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Umland NABU zur Südumfahrung Pirna: „völlig überdimensioniertes Großprojekt“
Region Umland NABU zur Südumfahrung Pirna: „völlig überdimensioniertes Großprojekt“
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08:29 03.08.2017
Sebastian Schmidt und Bernd Wengler (r.) sorgen sich um die Anwohner der künftigen Südumfahrung sowie um die Tiere und Pflanzen auf dem Kohlberg hinter ihnen. Quelle: Foto: D. Förster

Am heutigen Donnerstag fällt der offizielle Baustart zur Südumfahrung Pirna.Bei Sebastian Schmidt, Vorsitzender der Regionalgruppe Oberes Elbtal des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), und Bernd Wengler vom NABU-Rechercheteam stößt das Vorhaben auf heftige Kritik.

Frage: Bei der NABU-Regionalgruppe Oberes Elbtal ist heute kein Tag zum Jubeln. Warum?

Sebastian Schmidt: Durch den Bau der Südumfahrung wird in die Landschaft massiv eingegriffen. Dort leben viele Tiere, auch seltene Arten, die auf der roten Liste stehen. Unter anderem wurden 16 Fledermausarten, 82 Vogelarten wie beispielsweise Eisvogel, Uhu und Goldammer, Amphibien wie Feuersalamander, Teichmolch und Erdkröte sowie Krautarten wie Anemone und Aronstab entlang der künftigen Route gesichtet. Zu der Trasse gehören zwei große Brücken und große Dämme, die den Stadtteil Zehista zerschneiden werden, ein 300 Meter langer Tunnel durch den als Naherholungsgebiet ausgewiesenen Kohlberg sowie eine 918 Meter lange und 68 Meter hohe Taktschiebebrücke, die das Gottleubatal überspannt und selbiges ebenfalls zerschneidet. Zudem wird Pirnas Stadtwald, die Viehleite, stark geschädigt.

Bernd Wengler: Die jetzige Variante der Südumfahrung ist für unsere Region ein völlig überdimensioniertes Großprojekt, das massiv die Natur zerstört und Steuergelder in Größenordnungen ohne Sinn und Verstand verpulvert. Ihr Bau soll nach gegenwärtiger Schätzung fast 100 Millionen Euro kosten. Das ist eine unverhältnismäßig große Summe für nicht einmal vier Kilometer Länge.

Sie sprachen von schützenswerter Natur. Indem die Innenstadt vom Durchgangsverkehr befreit wird, gibt es weniger gesundheitsschädlichen Lärm und weniger Abgase durch Fahrzeuge dort. Der Mensch ist doch auch ein Schutzgut, oder etwa nicht?

Sebastian Schmidt: Wir haben erhebliche Zweifel an der gepriesenen Entlastung vom Durchgangsverkehr. Der Verkehr wird von der jetzigen Bundesstraße in das Seidewitztal verlagert. Die Planer schätzen selbst, dass täglich rund 14000 Fahrzeuge, was in etwa zwei Drittel des Verkehrsaufkommens pro Tag auf der Ortsumgehung entspricht, die Abfahrt ins Seidewitztal in Richtung Innenstadt nutzen werden. Damit nimmt der Verkehr auf der Zehistaer Straße, der Einstein- und Clara-Zetkin-Straße zu und an den Ampeln zur jetzigen Bundesstraße ist mit Stau zu rechnen. Von einer deutlichen Entlastung der Innenstadt vom Verkehr kann also nicht die Rede sein. Zu bedenken ist auch der demografische Wandel.

Wie meinen Sie das?

Sebastian Schmidt: Die Bevölkerung wird immer älter und die Zahl der Einwohner nimmt ab. Künftig wird es weniger Autofahrer geben. In zwanzig Jahren wird man sich sicher die Frage stellen, warum mit man mit dieser überdimensionierten Straße die Landschaft verschandelt hat.

Sie vermissen auch eine Strategische Umweltprüfung, oder?

Bernd Wengler: Auf diese Prüfung, bei der Umweltaspekte untersucht werden, wurde im Planfeststellungsverfahren mit der Begründung verzichtet, dass das entsprechende Gesetz erst im Jahr 2005 in Kraft getreten, die Südumfahrung aber bereits seit 2004 Teil des Bundesverkehrswegeplanes gewesen sei. Wir sehen dies anders. Denn, wie an einer anderen Stelle der Planfeststellungsunterlagen zu lesen ist, hätte das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung in der jeweils geltenden Fassung angewandt werden müssen. Das ist ein nicht tolerierbarer Mangel im Planfeststellungsverfahren. Darüber hinaus hat die Südumfahrung schädliche Folgen für die Einwohner Pirnas.

Welche Schäden sollen das sein?

Bernd Wengler: Die geplante Trasse zerschneidet das Kaltluftentstehungsgebiet im Seidewitztal. In beiden Tälern liegen links und rechts der Route innerstädtische Wohngebiete. Auch das Evangelische Schulzentrum und das Leichtathletik-Stadion „Am Kohlberg“ werden von der Trassenführung tangiert. Die Luftverpestung durch Feinstaub und Stickoxide sowie der Lärm wirken sich mit der in der Nähe liegenden Autobahn A 17 doppelt negativ aus und schädigen die Gesundheit der dort lebenden Menschen.

Sie befürchten auch negative Auswirkungen auf künftige Hochwasserereignisse im Seidewitztal. Inwieweit könnte die Südumfahrung die Gefahr von Überschwemmungen erhöhen?

Bernd Wengler: Zum einen werden zwei Dämme im Seidewitztal gebaut. Andererseits erfolgt die Entwässerung der Taktschiebebrücke über das Gottleubatal und des Kohlbergtunnels in beide Flüsse. Damit erhöhen sich die Wassermengen nach Starkniederschlägen in beiden Gewässern. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) hat immer wieder Maßnahmen zum Hochwasserschutz eingefordert, auf die die Planer nur widerstrebend reagierten. So meinen die Planer, dass im Hochwasserfall bei HQ 100 angeblich nur elf Kubikmeter pro Sekunde in Pirna-Zehista auftreten, aber die LTV nennt in ihrem Fachgutachten zur Hochwasserbetroffenheit der Seidewitz bei HQ 100 die Summe mit 241 Kubikmeter pro Sekunde. Das letzte innerstädtische Retentionsgebiet vor dem Stadtzentrum wird zerstört. Sicherlich hat deshalb die LTV eine Aufständerung der Straße statt des Baus eines Dammes gefordert. Der Hochwasserschutz sollte doch ein Grundanliegen der Stadtväter von Pirna sein.

Das Planfeststellungsverfahren ist im Jahr 2015 beendet worden. Damals bestand die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen den Baubeschluss einzulegen. Warum haben Sie als NABU-Ortsgruppe nicht geklagt?

Bernd Wengler: Bei einer Klage gegen so ein Bauvorhaben müssen sie den gesamten Rechtsweg einschlagen, also bis zum Europäischen Gerichtshof gehen. Dafür muss man rund 100000 Euro einplanen. Hinzukommt, dass nach dem Planfeststellungsbeschluss nur vier bis sechs Wochen Zeit zur Verfügung standen, um einen Widerspruch zu formulieren. Dies war angesichts des umfangreichen Planmaterials nicht machbar. Einer Klage stand der Zeit- und der Geldfaktor entgegen. Es ist bis heute unklar, wie viele Klagen es überhaupt gab und welche noch nicht entschieden sind.

Von Silvio Kuhnert

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