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Migrantinnen für Pilotprojekt gegen Gewalt an Frauen gesucht

„MiMi-Gewaltprävention“ Migrantinnen für Pilotprojekt gegen Gewalt an Frauen gesucht

Als erste Koordinationsstelle in Ostdeutschland hat die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheit e.V. idas Projekt „MiMi-Gewaltprävention“ ins Leben gerufen. Migrantinnen, die sich bereits in Sachsen eingelebt haben, sollen andere geflüchtete Frauen über ihre Rechte in Deutschland aufklären und ihnen helfen, sich zu wehren.

Projektkoordinatorin Nadine Lange (l.) tauscht sich mit Mona aus Syrien über ihre Erfahrungen in der Gewaltpräventionsarbeit in Großenhain aus. „Viele Frauen leider unter finanzieller Gewalt der Ehemänner“, berichtet sie.

Quelle: Anja Schneider

Dresden/Großenhain. Als erste Koordinationsstelle in Ostdeutschland hat die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheit e.V. in Kooperation mit dem Ethnomedizinischem Zentrum Hannover unter dem Motto „Migrantinnen für Migrantinnen“ das Projekt „MiMi-Gewaltprävention“ ins Leben gerufen. Migrantinnen, die sich bereits in Sachsen eingelebt haben, sollen andere geflüchtete Frauen über ihre Rechte in Deutschland aufklären und ihnen helfen, sich bei häuslicher, finanzieller und sexueller Gewalt zu wehren. „Dafür suchen wir momentan engagierte Migrantinnen aus Dresden und Umgebung“, sagt Projektkoordination Nadine Lange.

Die Voraussetzungen für Anti-Gewalt Mediatorinnen sind eine gute Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse zum Beispiel in Farsi, Arabisch oder weiteren Sprachen aus dem afrikanischen oder osteuropäischen Raum. „Das schwierigste ist Vertrauen zu den geflüchteten Frauen aufzubauen und sie zu ermutigen, ihre Probleme anzusprechen“, sagt Lange. Für viele der Mütter, Ehegattinnen und ledigen Frauen ist es neu, für ihre Rechte einzutreten und sich zur Wehr zu setzen. „In Deutschland erleben die Frauen und mit ihnen ihre Familien ganz neue Rollenbilder“, erklärt Lange.

Sich bei häuslicher Gewalt zu öffnen und Hilfe zu holen, fällt auch in Deutschland aufgewachsenen Frauen nicht leicht, da das Thema immer noch tabuisiert wird. Umso schwerer ist es für die geflüchteten Frauen, in einer fremden Kultur sich beispielsweise gegen ihren Ehemann oder Übergriffe durch Fremde zu wehren.

„Da die Arbeit als Mediatorin viel Vertrauen braucht, ist es für uns wichtig, dass die Bewerberinnen einen guten Zugang zu ihrer „Community“ haben, also bereits mit Frauen aus ihrem eigenen Kulturkreis ein enges Verhältnis besitzen“, beschreibt Lange eine weitere Voraussetzung für die Anstellung auf Honorarbasis bei der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung.

Im Oktober vergangenen Jahres starteten 17 Mediatorinnen aus Sachsen in Dresden mit einer Schulung ihre Arbeit in der Gewaltprävention. So auch Mona aus Syrien. Die 46-jährige Lehrerin kam vor rund eineinhalb Jahren nach Großenhain. Durch die Diakonie erfuhr sie von den Projekt zum Schutz von Frauen und engagiert sich seit einem Jahr als Mediatorin. „Am häufigsten berichten mir die Frauen, dass sie unter der finanziellen Kontrolle durch ihre Männer leiden“, erzählt Mona. Sie bietet den Frauen ein offenes Ohr und verweist sie an entsprechende Hilfsangebote, wie das Frauenhaus. Den letzten Schritt müssen die betroffenen Frauen dann aber selbst machen. „Viele haben sehr viel Angst und trauen sich nicht die entsprechenden Hilfen wahrzunehmen“, nennt Mona ein großes Problem der unter Gewalt leidenden Migrantinnen. Ein Grund dafür ist, dass es in Syrien kaum Hilfsangebote für die Frauen gab.

Den Frauen in ihrer Gemeinschaft Mut zu machen, ist Mona mittlerweile zu einer Herzensangelegenheit geworden – deswegen möchte sie den Job auch weitermachen, wenn sie im Herbst eine Ausbildung zur Erzieherin beginnt und weniger Zeit haben wird. „Es ist traurig von den Problemen der Frauen zu hören, umso schöner ist es, dass ich ihnen helfen kann“. Die Mutter einer Tochter wird dabei auch von ihrem Mann unterstützt.

Die Arbeit in dem von der Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özuguz ,gefördertem Projekt dient einigen Mediatorinnen auch als Sprungbrett in die Arbeitswelt – Erfreulich für die Frauen, die mehr Selbstständigkeit erhalten und gleichzeitig ein großes Problem für das Projekt. „Durch die hohe Fluktuationsrate sind wir auf der Suche nach neuen gut integrierten Frauen für die Arbeit als Mediatorin in der Gewaltprävention“, sagt Lange. Momentan sind 6 Frauen in der Dresdner Region engagiert: Vier in der Landeshauptstadt, eine in Pirna und Mona in Großenhain. Aktuell finden Praxisseminare zu beispielsweise Recht, Gewaltprävention und Täterstrategien statt, dabei werden die Frauen angeleitet selbstständig mit Migrantinnen aus ihrem Kulturkreis Informationsabende und beratende Gespräche durchzuführen.

Weiter Informationen zu dem Projekt können unter www.slfg.de/mimi abgerufen werden.

Von Tomke Giedigkeit

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