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Radebeul hat mehr Arbeitsplätze als Arbeitnehmer, vor allem in der Industrie

Wirtschaft Radebeul hat mehr Arbeitsplätze als Arbeitnehmer, vor allem in der Industrie

„Schlafstadt“ und „Stadt der Millionäre“ wird die Lößnitzstadt genannt. Dabei wird dort richtig geklotzt. Nur in Coswig liegt die Quote von Arbeitsplätzen in der Industrie und verwandten Branchen an allen Arbeitsplätzen höher. Dennoch liegen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer dauerhaft unter denen aus der Einkommenssteuer.

Walzen lieben bei Druckmaschinenhersteller Koenig und Bauer in Radebeul bereit.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. „Das ist ein Klischee, das überhaupt nicht stimmt“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Gemeint ist einmal nicht die Zuschreibung von Radebeul als „Stadt der Millionäre“, die vor Jahren durch überregionale Medien geisterte und Wendsche noch heute quer im Magen liegt. Gemeint ist diesmal die Rede von Radebeul als Schlafstadt, die bei der letzten Haushaltsdebatte Aufschwung bekam, als deutlich wurde, dass die Einkünfte aus der Einkommenssteuer die Einnahmen aus der Gewerbesteuer dauerhaft überflügelt haben. Die Lesart damals: In Sachen Wirtschaftsförderung muss Radebeul einen gehörigen Zahn zulegen.

Gestern nun präsentierte OB Wendsche Kennziffern zur wirtschaftlichen Lage in der Lößnitzstadt, die das ganze Gegenteil belegen. So gibt es in Radebeul mehr Arbeitsplätze als Arbeitnehmer. Die neuesten Zahlen dazu stammen aus dem Jahr 2014, als knapp 13 400 Arbeitsplätze in Radebeul registriert wurden, denen rund 12 500 Arbeitnehmer mit Wohnadresse in der Lößnitzstadt gegenüberstanden. „Wir haben mehr Einpendler als Menschen, die zu einer Arbeitsstelle außerhalb der Stadt pendeln“, schlussfolgert der OB daher. Die Rede von der Schlafstadt Radebeul, die von der wirtschaftlichen Leistungskraft der Nachbarstadt Dresden profitiere, sei völlig unbegründet.

Das gilt insbesondere für das produzierende Gewerbe, das in Radebeul etwa 4900 Arbeitsplätze ausmacht. Da nur 1400 Radebeuler in einem Beruf der dazu zählenden Branchen arbeiten, sei man massiv auf Pendler aus dem Umland angewiesen, sagt Wendsche. Ähnlich, wenn auch nicht so deutlich, sieht das im Gastgewerbe aus, wo etwa 2700 Arbeitsplätzen rund 2400 Beschäftigten mit Radebeuler Wohnsitz gegenüberstehen. Von der öffentlichen Hand werden dagegen rund 4200 Radebeuler beschäftigt, entsprechende Stellen gibt es aber nur 3700 in der Lößnitzstadt.

Rechnet man zu den 4900 Stellen des produzierenden Gewerbes die knapp 2050 Arbeitsplätze aus Branchen hinzu, die diese Industriebetriebe mit Dienstleistungen unterstützen, kommt man auf einen Gesamtanteil auf knapp 52 Prozent an allen Arbeitsplätzen Radebeuls. Das liegt deutlich über dem sächsischen Durchschnitt von rund 47 Prozent und wird von den größeren Städten im Landkreis Meißen nur von Coswig (55,8 Prozent) übertroffen. Auch in traditionellen Industriestandorten wie Riesa (46,8 Prozent), Freital (41,3 Prozent), Pirna (34,7 Prozent) und Radeberg (45 Prozent) ist dieser Wert niedriger.

Wer also unbedingt eine Zuschreibung braucht, sollte besser von Radebeul als Stadt reden, in der man sich die Hände schmutzig macht. OB Wendsche drückt es so aus: „Wir sind kein Verwaltungsstandort und das ist nicht schlimm.“ Man konzentriere sich lieber auf das produzierende Gewerbe, das im Gegensatz zur Verwaltung auch Umsätze generiere. „Wir sind sehr stolz darauf, dass Koenig und Bauer in Radebeul die Wende geschafft hat“, fügt er am Beispiel der gelungenen Umstrukturierung im KBA-Werk an, wo es inzwischen wieder fast 1600 Arbeitsplätze gibt und neue Mitarbeiter gesucht werden.

Bleibt die Frage, warum die Gewerbesteuer mit jährlich etwa rund zehn Millionen Euro etwa zwei Millionen Euro weniger einbringt als die Einkommenssteuer. Den Verlust, den die Verlagerung der Deutschlandzentrale von Teva aus Radebeul heraus gebracht hat, habe man einfach nicht ausgleichen können, meint Wendsche. „Das war ein Steuerzahler, der gleich mehrere Millionen Euro gebracht hat“, sagt er. Die Hoffnungen auf die Ansiedlung eines ähnlich großen Unternehmens hat man inzwischen aufgegeben. „Es gibt keine Konzernzentralen in Ostdeutschland, das ist eben so“, meint Wendsche. Außerdem habe das Missverhältnis Gewerbesteuer und Einkommenssteuer auch etwas mit den hohen Einnahmen aus der Einkommenssteuer zu tun, die laut Wendsche weit über dem sächsischen Durchschnitt lägen. Ganz ohne Klischee: Dafür dürfte sicher auch der ein oder andere Einkommensmillionär verantwortlich sein.

Von Uwe Hofmann

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