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Umland Pirnaer Stadtmuseum will mit der bunten Zirkuswelt verzaubern
Region Umland Pirnaer Stadtmuseum will mit der bunten Zirkuswelt verzaubern
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10:04 11.08.2016
Sammler und Kurator Wolfgang Finkbein steht vor der Farbserigraphie „Harlekin mit Ball“ des ungarischen Künstlers Victor Vaserely. Quelle: Silvio Kuhnert
Pirna

Am kommenden Sonnabend öffnet um 14 Uhr im Stadtmuseum Pirna eine neue Sonderausstellung. Unter dem Titel „Wenn der Zirkus kommt...“ steht bis 31. Oktober der Zauber der Manege in der Kunst des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt. Die gezeigten Arbeiten namhafter Künstler stammen aus der Sammlung von Wolfgang Finkbein aus Dresden, der im Vorfeld mit den DNN über die Schau sprach.

Frage: Herr Finkbein, im Stadtmuseum Pirna zeigen Sie über 75 Arbeiten aus Ihrer privaten Kunstsammlung, die Sie zum Thema Zirkus in den vergangenen rund 50 Jahren zusammengetragen haben. Was war der Auslöser für Ihre Sammelleidenschaft?

Wolfgang Finkbein: Begonnen hat alles mit einer Fahrt nach Meißen 1965. In einer Buchhandlung hing ein kleines Ölbild von einem Kloster. Das wollte ich gern haben und bin hineingegangen. Dort sagte man mir, dass es nicht zu verkaufen sei. Der Händler meinte aber, dass er mir etwas anderes anbieten könnte. Er holte eine kleine Zigarrenkiste hervor, die ich erwarb. Darin war eine Grafik der Künstlerin Sascha Kronburg-Roden enthalten, was mich zu meiner Sammlung bewog.

Die Radierung heißt „Affe als Dompteur der Menschheit“ und ist um das Jahr 1928 entstanden. Was hat Sie an dem Bild so in den Bann gezogen, dass es der Ausgangspunkt für eine Sammlung wurde?

In einem runden Käfig sitzt auf einem Sockel ein Affe und führt die Menschen an der Leine herum. Man sieht die Europäer, Chinesen und andere Völker im Kreis herumlaufen, und der Affe sitzt ganz oben, dirigiert und hält die Fäden zusammen. Das ist schwarzer Humor und heute auf der Welt immer noch so.

Was fasziniert Sie an dem Thema Zirkus in der Kunst?

Die Vielfältigkeit! Mich reizt das ganze Spektrum. Menschen, die selbst am Abgrund stehen, belustigen andere und sind selber doch tief traurig. Zirkus ist nicht nur Clownerie. Zirkusleute und Künstler sind gesellschaftlichem Außenseitertum ausgesetzt, in der Armut und Not ebenso wie im Glück und Erfolg. Bilder vom Zirkus sind oft Sinnbilder, die weit über den Rand der Manege ins Sozialkritische und Philosophische reichen und Träume, Sehnsüchte und Utopien widerspiegeln. Als das Buch von Roland Berger und Dieter Winkler „Zirkus“, an dem zehn Jahre gearbeitet wurde, in der DDR erschien, war dies für mich ein Grund, mit der Sammlung weiter zu machen, nachdem ich es gelesen und Bilder gesehen habe. Rund 25 Werke, die in diesem Buch abgebildet sind, kann ich heute mein Eigen nennen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Das lag schon im Elternhaus begründet. Mein Großvater hatte Radierungen gesammelt und Familienbilder malen lassen. Er besaß selbst eine Buch- und Kunsthandlung. So war die Liebe zu Büchern, Grafik und Malerei mir quasi in die Wiege gelegt.

In der Ausstellung finden sich große und bekannte Namen wie Max Beckmann, Bernard Buffet, Marc Chagell, George Grosz, Erich Heckel, Josef Hegenbarth, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lachnit, Max Liebermann und Marino Marin. Aber auch Arbeiten von Malern und Grafikern der Gegenwart sind vertreten wie Herta Günter, Harald Metzkes, Hans Ticha oder Dagmar Zemke. Nach welchen Kriterien wurden die Werke für die Ausstellung ausgesucht?

Ein direktes Kriterium gab es nicht. Museumspädagogin Gerburg Sturm hat die Werke mit mir ausgewählt. Man hätte nur Motive wie Pferde, Clowns, Zauberer oder nur Akrobatik zeigen können. Wir wollen aber den ganzen Zirkus präsentieren – das, was den Zauber der Manege in der Kunst des 20. Jahrhunderts ausmacht. Viele Arbeiten werden zum ersten Mal öffentlich gezeigt.

Von Silvio Kuhnert

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