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Mister Sachsen: „Niemand soll sich für seine Liebe verstecken müssen“

CSD in Pirna Mister Sachsen: „Niemand soll sich für seine Liebe verstecken müssen“

Wenn Pirna am kommenden Sonnabend ab 15 Uhr auf dem Marktplatz den diesjährigen CSD feiert, ist auch der erste homosexuelle Mister Sachsen, Philipp Schneider, dabei. Im DNN-Interview berichtet der 21-jährige Dresdner, warum das Engagement für Toleranz und Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe weiterhin wichtig ist.

Philipp Schneider ist der amtierende Mister Sachsen und kommt am Sonnabend zum sechsten CSD in Pirna.

Quelle: Daniel Förster

Pirna. Wenn Pirna am Sonnabend ab 15 Uhr auf dem Marktplatz den diesjährigen Christopher Street Day (CSD) feiert, ist auch der erste homosexuelle Mister Sachsen, Philipp Schneider, dabei. Im DNN-Interview berichtet der 21-jährige Dresdner, warum das Engagement für Toleranz und Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe weiterhin wichtig ist.

Frage: Der Bundestag hat die „Ehe für alle“ beschlossen. Ist damit die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften vorbei?

Philipp Schneider: Die Bundestagsentscheidung ist ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Positiv ist, dass die Homo-Ehe mit der „normalen“ Ehe gleichgestellt ist und keine rechtlichen Unterschiede mehr bestehen. Allerdings ist damit die gesellschaftliche Diskriminierung, dass Schwule und Lesben Vorbehalte, Vorurteile und Benachteiligung erleben, leider noch nicht vorbei.

Sie sind der erste Mister Sachsen, der offen homosexuell lebt. Ist Ihre Wahl ein Zeichen, dass Homosexualität akzeptiert wird?

Ich bin der erste Mister Sachsen, der homosexuell ist. Leider habe ich bereits Angriffe erlebt – sowohl privat als auch mit dem Titel. Ich habe sehr viel Selbstbewusstsein und kann damit relativ gut umgehen.

Welche Angriffe waren das? Und gegen welche Vorurteile müssen Sie ankämpfen?

Man kann auf der Straße nicht einfach Händchen haltend gehen und offen seine Liebe zeigen, ohne dass abfällige Blicke oder dumme Kommentare kommen. Selbst in der Dresdner Neustadt habe ich dies erlebt. Vorurteile, denen Homosexuelle begegnen, sind beispielsweise, dass sie nicht wirklich einen anderen lieben könnten, nicht treu seien, ständig den Partner wechseln und keine Beziehung auf Dauer führen könnten. Diese Klischees können alle widerlegt werden.

Ihnen ist das in der Neustadt passiert. Das Viertel reklamiert für sich ja, bunt und tolerant zu sein. Wie ist es denn da in Kleinstädten und auf dem Lande?

Ich komme vom Land, und zwar aus einem Dorf in Brandenburg. Homosexuelle kennt man dort nicht. Es wird viel getratscht, es gibt schiefe Blicke und dumme Sprüche. Deshalb ist Präventionsarbeit und Aufklärung sehr wichtig. Auf diesem Feld muss noch viel geleistet werden.

Ist der CSD in Pirna auf diesem Weg ein wichtiger Schritt?

Definitiv! Ich bin der Meinung, dass in großen Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln der CSD bereits mehr zu einer kommerziellen Veranstaltung geworden ist. Das ursprüngliche Anliegen des Christopher Street Days, für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern sowie gegen deren Diskriminierung und Ausgrenzung zu demonstrieren und zu feiern, tritt dort in den Hintergrund. Dabei gilt es in vielen Kleinstädten für die Gleichberechtigung und Akzeptanz dieser Gruppen noch viel Arbeit zu leisten, damit Toleranz gelebt wird und jeder den Menschen lieben kann, den er liebt, ohne sich für seine Liebe verstecken zu müssen. Aber auch die eigene Szene kann bezüglich Toleranz noch einiges lernen. Auch dort stößt man auf Diskriminierung, Hass und Feindlichkeiten untereinander bis hin zu Mobbing. Nicht jeder wird einfach so akzeptiert, wie er ist. Das muss sich ändern.

Sie engagieren sich in der Aids-Hilfe. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Immunschwächevirus ist ansteigend. Die Diagnose HIV-positiv kommt heute nicht mehr einem Todesurteil gleich. Mit Hilfe von Medikamenten können Infizierte ein fast normales Leben führen. Hat der HI-Virus seinen Schrecken verloren?

Aufklärung ist weiter sehr wichtig. Die Gefahren von HIV und Aids scheinen etwas in Vergessen geraten zu sein. Aber die Infektionskrankheit ist bis heute nicht heilbar. Deshalb teilen wir von der Aids-Hilfe beispielsweise Kondome aus, verteilen Flyer und Informationsbroschüren. Unser Ziel ist es, bis 2020 so gut wie keine Neuinfektionen zu haben.

Interview: Silvio Kuhnert

Von Silvio Kuhnert

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