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Umland NPD plant Party zum Geburtstag des Neonazi-Treffs „Haus Montag“ in Pirna-Copitz
Region Umland NPD plant Party zum Geburtstag des Neonazi-Treffs „Haus Montag“ in Pirna-Copitz
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11:51 13.10.2018
Im „Haus Montag“ in Copitz mit der markanten roten Fassade unterhält der Kreisverband der rechtsextremen NPD seine Geschäftsstelle. Quelle: Archiv
Pirna

Normalerweise würde das kleine Gebäude zwischen den mehrstöckigen Wohnhäusern an der Hauptstraße in Pirna-Copitz nicht weiter auffallen. Doch ihre tiefrote Fassade macht die Immobilie zum Blickfang. Seit die Geschäftsstelle des NPD-Kreisverbandes in das Gebäude eingezogen ist, gilt das „Haus Montag“ als zentrale Anlaufstelle für Rechtsextreme aus der gesamten Region. Jetzt jährt sich der Eröffnungstag zum fünften Mal.

Die Betreiber wollen an diesem Sonnabend eine Jubiläumsfeier im „Haus Mon­tag“ organisieren. Unter anderem stehen NPD-Aktivist und Neonazi-Kader Sebastian Schmidtke sowie Martin Böhme von der RechtsrockbandSturmwehr“ auf der Gästeliste. Auf der Facebookseite des Hauses wurde die Veranstaltung schon vor Wochen öffentlich beworben. Allerdings sind die Räume nur als Büroflächen ausgelegt.

Stadt: Jubiläumsfeier ist nicht rechtens

„Den Hauseigentümern wurde mitgeteilt, dass öffentliche Veranstaltungen im Widerspruch zum genehmigten Bauantrag stehen. Da die Voraussetzungen fehlen, wurden alle Veranstaltungen mit diesem Charakter untersagt und der Eigentümer darauf hingewiesen, alle weiteren Vorhaben zu unterlassen“, erklärt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel. Anfang dieser Woche sei im „Haus Montag“ ein Anhörungsschreiben der Stadt eingegangen, dass die Betreiber erneut auf die Nutzungsregeln hinweist. „Sollte sich nicht an diese Regelungen gehalten werden, wird das rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, so Gockel.

Die Polizei hat die Veranstaltung im Blick, sofern sie stattfindet. Ein Einsatz sei jedoch nicht geplant, teilt die Polizeidirektion Dresden mit. Auch eine Gegendemonstration sei laut dem Landratsamt in Pirna nicht angekündigt worden.

Faschismus als legitime Ideologie

Seit Oktober 2013 wird das „Haus Montag“ von der NPD, den „Jungen Nationalisten“ sowie parteiungebundenen Rechtsextremisten genutzt. Laut In­formationen des Verfassungsschutzes führt die NPD im „Haus Montag“ Mitgliederversammlungen, Schulungs- und Vortragsveranstaltungen durch. Vereinzelt treten auch rechte Liedermacher im Ob­jekt auf. Die Leitung des Hauses obliegt dem Rechtsextremisten und verurteilten Straftäter Thomas Sattelberg. Der Mitarbeiter der sächsischen NPD-Fraktion war Gründungsmitglied der rechtsextremistischen Gruppierung „Skinhead Sächsische Schweiz“, die 2001 verboten wurde.

Jubiläumsfeier hin oder her – das fünfjährige Bestehen seines Zentrums wird von Sattelberg trotzdem als Erfolg gefeiert. Immerhin ist es gelungen, den Standort trotz Protesten und massiver Kritik zu halten und zu entwickeln. Diese Tatsache zeigt, welche Gefahr von dem Gebäude und seinem Betreiber ausgeht“, meint Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen. Nach seiner Auffassung sei das „Haus Montag“ nicht nur die letztverbliebene, ansprechbare NPD-Zentrale im Landkreis. Es diene auch als popkultureller Multiplikator der neofaschistischen „CasaPound“-Bewegung aus Italien, an deren Idee das rechte Zentrum in Pirna angelehnt ist. Die „CasaPound“ versucht, den Faschismus als legitime, akzeptierte Ideologie zu etablieren.

Die Sächsische Schweiz ist zwar immer noch Szeneschwerpunkt der NPD. Dennoch ist die Bedeutung der Partei in der Region zurückgegangen. „Die NPD zieht nicht mehr. Seit sie ihre Landtagsmandate verloren hat, ist das Haus Montag in seiner Funktion als Parteibüro obsolet“, sagt Markus Kemper vom Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen.

Betreiber vollzieht Strategiewechsel

Damit wieder Leben in und um das Objekt einkehrt, hat Sattelberg einen Strategiewechsel vollzogen. „Im vergangenen Jahr entstand im Nebengebäude ein Kneipenraum, der sogenannte Klub 451 Pirna. In der Kneipe finden Liederabende statt und es wird zusammen ge­trunken. Auch unpolitische Menschen sollen in den Klub kommen. In diesem Rahmen sollen junge Menschen von der faschistischen Ideologie überzeugt werden“, so Kemper weiter.

Ungestört können die Hausherren aber nicht agieren. „Diejenigen, die menschenverachtende Ideologien auf dem Rücken der Schwächsten salonfähig ma­chen wollen, wissen, dass wir sie gemeinsam mit den zuständigen Behörden regelmäßig im Blick behalten“, stellt Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) klar. Neben der Stadtverwaltung und der Polizei hat nämlich auch der Verfassungsschutz das „Haus Montag“ seit Längerem im Visier.

Kulturbüro sieht Handlungsbedarf

Dennoch wird es auch noch ein sechstes Jahr für das „Haus Montag“ geben, glaubt Starosta. „Dieser fest etablierte Treffpunkt der rechten Szene ist nur noch schwer aus dem Stadtbild zu verbannen. Die staatlichen Behörden haben schlichtweg versäumt, bei der Entwicklung des Hauses einzugreifen“, so der Experte für Rechtsextremismus. Die Mitarbeiter vom Kulturbüro Sachsen fordern deshalb, dass die Strafverfolgungsbehörden nun nacharbeiten und Ermittlungsdruck aufbauen. „Schließlich wird im ’Haus Montag’ politische Weiterbildung betrieben, die einzig und allein der Volksverhetzung dient“, warnt Starosta.

Von Junes Semmoudi

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