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Umland Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter beginnt
Region Umland Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter beginnt
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17:03 08.11.2018
Beim Großbrand beim WHG-Holzhandel hat der mutmaßliche Feuerteufel Spuren hinterlassen, die im Nachhinein zu seiner Verhaftung führten. Quelle: Roland Halkasch/Archiv
Coswig

Der mutmaßliche Feuerteufel von Coswig steht vor Gericht. An diesem Freitag beginnt der Prozess am Landgericht in Dresden gegen den 24-jährigen Mann, den die Polizei nach einer Brandserie, die im November 2016 begann, im März dieses Jahres verhaften konnte. Darüber informierte Hanjo Protze, Leiter des Polizeireviers Meißen, auf der Coswiger Stadtratssitzung, am Mittwochabend, als er über die Kriminalitätsentwicklung in der Elbestadt informierte.

Sinkende Fallzahlen außer bei Bränden

Ob Diebstahl, Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Unfälle – bei fast allen Formen von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten sind im Vergleich von 2016 zu 2017 sinkende Fallzahlen zu beobachten. Auch die Gesamtzahl der Delikte ist im Stadtgebiet mit 955 um 13,9 Prozent im vorigen Jahr gegenüber 2016 gesunken. Da die Auswertung der Kriminalitätsstatistik immer erst nach Ablauf eines Jahres erfolge, könne er Zahlen für 2018 erst im Frühjahr 2019 liefern. „Der Trend des Rückgangs wird sich wohl auch in diesem Jahr fortsetzen“, so Protze.

Bei Brandstiftungen gab es dagegen einen sprunghaften Anstieg. 2016 wurde im Coswiger Stadtgebiet zweimal absichtlich Feuer gelegt. Damals stand im November ein Rohbau an der Förstereistraße in Flammen. Im Dezember brannte eine Lagerhalle an der Cliebener Straße. Es war der Beginn einer unheimlichen Brandserie. Sechs Brandstiftungen folgten allein 2017. Erst nach den beiden Großbränden Mitte Februar dieses Jahres im Dehner-Gartenmarkt und beim Holzhandel WHG an der Naundorfer Straße, die die Kameraden der Feuerwehr zwei Nächte in Folge in Atem hielt, konnte ein Verdächtiger überführt werden. Mit seiner Verhaftung endete die Brandserie.

Bereits als Jugendlicher gezündelt

Der mutmaßliche Täter soll schon als Jugendlicher gezündelt haben. Mit einem Kumpel habe der Coswiger vor acht Jahren ein Feuer auf dem Fabrikgelände der früheren Elektrowärme Sörnewitz gelegt. Bei dem Hallenbrand entstand ein Schaden von 450000 Euro. Bereits nach den ersten beiden Bränden in 2016 hatten Sörnewitzer den jungen Mann aufgrund dieser Vorgeschichte in Verdacht, wie Stadtrat Bernhard Kroemer (Coswiger Bürgerliste). Warum habe die Polizei ihn nicht ins Visier genommen, wollte er vom Revierleiter wissen. „Die letzten beiden Großbrände hätte man verhindern können“, meinte Kroemer.

Bei ihren Ermittlungen ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und nehme sie dankbar entgegen. Auch schauen die Ermittler in ihren Datenbänken nach, ob nach einem Verbrechen im Umfeld des Tatortes eine Person lebt, die wegen einer ähnlichen Tat schon einmal aufgefallen ist und wird überprüft. „Aber Vermutungen sind das eine, ein gerichtsfester Nachweis was anderes“, sagte Protze. Nach einem Feuer gestalte sich die Spurensuche sehr schwierig. „Alles ist verkohlt“, so Protze. Glücklicherweise konnten die Ermittler nach dem Feuer im Holzhandel Mitte Februar dieses Jahres Spuren sichern.

Nur für einen Großbrand angeklagt

Nur für diesen einen Fall klage die Staatsanwaltschaft den 24-Jährigen jetzt an, wie Lorenz Haase, Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Dresden, auf DNN-Nachfrage informierte. Denn nur diese Tat könne ihm bislang nachgewiesen werden. Bei dem Großfeuer entstand allein ein Schaden von rund 7,5 Millionen Euro.

Laut Meißens Revierleiter Protze kommt der Mann für weitere Brände in der Region als Täter in Betracht. Er hofft, dass der nun beginnende Gerichtsprozess neue Erkenntnisse bringt. Zur Erinnerung: Erst durch ein Geständnis konnte er als Jugendlicher für das Feuer auf dem Elektrowärme-Areal zur Verantwortung gezogen werden. Damals bekam er eine Bewährungsstrafe.

Rund eine Stunde stand der Revierleiter den Coswiger Stadträten Rede und Antwort und konnte ihnen einige positive Zahlen berichten. Sogenannte Rohheitsdelikte, zu denen Raub und Körperverletzungen gehören, gingen im Vergleich von 2016 und 2017 um 28,1 Prozent zurück, die Zahl der Diebstähle um mehr als 20 Prozent. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle sank: 336 gab es 2017, 343 in 2016 und 345 in 2015. Wohnungseinbrüche registrierten die Beamten 21 Fälle in 2016 und 19 in 2017. Trotz leichten Rückgangs sei dies ein immer noch „deutlich zu hohes Niveau“, so Protze. Seine Aufklärungsquote konnte das Meißner Revier von 56,1 (2016) auf 60,6 Prozent (2017) steigern.

Von Silvio Kuhnert

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