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Mehr Wohnungsbaugrund in Radeberg

Brachen werden Bauland Mehr Wohnungsbaugrund in Radeberg

Weil Wohnungsbauland in Radeberg sehr begehrt ist, widmet der Stadtrat nun mehr Gewerbe-Grundstücke in Wohnbauflächen um.

Grün statt Gewerbe – so ist die momentane Situation in unmittelbarer Nachbarschaft des Wohngebietes Am Sandberg.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Radeberg.  Die Bierstadt ist ein gefragter Wohnstandort. Doch die Flächen, auf denen gebaut werden kann, sind rar. Der Stadtrat fasste deshalb auf seiner Juni-Sitzung mehrere Beschlüsse, die dem Vorschlag der Verwaltung folgend Abhilfe schaffen sollen. Der Rat will zum Beispiel das Wohngebiet Am Sandberg erweitern.

Der Platz dafür ist vorhanden. Nur genutzt werden kann er derzeit nicht. Der Grund dafür ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes. Das hatte seinerzeit festgelegt, zwischen dem damaligen Coca-Cola-Standort und dem Wohngebiet müsse ein sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen werden: ein Gebiet, in dem sich auch kleinere Gewerbebetriebe ansiedeln können. Doch die zeigten bisher keinerlei Interesse. So liegt diese Fläche brach.

Das aber habe beim derzeitigen Wohnungsbau-Bedarf überhaupt keinen Sinn, findet Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD). Seine Verwaltung ließ deshalb ein Gutachten erstellen, das mehrere Varianten untersuchte, wie man mit der Nachbarschaft von Gewerbe und Wohnen umgehen könnte. Der Technische Ausschuss hatte sich bereits mit diesen Vorschlägen befasst und mehrheitlich für die Variante 1b plädiert. Sie sieht vor, das derzeitige Wohngebiet bis zum damals angelegten Lärmschutzwall auszudehnen und gleichzeitig das hinter dem Wall liegende frühere Coca-Cola-Gelände als „eingeschränktes Industriegebiet“ in Zonen mit verschiedenen Schallschutzpegeln zu unterteilen.

Diesem Vorschlag folgte denn auch der Stadtrat mit einer deutlichen Mehrheit. Drei Stadträte stimmten dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Schließlich sei das eine Art Enteignung für den Eigentümer der Coca-Cola-Fläche, hatte Ingrid Petzold (CDU) moniert. Lemm hielt dagegen, mit der jetzigen Bebauungsplan-Änderung werde noch kein Baurecht geschaffen. Dennoch sei es im Verlaufe der weiteren Planungen Aufgabe des Stadtrates, die privaten und städtebaulichen Interessen abzuwägen.

Anfang der 1990er Jahre war das von der Christoph-Seydel-Straße umfahrene Areal als Standort für Coca Cola und die Bahlsen-Keksfabrik angelegt worden. Aber nicht nur Bahlsen gab der Stadt einen Korb. Auch Coca Cola verabschiedete sich zum Ärger der Bierstand nach einigen Jahren wieder. Damals entstand die Idee, aus der Not einen Tugend und aus dem nördlichen Teil des Geländes ein Wohngebiet zu machen.

Für Diskussionen sorgte im Stadtrat auch die Neugestaltung des Quartiers Pillnitzer Straße, Richard-Wagner-Straße, Schillerstraße. Grundsätzlich sind die Stadträte sich zwar einig, die dort vorhandenen Brachen endlich für die Wohnnutzung zu planen. Aber bekanntlich liegt der Teufel im Detail. So gab es Streit um die Dichte der künftigen Bebauung. Andererseits gab es Bedenken, beim geplanten Häuserbau und der Grundstücksgestaltung könnte die jetzt reichlich vorhandene Tierwelt unter die Baggerschaufel kommen – etwa durch den Verlust von Altbäumen. Dieser Aspekt des Bauvorhabens sei ohnehin nur unzureichend betrachtet worden, kritisierte Maria Walter (SPD). Immerhin einigten sich die Stadträte auf den Hinweis, dass Grundstücksgrenzen für Amphibien und Kleinsäuger durchlässig gestaltet werden müssen. Vier Abgeordnete stimmten dennoch gegen den von der Verwaltung vorgeschlagenen Abwägungs- und Billigungsbeschluss.

Einmütigkeit herrschte dagegen beim Umgang mit dem Bebauungsplan im „Quartier zwischen Straße des Friedens, Am Bahnhof, Bahnhofstraße, Dresdner Straße“. Auch hier geht es darum, brach liegende Flächen endlich für die Bebauung zu nutzen und damit einen städtebaulichen Missstand zu beheben.

Von Bernd Lichtenberger

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