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Medizinisches Zentrum für Menschen mit Behinderung wurde bei Radeberg eröffnet

Epilepsiezentrum Kleinwachau Medizinisches Zentrum für Menschen mit Behinderung wurde bei Radeberg eröffnet

Während bundesweit für rund 250000 Kinder und Jugendliche mit Behinderung Sozialpädiatrische Zentren für die medizinische Versorgung bestehen, fehlte für erwachsene behinderte Menschen bislang eine vergleichbare Einrichtung in Sachsen. Diese Lücke hat das Epilepsiezentrum mit der Eröffnung eines medizinischen Zentrums geschlossen.

Bei der Eröffnung des MZEB durchschnitten Dr. Thomas Mayer (l.) und Martin Wallmann (r.) gemeinsam mit den Patient Martin Greiling und Monika Schüler das Band.

Quelle: Silvio Kuhnert

Radeberg. Das Epilepsiezentrum Kleinwachau hat ein Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) eröffnet. „Es ist das erste MZEB in Sachsen“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Mayer. Damit möchte die Diakonie-Einrichtung eine Lücke in der medizinischen Versorgung von behinderten Menschen schließen. Im Kindes- und Jugendalte stehen für sie bundesweit Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) zur Verfügung, wo sie interdisziplinär und von mehreren Ärzten und Therapeuten untersucht und behandelt werden. Jedoch ab dem 18. Lebensjahr fehlte für sie bislang eine vergleichbare Einrichtung.

Ein Mensch mit Behinderung oder Mehrfachbehinderung wird mit Volljährigkeit zum Hausarzt geschickt. Das ist mitunter ein Problem. Denn oft können sie ihre Beschwerden nicht artikulieren. „Ein Patient hat sich ständig den Bauch gehalten“, berichtet Dr. Mayer von einem Beispiel. Jedoch stellte sich im Zuge der Untersuchung heraus, dass die Symptome für seine Schmerzen nicht im Oberkörper, sondern im Bein lagen. „Er hatte ein Kniescheibenproblem“, führt Dr. Mayer weiter aus. Andere Patienten zeigen Verhaltensauffälligkeiten, wenn sie eine Krankheit plagt, werden beispielsweise aggressiv bei Zahnschmerzen.

Da behinderte Menschen ihre Krankheitssymptome oft nicht klar benennen oder gar zeigen können, wo es genau zwickt und kneift, bedarf es einer einfühlsamen und längeren Zeit andauernden Beobachtung, die ein einzelner Arzt im Praxisalltag nicht immer leisten kann. Daher sind im Team des MZEB Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie und Innere Medizin, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Autismusfachberater sowie Ernährungsberater vereint, um bei einem Patienten dem genauen Krankheitsbild auf die Spur zu kommen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Bei Bedarf ziehen sie weitere Fachärzte zurate.

„Wir haben hier ein ambulantes Anlaufzentrum für erwachsene behinderte Menschen geschaffen, bei denen es nicht um epileptische Anfälle geht, sondern um andere medizinische Fragen, wie zum Beispiel um unklare Schmerzen, Verhaltensstörungen, kognitiven Abbau oder um Fragen der Hilfsmittelversorgung“, informiert Dr. Mayer. Das MZEB soll nicht den Hausarzt sowie das primäre Versorgungsnetz mit Fachärzten ersetzen. „Die Therapie wird weiter vor Ort stattfinden, dort wo der Patient lebt“, so der Chefarzt. Aber bei der Diagnose einer Erkrankung will das Team des MZEB helfen. Haus- und Fachärzte können Patienten ab dem 18. Lebensjahr mit geistiger und mehrfacher Behinderung an das Klinikum im Radeberger Ortsteil Kleinwachau überweisen, wenn sie bei der Anamnese und Untersuchung Hilfe benötigen.

„Mit unserem MZEB schaffen wir nun endlich ein Angebot für die erwachsenen behinderten Patienten, die im bisherigen System nicht gut behandelt werden konnten“, sagt Martin Wallmann, Geschäftsführer des Epilepsiezentrums. Das hier Defizite im deutschen Gesundheitswesen bestehen, hat der Gesetzgeber erkannt und mit der Änderung des Paragrafen 119c im Sozialgesetzbuch V im Juli 2015 die Voraussetzungen für die Gründung von MZEB geschaffen. Bislang gibt es etwa eine Hand voll in Deutschland. Es sollen weitere Folgen auch im Freistaat.

Von Silvio Kuhnert

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