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Umland Radebeul kauft Grundstücke und sichert damit Weißes Haus
Region Umland Radebeul kauft Grundstücke und sichert damit Weißes Haus
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20:01 01.04.2016
Das Weiße Haus ist unter anderem wegen seiner Skater-Anlage bei Jugendlichen sehr gefragt. Quelle: Martin Förster

Die Zukunft des Jugendfreizeitzentrums Weißes Haus ist endgültig gesichert. Nachdem die Stadträte bereits im November die Befristung eines Bebauungsplans aufgehoben haben, der den Betrieb des Jugendtreffs in den früheren LPG-Gebäuden an der Kötzschenbrodaer Straße erlaubt, konnte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) nun die „grundstücksrechtliche Sicherung“ der Anlage verkünden. Diese Formulierung berührt die etwas eigenartige Eigentümerschaft auf dem Gelände, die sich nach der Abwicklung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft eingestellt hatte. Die Gebäude, darunter das heute als Weiße Haus genutzte LPG-Bürogebäude und die sogenannte 1000-Deckenplatten-Hallen, die heute vor allem als Lager für Verkaufsbuden und Materialien genutzt wird, die bei Radebeuls Festen genutzt werden, gehören der Stadt. Die Grundstücke, auf denen sich diese Gebäude befinden, gehörten aber vier der früheren LPG-Bauern. An die hätte man „im Notfall unsere Gebäude verkaufen müssen“, wenn man zu keiner Einigung gefunden hätte, wie OB Wendsche sagt.

Das hat man geschafft, auch wenn es doch eine geraume Zeit gedauert hat, bis alles in trockenen Tüchern war. Geschlagene zehn Jahre hat man verhandelt, bis alles in trockenen Tüchern war. „Bauern wollen sich halt nicht von ihrem Land trennen“, begründet der Oberbürgermeister den zähen Verhandlungsfluss. „Das ist auch ganz legitim so“, fügt er an.

Konkret sieht das Verhandlungsergebnis nun so aus: Von zwei Landwirten konnte Radebeul Grundstücke mit einer Gesamtgröße von knapp 24 000 Quadratmetern abkaufen. Kostenpunkt: rund 445 000 Euro. Zwei weitere Bauern haben sich nur auf langfristig laufende Erbbaurechtsverträge eingelassen, von denen einer 99 Jahre, der andere 30 Jahre läuft. Für die gepachteten Flächen mit rund 9700 Quadratmetern zahlt Radebeul einen jährlichen Pachtzins von reichlich 10 100 Euro. In 30 Jahren kommen auf diese Weise noch einmal Kosten über 303 000 Euro zusammen. Den einzigen größeren Jugendtreff im Stadtgebiet lässt sich Radebeul also einiges kosten.

Das hat seine Gründe. Schließlich tut sich die Stadt mit ihren boomenden Siedlungsgebieten sehr schwer, Räume für Jugendliche zu finden. In Radebeul-West gibt es mit dem Ratskeller in der Wilhelm-Eichler-Straße immerhin ein Angebot, wenn auch mit beschränkten Möglichkeiten. In Radebeul-Ost sucht man seit Jahren vergebens und versucht inzwischen den Mangel, durch gezielte Straßenarbeit auch mittels eines eigens dafür angeschafften Busses auszugleichen. Das Problem ist durchaus ernstzunehmen, wie Klagen über nächtliche Randale im Parkhaus am Bahnhof Radebeul-Ost, auf dem Bahnhofsvorplatz und im Karl-May-Hain vor allem in den Sommermonaten anzeigen. Gleichwohl fühlt sich dort auch mancher schon durch die bloße Anwesenheit der Jugend belästigt, die laut diskutiert, Musik hört und mehr oder minder altersgemäße Albernheiten demonstriert.

Einziger echter Ausweich ist das Weiße Haus. Dort gibt es nicht nur mit dem Barnyard Club eine Disko, sondern auch Räume für Ausstellungen, für Unternehmensgründer und viel Platz, um sich auszutoben. Dazu gehören etwa Graffiti-Workshops, die wie nebenbei auch als Gelegenheit zur Gestaltung des Geländes dienen und auch der mit viel Eigenleistung aufgebaute Skate-Parcours, der eine weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlende Anziehungskraft besitzt. Da das Gelände etwas abseits von den Ortszentren Radebeuls liegt, gibt es dort zwar immer noch Konflikte zwischen Anwohnern und Jugendlichen. Sie fallen aber deutlich geringer aus als anderswo im Stadtgebiet. Dieser Anker der Jugendarbeit bleibt nun also erhalten.

Das ist die eine Botschaft, die sich aus der Einigung ziehen lässt. Die andere deutet an, dass die Suche nach einem Gelände für einen drittes Stadion in Radebeul wenn überhaupt dann erst in langer Zeit Früchte tragen wird. Nachdem man den Plan aufgegeben hat, südlich des Lößnitzstadions eine weitere Sportstätte zu bauen, konzentriert man seine Bemühungen nun ja auf ein Gelände neben dem Lößnitzstadion. Die Flächen dort gehören Landwirten. Er gehe davon aus, dass die Verhandlungen über den Flächenkauf wie beim Weißen Haus nicht ganz einfach werden wird, meint OB Wendsche.

Von Uwe Hofmann

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