OB Wendsche. Das könne er auch wieder werden.

Von Uwe Hofmann

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