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Umland Pirna gibt Okay für Chemieanlage
Region Umland Pirna gibt Okay für Chemieanlage
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08:58 08.04.2017
Der Wiederaufbau der Chemiefabrik Schill & Seilacher könnte bald beginnen. Quelle: Marko Förster/Archiv
Pirna

Die Stadt Pirna stellt sich dem Wiederaufbau der Vielstoffanlage P1 in der Chemiefabrik Schill & Seilacher nicht entgegen. Sie erteilt das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zur Errichtung des bei der Explosion Anfang Dezember 2014 zerstörten Produktionskomplexes zur Herstellung von modifizierten Silikonen, Estern, Seifen und Salzen für die Schaumstoff-, Bau-, Textil- und Lederindustrie sowie für die Kosmetik. Allerdings ist das Okay mit Bedingungen verbunden.

So pochen sowohl Verwaltung als auch Stadtrat darauf, dass zum einen alle Forderungen, Hinweise und Empfehlungen des sicherheitstechnischen Gutachtens vom 29. Dezember 2016 nachweislich umgesetzt werden. Zum anderen soll die Hülle um die P1-Anlage mit fünf Rührkesseln und zahlreichen Nebenanlagen derart hergestellt werden, dass auch im Falle einer erneuten Havarie das Gebäude einschließlich des Daches standsicher bleibt. Sprich statt einer Ummantelung in Leichtbauweise wie beim Vorgängerbau schwebt der Stadt ein massives Gebäude vor. Bei der Explosion mit einem Todesopfer und mehreren Schwerverletzten waren große Trümmerteile des Blechbaus durch den Ort und auf Nachbargrundstücke und -häuser geflogen.

Des Weiteren verlangen Verwaltung und Rat, dass vor Inbetriebnahme der P1-Anlage das Baugenehmigungsverfahren für alle Nebenanlagen und Lager abgeschlossen sein muss. Wird eine dieser Bedingungen nicht eingehalten, gilt das gemeindliche Einvernehmen als nicht erteilt. Das machte der Bauausschuss auf Antrag von Linke-Stadtrat Claus-Dieter Hampel im Beschlusstext explizit deutlich.

Die zuständige Behörde für die Genehmigung des Wiederaufbaus der P1-Anlage ist das Landratsamt Pirna. Es prüft derzeit, ob an dem Verfahren die Öffentlichkeit beteiligt wird und eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Beides wünscht sich die Stadt Pirna. Das Unternehmen hat dagegen den Verzicht darauf beantragt, weil es die Dauer des Genehmigungsverfahrens in die Länge zieht. Für das Chemiewerk ist die P1-Anlage existenziell für den Fortbestand des Standortes in Neundorf mit rund 160 Arbeitsplätzen

Ursprünglich wollte die Stadt das Einvernehmen Anfang März komplett verweigern. Die Entscheidung wurde noch einmal vertagt, da das Chemieunternehmen das geforderte Sicherheitsgutachten nachreichte. „Es ist mehr als selbstverständlich, dass, wenn ein sicherheitstechnisches Gutachten vorliegt, wir die Empfehlungen und Hinweise auch umsetzen“, versicherte Rüdiger Ackermann, Geschäftsführer von Schill & Seilacher. Bei der modernisierten P1-Anlage würden Sicherheitsvorkehrungen weit über das gesetzlich geforderte Maß umgesetzt.

In der vergangenen Woche hatte die Firma Stadträte und Einwohner zu einer Informationsveranstaltung geladen. „Das war ein wichtiger und richtiger Schritt zur Transparenz“, sagte OB Klaus-Peter Hanke (parteilos). Linke-Stadtrat Hampel bedauerte allerdings, dass die Anwohner erst so spät informiert wurden. Nach der Havarie habe die Werksleitung mehr Offenheit versprochen, erinnerte er die anwesende Unternehmensspitze.

Von Silvio Kuhnert

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