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Pirnaer Initiative will historischen Brunnen freilegen

Hoffnung für den Schacht Pirnaer Initiative will historischen Brunnen freilegen

Ronny Kürschner versprüht Optimismus: „Ich bin zuversichtlich, das Projekt mit der Unterstützung aus dem Stadtrat in die Tat umzusetzen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Vereins Pirna in Aktion e.V. Seit November sammelt der Verein Spendengelder, um einen 700 Jahre alten Brunnen auf der Dohnaischen Straße der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der mittelalterliche Brunnen wurde am 27. Juli 2016 bei Bauarbeiten auf der Dohnaischen Straße in Pirna entdeckt.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna.  Ronny Kürschner versprüht Optimismus: „Ich bin zuversichtlich, das Projekt mit der Unterstützung aus dem Stadtrat in die Tat umzusetzen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Vereins Pirna in Aktion e.V. Seit November vergangenen Jahres sammelt der Verein Spendengelder, um einen 700 Jahre alten Brunnen auf der Dohnaischen Straße der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am 27. Juli 2016 wurde der historische Schacht durch Hochwassersanierungsarbeiten freigelegt, jedoch am gleichen Tag noch im Auftrag der Stadt Pirna mit einer zähflüssigen Masse verfüllt – völlig unverständlich aus Sicht vieler Einwohner und Touristen.

„Über die Crowdfunding-Plattform ’99 Funken’ haben wir bereits über 10 000 Euro gesammelt, die Barspenden von etwa 450 Bürgern kommen noch dazu. Die größte Spendensumme steuerte die Ostsächsische Sparkasse Dresden bei – rund 4500 Euro“, verrät Kürschner, der für sein Vorhaben mit dem Verein und weiteren Bürgern eine Initiative gegründet hat. Die Mitglieder haben sich bei einer Glaserei über die Kosten einer entsprechenden Scheibe aus Sicherheitsglas erkundigt und auch den zu zahlenden Betrag für eine metallene Brunneneinfassung abgefragt. „Diese beiden Elemente und ihre Installation kosten rund 5000 Euro.“ Einzige unbekannte Variable im Projekt bleibe die Bergung der Füllmasse aus dem sechs Meter tiefen Brunnen.

„Der Brunnen kann jederzeit wieder freigelegt werden, sollte dies notwendig sein“, informierte das Rathaus im Anschluss an die Verfüllung im Jahr 2016. Nun kommt die Stadtverwaltung wieder ins Spiel: Sie soll im Rahmen einer Kostenaufstellung in Erfahrung bringen, wie teuer das Entfernen der Verfüllmasse sowie das Anbringen einer Glasplatte und einer Brunneneinfassung wäre. Der fraktionslose Stadtrat Tim Lochner verfasste einen entsprechenden Antrag, den elf weitere Stadträte unterzeichneten. Bei der Ratssitzung am Dienstag wurde der Antrag vorgestellt, nur wird er im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert. Bei der nächsten Stadtratssitzung am 20. März könnte bereits eine Entscheidung fallen, ob dem Antrag zugestimmt wird oder nicht. Falls ja, würde der Stadtrat bis zum 26. Juni über die Freilegung des Brunnens abstimmen. Das Spendengeld der Bürgerinitiative werde der Stadtverwaltung für das Bauprojekt zur Verfügung gestellt, falls es umgesetzt wird.

Wenige Stunden nach seiner Entdeckung wurde der Brunnen mit Beton verfüllt

Wenige Stunden nach seiner Entdeckung wurde der Brunnen mit Beton verfüllt.

Quelle: Daniel Förster

Eine willkürliche Aktion war die Verfüllung nicht, wie Stadtsprecher Thomas Gockel berichtet: „Schon vor dem Fund des 1,30 Meter breiten Wasserspeicher hatte sich die Stadtverwaltung eine Beurteilung des Landesamts für Archäologie und der Denkmalschutzbehörde eingeholt.“ Am besten konserviert werde der Brunnen, wenn er im Erdreich verbleibe, hieß es in der Einschätzung. Die Unfallgefahr sei auch ein Argument gewesen, sich gegen eine Glasplatte als Abdeckung zu entscheiden. In ähnlichen Fällen in sächsischen Kommunen wurden installierte Glasplatten bereits kurze Zeit später wieder entfernt, da insbesondere bei nasser Witterung hohe Rutschgefahr herrsche. Zudem sollten die Bauarbeiten auf der Dohnaischen Straße nicht in Verzug geraten.

Lediglich ein Ring aus Sandstein und eine Infotafel weisen noch auf den Standort des Brunnens hin. Vielen Pirnaer Bürgern reicht das nicht. Sie äußerten von Anfang an ihren Unmut in den sozialen Medien und befanden die Begründungen der Stadt als unzureichend. Daher startete Kürschner die Initiative. „Der Stadtrat sollte den Bürgerwillen erkennen und dem nachgehen, wofür er gewählt wurde“, fordert Kürschner, „auch vor dem Hintergrund der Stadtratswahlen im kommenden Jahr.“ Es wäre eine Schande, das durch die Spenden ausgedrückte Bürgerbegehren auszuschlagen, so der Vereinsvorstand.

Kürschner meint zu wissen, weshalb die Freilegung bislang noch nicht realisiert wurde: „Die Stadtverwaltung will sich nicht diese Blöße geben. Im Rathaus fühlt man sich vorgeführt, weil wir eine Lösung gefunden haben, das Problem umzusetzen: Wir haben eine nachhaltige Möglichkeit entwickelt, den Brunnenschacht sichtbar zu machen.“ Kürschner schlägt vor, ein Stahlgitter auf Straßenniveau über dem ausgeleuchteten Brunnenschacht anzubringen. Damit sollen Kratzer auf der als transparente Panzerglasscheibe angedachten Abdeckung vermieden und die Rutschgefahr minimiert werden.

Von Junes Semmoudi

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