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Umland Neue Kita-Pläne in Meißen erhitzen die Gemüter
Region Umland Neue Kita-Pläne in Meißen erhitzen die Gemüter
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08:30 08.01.2018
Steffen Schabehorn zeigt auf dem frei zugänglichen Grundstück der Stadt unterhalb von Weinbergen, dass im Park schon Gehölze entfernt wurden. Hier soll eine Kita mit knapp 100 Plätzen entstehen. Quelle: Lars Müller

Winzer Steffen Schabehorn ist verärgert. In Meißen neben seinem Grundstück an der Dresdner Straße soll eine Kindertagesstätte entstehen. Das habe er quasi nebenbei erfahren und schimpft, dass die Stadtverwaltung nicht transparent die Nachbarn informiere. Er selbst habe bereits vor einiger Zeit bei Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) nach den Plänen auf dem parkähnlich gestalteten Grundstück mit Jahrhunderte alten Buchen und Eiben gefragt, sei aber abgeblitzt.

Nun bestätigt die Stadt, eine weitere Kindertagesstätte dort zu planen, um den steigenden Bedarf decken zu können. Eine Rathaussprecherin sagte, in freier Trägerschaft soll eine Einrichtung für 36 Krippenkinder und 60 Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt (Kindergarten) errichtet werden. „Bauen soll hier die Städtische Erneuerungs- und Entwicklungsgesellschaft SEEG.“ Für diese Kita sei die Aufnahme im Bedarfsplan für das Kalenderjahr 2019 beantragt. Für den Standort an der Dresdner Straße laufe derzeit erst eine Bauvoranfrage, so dass noch keine Detailfragen beantwortet werden könnten, hieß es.

Das findet Winzer Schabehorn fatal und nennt gleich mehrere Gründe, weshalb der Standort aus seiner Sicht ungeeignet ist. Das Grundstück sei zu klein für ausreichend Spielflächen, findet er. Zudem müssten die unter Schutz stehenden alten Gehölze zwingend erhalten werden, fordert Steffen Schabehorn. Problematisch ist aus seiner Sicht auch die Verkehrssituation an der dort schmalen und vielbefahrenen Dresdner Straße. „Es gibt keinen Überweg, keinen Platz für eine Ampel“, sagt er. Und wenn 100 Eltern ihr Kinder bringen oder abholen, drohe täglich Verkehrskollaps. Zudem zeigt der Winzer einen Weg, der durch das zurzeitständig offen stehende Grundstück führt und die Weinberge dahinter erschließt. Die geplante Kita würde ferner die Arbeit einer kleinen Weinbäuerin einschränken, die ihre Rebflächen unmittelbar dahinter im Mariaberg bewirtschafte, aber nicht mit der Zeitung reden wolle. Schabehorn sagt, eine Kita direkt angrenzend an einen konventionell bewirtschafteten Weinberg sei alles andere als optimal – für alle Seiten. Schabehorn, der selbst drei erwachsene Kinder hat und inzwischen auch Opa ist, stellt klar, dass er freilich nichts gegen Kinder und Kindertagesstätten habe. Es gehe ihm allein um den Standort der Kita. Da mache es sich die Stadt zu einfach. Sollten die Pläne umgesetzt werden, schränke das ihn als Gewerbetreibenden und andere Kleinwinzer, die sich für den Erhalt der schwer zu bewirtschafteten Steillagen einsetzten, stark ein. Es könnten gar Existenzen gefährdet werden.

Vor einigen Jahren hat Winzer Schabehorn das Nachbargrundstück vom Landkreis erworben. Das anfängliche Vorhaben, die Kellerei aus dem beengten und von Elbehochwassern bedrohten Grundstück im nahen Sörnewitz dorthin zu verlagern, wurden nicht umgesetzt. Trotzdem bestünden weiterhin Pläne, ein Vermarktungsgebäude mit Räumen zur Sektherstellung dort zu errichten. Das werde jedoch mit einer Kita nebenan kaum möglich sein, meint er. Das frühere Herrenhaus Derer zu Deutschenbora, das ebenfalls auf seinem Grundstück steht, ruht seit Jahren im Dornröschenschlaf. In der DDR-Zeit erstreckte sich über beide Grundstücke – das des Winzers und das der Stadt - ein Jugendklub-Areal mit Streichelzoo, Springbrunnen und Rollschuh-Oval. Im Herrenhaus wurden Partys gefeiert, von denen Meißner noch heute spechen.

Die Stadt Meißen verweist unterdessen auf weiter steigenden Kita-Bedarf. Um dem gerecht zu werden, entsteht nach der Kita Knirpsenland an der Hainstraße und der Kita an der Alten Ziegelei in Meißen momentan bereits die dritte neue Kindertagesstätte innerhalb weniger Jahre am Kalkberg. Sie soll Ende dieses Jahres fertig werden, hat zunächst eine Platzkapazität für 60 Kindergartenkinder und wird in städtische Trägerschaft übernommen.

Von Lars Müller

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