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Radebeul: "Die Krebsgefahr ist sehr groß"

Radebeul: "Die Krebsgefahr ist sehr groß"

Jedes Jahr finden am Beruflichen Schulzentrum Radebeul (BSZ) Tage der Wissenschaften statt. Ziel der Veranstaltungsreihe ist, dass die rund 600 Schüler im Alter von 16 bis 46 Jahren mehr über neue Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik erfahren.

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Thomas Rattei.

Quelle: Martin Förster

Dazu werden mit Geld vom Kultusministerium Experten eingeladen. Diesmal war auch Bioinformatik-Professor Thomas Rattei (44) aus Wien angereist. Er erklärte, warum Gentherapien zu Krebs führen können und was Gentests bringen. Stephan Klingbeil fragte den gebürtigen Dresdner auch dazu im DNN-Interview.

Frage: Herr Rattei, Sie arbeiten an der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Wien, sind für einen Vortrag nach Radebeul gekommen. Warum?

Thomas Rattei: Das BSZ, das aus der AWD-Berufsschule Radebeul hervorging, hatte angefragt. Da habe ich sofort zugesagt. Von 1987 bis 1989 war ich an der AWD-Berufsschule, studierte später Chemie in Dresden. Meine Eltern leben noch immer dort. 2010 habe ich die Professur in Wien übernommen.

Sie lehren dort Bioinformatik. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Bioinformatik versucht vor allem, Probleme aus Biologie und Medizin mit computergestützten Methoden zu lösen. Diese Fachrichtung gib es seit etwa 15 Jahren. Seit der Entschlüsselung der menschlichen DNA gibt es immer mehr Erkenntnisse, wieso Gene krank machen können. Daraus entwickelt man Gentherapien. Doch angesichts der Vielzahl von Variationen im Erbgut ist die Wissenschaft noch lange nicht so weit, alle Krankheiten heilen zu können. Man bedenke: Für ein Gen gibt es mehr Varianten als Sterne in der Milchstraße.

Welche Krankheiten konnten dank der Genforschung geheilt werden?

Hier muss man zunächst unterscheiden: Es gibt - weniger - Krankheiten, die auf ein konkretes defektes Gen zurück zu führen sind, wie die Phenylketonurie. Das ist die am häufigsten auftretende Erbkrankheit, die - wenn unbehandelt - zu schweren Entwicklungsstörungen im Nervensystem und Gehirn führen kann. Hier gibt es Tests bei Neugeborenen. Fallen diese positiv aus, kann man über eine strikte eiweißarme Ernährung früh entgegenwirken. Darüber hinaus gibt es Erkrankungen, die mit mehreren Genen und Faktoren zusammen hängen. Die Fettleibigkeit oder Krebs zum Beispiel.

Gibt es erfolgreiche Gentherapien?

Ja. Mit Hilfe von Viren, die man spritzt, hat man 2007 den Gendefekt behandelt, der für Thalassämie, eine Erkrankung der roten Blutkörperchen, verantwortlich ist. Die Viren verändern das Erbgut des Patienten, ersetzen es mit dem eigenen. Solche Therapien bergen aber Risiken.

Welche?

Die Gefahr, Krebs zu bekommen, ist sehr groß. Denn bei dieser Therapie nimmt man in Kauf, dass auch andere Gene zerstört werden. Da bestimmte körpereigene Mechanismen dann nicht richtig funktionieren, kann es passieren, dass sich Zellen unkontrolliert mehren.

Die US-Schauspielerin Angelina Jolie hatte sich ihre Brüste entfernen lassen, weil ein Gentest ihr prognostiziert hat, dass sie sehr wahrscheinlich Brustkrebs bekommt. Wenn es aber astronomisch viele Genvarianten gibt, wie können Gentests überhaupt aussagekräftig sein?

Aus den Erkenntnissen eines Gentests kann man nicht zwangsläufig schließen, dass man die Krankheit auch bekommt. Es haben sehr viele Faktoren Einfluss auf Krebs, nicht nur genetische. Es gibt zum Beispiel zwei Mikrobiologen, die ihr Erbgut analysierten. Demnach haben sie so viele Gendefekte, dass sie längst tot sein müssten. Stattdessen erfreuen sie sich seit Jahren bester Gesundheit.

Wozu braucht man Gentests?

Solche Tests sind nur ein Anhaltspunkt. Man kann etwa heute auch nicht sagen, ob es am 23. September 2016 regnet. Es gibt aber Kurzzeitvorhersagen, die auf jeweiligen Zellteilstatus, den Genen und Risikofaktoren basieren. Wenn man diese Tests regelmäßig macht, kann man viel früher einer Erkrankung vorbeugen. Dabei bringen bestimmte Merkmale, also Biomarker, gute Erkenntnisse. Die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet ist in der Forschung ein großes Thema. Auch hier werden weltweit Daten und Informationen via Internet ausgetauscht.

Wie bleiben da Patientendaten sicher?

Auf die persönlichen Daten haben ganz wenige Zugriff. Öffentlich zugänglich sind nur Erkenntnisse und Methoden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.06.2013

Stephan Klingbeil

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