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Umland Modernstes Blutfilter-Werk startet in Wilsdruff
Region Umland Modernstes Blutfilter-Werk startet in Wilsdruff
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14:30 05.09.2018
Blick in die Faserspinnerei in der Dialysatoren-Fabrik von B. Braun in Wilsdruff. Quelle: B. Braun
Wilsdruff

In Wilsdruff hat das Pharma-Unternehmen „B. Braun“ am Dienstag Europas modernste Dialysatoren-Fabrik offiziell in Betrieb genommen. Wenn die Maschinen voll hochgefahren sind, stellen die rund 140 Mitarbeiter in der hochautomatischen Fabrik jährlich mehrere Millionen Blutfilter für Patienten in 100 Ländern her. In das Werk sowie die Umbauten an den anderen sächsischen Standorten Radeberg und Berggießhübel hat „B. Braun“ rund 100 Millionen investiert. Davon waren etwa sechs Millionen Euro Zuschüsse vom Freistaat Sachsen. Mittelfristig soll die Kapazität auf über 30 Millionen Dialysatoren jährlich ausgebaut und der Anteil am Weltmarkt auf über zehn Prozent erhöht werden

„Diese Fabrik ist weltweit einzigartig“, betonte Markus Strotmann vom Vorstand der „B. Braun“. In puncto Automatisierung, integrierter Informationstechnologie, Vernetzung und Know-how der Mitarbeiter setze sie Meilensteine in der Branche. „Dadurch können wir unsere Produktion hier in Wilsdruff auch sehr kurzfristig auf neue Kundenbedürfnisse anpassen“, sagte er.

Diese Investition sei ein erfreuliches Bekenntnis des Unternehmens zu Deutschland, Sachsen und Wilsdruff, lobte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Werkbau. Und er hob auch den medizinischen Nutzen solch einer hochmodernen Blutfilter-Produktion in der Bundesrepublik hervor: „Etwa 100 000 Menschen in Deutschland haben eine Niereninsuffizienz“, betonte er. Sie seien auf Dialyse angewiesen. Bei etwa 8000 bis 10 000 dieser Patienten seien die Organprobleme so schwer, dass sie Spender-Nieren brauchen – die in dieser Menge aber nicht zu Verfügung stehen. Sie müssen dann regelmäßig – meist zweimal die Woche – zur Blutwäsche in ein Dialysezentrum gehen. Dort pumpen Maschinen dann ihr Blut durch ein Gerät, dessen Herzstück ein Dialysator ist, wie er zum Beispiel nun bei „B.Braun“ in Wilsdruff hergestellt wird. Dieser Filter übernimmt in der Maschine die Funktion einer natürlichen Niere und trennt die Giftstoffe aus dem Blut des Patienten heraus.

Um Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der in Sachsen produzierten Dialysatoren selbst beeinflussen zu können, hat „B. Braun“ das neue Werk in Wilsdruff als Kern eines Exzellenzzentrums konzipiert, an dem Forschung und Entwicklung, Produktion und Logistik angedockt sind. Auch sind hier mehr Glieder der Wertschöpfungskette unter einem Dach konzentriert, als das zum Beispiel in Radeberg und Berggießhübel der Fall war: Automatische Spritzgussmaschinen fertigen die Filter-Gehäuse. Parallel dazu pressen andere Maschinen eine Kunststoffmischung durch Ringspalte und erzeugen daraus dünne Hohlfäden. Die werden dann aufgewickelt und zu Hohlfasern konfektioniert. Diese Fasern haben etwa ein Fünftel Millimeter Durchmesser und an ihren Wänden winzige Poren, die nur wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) klein sind. Die Poren trennen dann später bei der Blutwäsche die schädlichen Moleküle aus dem Blut ab. Jeder einzelne Filter, so berichtet Werkleiter Dominique Clemen, enthält etwa 10 000 solcher Hohlfasern.

Und gebraucht werden davon immer mehr: Weil zum Beispiel die meisten Diabetes-Arten besonders oft bei älteren Menschen auftreten, sorgt die steigende Lebenserwartung in Deutschland gewissermaßen automatisch dafür, dass es immer mehr Diabetes-Patienten gibt – von denen ein gewisser Teil auf die Blutwäsche-Maschinen angewiesen ist, erklärt Strotmann.

„Die Nachfrage steigt aber auch in den Entwickelungsländern“, sagt er. Dort sei das vor allem eine Krankheit, die mit dem Wohlstand steige. Das klingt seltsam für Entwicklungsland, hängt aber mit den süßen westlichen „Segnungen“ wie Coca Cola zusammen, die sich dort steigender Beliebtheit erfreuen – zum Leidwesen der Nieren.

Von Heiko Weckbrodt

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