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Umland Neuer Museumschef will mehr Karl May wagen
Region Umland Neuer Museumschef will mehr Karl May wagen
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17:07 23.04.2018
Der neue Museumsdirektor Christian Wacker möchte künftig das Leben und Wirken von Karl May (Relief) rund um die „Villa Shatterhand“ in den Fokus rücken. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
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Radebeul

Der Archäologe und Museologe Christian Wacker (geboren 1966 in München) ist seit Anfang dieses Monats Direktor des Karl-May-Museums in Radebeul. Welche Pläne der neue Chef für das Museum hat, verrät er im DNN-Interview.

Frage: Herr Wacker, seit Anfang des Monats sind Sie Direktor des Karl-May-Museums in Radebeul. Haben Sie sich schon ein wenig eingelebt?

Christian Wacker: Ich bin erst seit drei Wochen hier und hatte bislang nur ein Wochenende, in dem ich mich privat in der Region umschauen konnte. Diese Zeit habe ich auch intensiv genutzt. So habe ich beispielsweise eine große Fahrradtour unternommen, um ein bisschen in Tuchfühlung zu gehen mit meiner neuen Heimat. Die ersten Eindrücke sind extrem positiv. Ich fühle mich sehr wohl.

Sie sprechen von neuer Heimat. Radebeul ist also nicht nur Ihr neuer Arbeitsort, sondern Sie haben auch Ihren Wohnsitz in die Lößnitzstadt verlegt?

Ja natürlich! Ich wohne in Radebeul. Meine Frau und ich hatten das große Glück, eine wunderschöne Wohnung in Altkötzschenbroda gefunden zu haben. Neue Heimat auch aus dem einfachen Grund, dass es sehr wichtig ist, gerade wenn man im Museumsbereich arbeitet, sich mit dem Arbeitsort zu solidarisieren und sich dort auch möglichst schnell zu vernetzen. Das Karl-May-Museum bildet ja keine Insel, sondern wir müssen Kontakt zur Kulturszene hier in der Stadt sowie nach Dresden und im Umland halten. Und daher ist es notwendig, dass man schnell Fuß fasst.

Zu Ihren vorherigen Stationen als Museumsleiter zählten beispielsweise das Deutsche Sport und Olympia Museum in Köln und das Olympischen Sportmuseum von Katar in Doha. Da hatten sie jeweils mit dem Thema Sport zu tun. Wie sind Sie zu Karl May gekommen?

Die Karl-May-Affinität ist in meiner Generation sicher sehr hoch. Ob Winnetou oder Old Shatterhand im Wilden Westen oder Kara Ben Nemsi im Orient – wir sind alle mit seinen Abenteuergeschichten und Romanfiguren groß geworden. Und die Prägung, die man von der Literatur erfährt, die man in jungen Jahren liest, ist eine immens hohe.

Sie haben jetzt das Karl-May-Museum drei Wochen lang kennenlernen können. Was sind die Stärken dieses Musentempels?

Zu den großen Stärken zählt zum einen die Solidarität des Teams. Die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt funktionieren unglaublich gut und sind nicht selbstverständlich. Andererseits strahlt das Museum eine große Emotionalität aus. Als Indianermuseum war es beispielsweise zu DDR-Zeiten in aller Munde. Viele Familien besuchen den Ort noch heute. Daher verbinden viele mit diesem Haus schöne Kindheitserinnerungen. Dieses emotionale Element bietet viel Potenzial, auf dem wir aufbauen können.

Nachdem der Besucherzuspruch in der jüngsten Zeit nachgelassen hatten, wuchs er im vorigen Jahr wieder an. 2017 konnte das Museum 57010 Gäste begrüßen, rund 4000 mehr im Vergleich zum Vorjahr. Des Weiteren feiert das Museum in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Herr Wacker, wie sehen Ihre Pläne für die weitere Zukunft dieses Hauses aus?

Dasjenige, was gut funktioniert wie die Indianer-Romantik, werden wir ausbauen und weiterführen. Ich bin aber auch der Meinung, dass man diese Einrichtung nicht auf ein Indianermuseum reduzieren kann, wie es zu DDR-Zeiten geschehen ist. Deshalb muss Karl May wieder stärker in den Fokus rücken. Hier schwebt mir vor, Themen rund um sein Leben und Wirken stärker zu fördern, allen voran den Orient. Dieses Thema bietet sich einerseits an, die Märchenwelt, die illusorische Welt von „Tausend und einer Nacht“, mit den Geschichten über Kara Ben Nemsi zu verbinden, wenn man an Familienbesucher denkt. Anderseits stecken darin starke Möglichkeiten, um in die aktuelle Gesellschaft und die tagtägliche Auseinandersetzung mit dem Nahen und Mittleren Osten hineinzuwirken. Vor über 100 Jahren gab es sehr starke orientalisierende Tendenzen, wie beispielsweise der Bau der Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden zeigt. Karl May war ein Kind jener Zeit und in gewissem Maße ein Autor der Orientalistik. Jene Epoche zu verstehen und die Spiegelung zu aktuellen Themen, reizt mich. Kurzum: Die Öffnung des Museums stärker zu Karl May hin, ist mir ein Anliegen.

Wird die Indianistik dadurch kürzer treten müssen?

Nein! Die Indianerausstellung wird nicht gekürzt. Im Gegenteil: Es ist ein Neubau geplant, eine Erweiterung des Museumsareals hin zur Meißner Straße. Dadurch entstehen mehr Platz und Möglichkeiten für Ausstellungen und die Präsentation unserer Exponate.

Können Sie schon sagen, wann der Baustart erfolgt?

Für einen Baubeginn ist es derzeit noch zu früh. In den nächsten vier Monaten werden wir uns im Team zusammensetzen und erst einmal einen Masterplan entwickeln. Für uns steht die inhaltliche Gestaltung, was wir wie und wo im erweiterten Museum umsetzen wollen, zuerst im Mittelpunkt. Und das künftige Ausstellungskonzept ist noch nicht zu Ende diskutiert und geplant. Erst wenn das künftige Museumskonzept steht, werden wir in die weitere Planung gehen und die Gespräche mit den Fördermittelgebern suchen. Dieser Weg ist auch sinnvoll. Denn die inhaltliche Ausgestaltung eines Museums muss harmonisieren mit der architektonischen Hülle.

Aktuelle Kabinettsausstellung „Winnetou lebt...! 80 Jahre Karl May auf der Felsenbühne Rathen“ in der Villa „Shatterhand“, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr, montags geschlossen (außer an Feiertagen)

Von Silvio Kuhnert

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