Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Lutheraner und Stadt Heidenau gehen gemeinsame Wege
Region Umland Lutheraner und Stadt Heidenau gehen gemeinsame Wege
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:33 26.08.2018
Projektkoordinator Uwe Lässig und Gemeindepfarrerin Erdmute Gustke vor der umgebauten Christuskirche in Heidenau. Quelle: Tomas Gärtner
Heidenau

Jahrzehntelang stand die evangelische Christuskirche wie in einem Versteck, verborgen hinter Büschen und Bäumen im Ortsteil Mügeln, einem der einst sieben Dörfer, aus dem Heidenau bis 1924 zur Industriestadt mit heute mehr als 16 000 Einwohnern zusammenwuchs. Dieses Schattendasein hat damit zu tun, dass sie damals gar keine Kirche gewesen ist. Errichtet wurde das Gebäude als Fabrik für Fotoplatten. Die Gemeinde baute sie um und nahm sie 1927 als Notkirche in Dienst. Nun ist sie aus ihrer verschämten Nischenexistenz herausgetreten. Wie mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, präsentiert sie sich nach zwei Jahren und acht Monaten Umbau in der Öffentlichkeit.

Kirchsaal mit sanierter Jehmlich-Orgel

„Wir haben gründlich gelichtet“, sagt Pfarrerin Erdmute Gustke. Jetzt ist die Sicht frei. Geschwungene Betonpflasterwege führen von der Rathausstraße an der einen und der Dresdner Straße an der anderen Seite durch Grünanlagen zum Eingang.

Der ist die auffälligste Veränderung. Vor das Portal ist ein Glasanbau gesetzt worden, der bis zur Dachrinne hinauf reicht. Damit ist ein zusätzliches Foyer mit mehr Toiletten entstanden. Innen geht der Besucher nicht mehr wie früher durch enge, dunkle Gänge. Er tritt jetzt in ein zweites Foyer. Das ist so geräumig, dass die Musikschule hier einen Flügel aufstellen möchte.

Aus dem Kirchsaal mit der sanierten Jehmlich-Orgel haben sie die alten Kirchenbänke herausgenommen. Auf dem erneuerten Parkett können statt dessen jetzt 160 Stühle mit gelben, orangen oder roten Polstern aufgestellt werden, je nach Bedarf einzeln. Mit wenigen Handgriffen lassen sie sich aber auch zu Sitzbänken aneinanderreihen. Mit Rollos können die großen Fenster an den Längsseiten verdunkelt werden – damit zum Beispiel auch bei Tag die Bilder eines Projektors besser zu erkennen sind.

Noch vor Jahren sah es schlimm hier aus. „Immer wieder ist Regenwasser herabgetropft“, erinnert sich Pfarrerin Gustke. „Manchmal schwamm der Fußboden.“ Die Gemeinde bildete 2012 eine Projektgruppe, die nach Möglichkeiten suchen sollte, das Dach wieder dicht zu kriegen.

Ingenieur Lässig findet zum Glauben

Auch Uwe Lässig ging zur ersten Beratung. Der Ingenieur, ein alter Sachsenwerker, war Anfang der 1990er Jahre ins Rathaus gewechselt. Das steht gleich nebenan. „Dass es um die Ecke eine Kirche gab, ist mir nie aufgefallen“, erzählt er. Bauen, das interessierte ihn. Christ war er nicht. Als sie mit Andacht, Gebet und Lied begannen, schaute er zögernd in die Runde: „Darf ich hier überhaupt mitmachen?“ Er durfte. Bald wurde er zum wichtigsten Organisator der Arbeiten.

Und er begann sich für den eigentlichen Zweck des Sakralbaus zu interessieren, besuchte einen Glaubenskurs. 2016 ließ sich der heute 56-Jährige taufen. Die vielen kleinen und großen Hürden bei solchen Bauprojekten schreckten ihn nicht. „Ich habe schon immer versucht, Sachen ins Rollen zu bringen.“ Vor allem die Finanzierung erwies sich als knifflig.

Dann begann sich die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) zu interessieren. In der Kirche nämlich befindet sich genau ein solch großer, ebenerdiger und barrierefrei zugänglicher Saal, den auch die Stadt so dringend braucht. „Das hat sie gereizt mitzumachen“, sagt Uwe Lässig. Also schloss sie sich mit der Kirchgemeinde zusammen.

Der große Saal kann gemietet werden

Gemeinsame Finanzierung und später gemeinsame Nutzung – das verschaffte ihnen Zugang zu Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. Aus denen wird ein Großteil der insgesamt rund zwei Millionen an Baukosten finanziert. Der frei stehende Glockenturm, einst ebenso grau wie das gesamte Gebäude, ist zu einem Schmuckstück in leuchtendem Karminrot geworden. In seinem Erdgeschoss entsteht bis Herbst ein Raum der Stille.

Im Winter versammelt sich die Gemeinde im kleineren Luthersaal. Etwa 60 Menschen finden darin Platz. Mit dieser Größe sei er am besten für Veranstaltungen von Gästen geeignet, sagt Pfarrerin Gustke. Auch für private Feiern werde ihn künftig jeder mieten können. Die Besucher dürfen dann auch die neue Küche gegenüber benutzen.

In der oberen Etage hat sich die Gemeinde mehrere Räume eingerichtet. Kinder, Jugendliche und Gemeindegruppen können sich dort treffen, Chor und Posaunenbläser proben. Ins Erdgeschoss wiederum zieht das Pfarrbüro ein. Dann kann die Gemeinde auf die angemieteten Räume an der Pillnitzer Straße verzichten und Ausgaben sparen.

Vor allem mit sozialen Initiativen und Einrichtungen will die Gemeinde zusammenarbeiten. Die Fäden knüpft Marina Geng, die mit halber Stelle, finanziert vom Europäischen Sozialfond, befristet auf zwei Jahre als Koordinatorin angestellt ist. Für September plant sie zum Beispiel ein Kontakt-Café der Diakonie. So ist die Kirche nicht nur zum Gemeindezentrum geworden, sondern zum „Haus für alle in der Mitte Heidenaus“. Eröffnet werden soll es mit Festveranstaltung und einem Nachmittag der offenen Tür am 31. August.

Christuskirche Heidenau

Eröffnung: Freitag, 31. August, zunächst Festakt für geladene Gäste; 15 Uhr „Nachmittag der offenen Tür“ mit Kinderspielen, Speisen, Getränken, Führungen, Orgelmusik und Klezmer

Fest: Sonntag, 2. September, 14 Uhr, Festgottesdienst, anschließend Führungen durchs Gebäude, Kinderspiele, Speisen, Getränke

Geschichte: bis 1899 feierten evangelisch-lutherische Christen in Heidenau und benachbarten Dörfern ihre Gottesdienste in der Dohnaer Marienkirche, dann in Schulen; der Bau einer Kirche scheiterte während der Wirtschaftskrise Anfang der 1920er Jahre; so erwarb die Gemeinde die Fabrik für Fotoplatten
in Heidenau-Mügeln und baute sie bis 1927 zur Notkirche um; mit der Luther-kirche wurde 1933 eine zweite Notkirche gebaut, 2014 entwidmet, 2016 an
eine Familie verkauft, heute ist sie Wohnhaus

Finanzierung: insgesamt kostete der Umbau rund zwei Millionen Euro; 75 Prozent der förderfähigen Kosten wurden mit Zuschüssen aus dem Programm „Die Soziale Stadt“ bezahlt (ein Drittel Stadt Heidenau, zwei Drittel Freistaat und Bund); 39 Prozent der Gesamtkosten (einschließlich nicht förderfähiger Anteil) übernehmen Gemeinde und Landeskirche; mit 38 000 Euro wurde die Jehmlich-Orgel saniert

Gemeinde: 2014 schlossen sich Heidenau (Christuskirche), Dohna (Marienkirche) und Burkhardswalde zu einer Gemeinde zusammen, Maxen ist Schwesterkirche; dem Verbund gehören rund 2300 Mitglieder an gä

www.kirche-hdb.de

Von Tomas Gärtner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

An der Stadtgrenze von Radebeul und Coswig ist ab dem 30. August die Hauptverkehrsader zwischen beiden Kommunen gekappt. Die Vollsperrung der Staatsstraße 82 (Meißner -/Dresdner Straße) dauert bis 5. September. Während dieser Zeit wird eine weiträumige Umfahrung empfohlen.

24.08.2018

Blütenkönigin Laura I. hat am 24. August den Startschuss zur diesjährigen Apfelernte gegeben. Die sächsischen Obstbauern erwarten wegen Trockenheit und Hitze mit rund 80810 Tonnen des gesunden Obstes nur eine unterdurchschnittliche Ernte.

24.08.2018

Seltenes Phänomen: Am Butterberg in Bischofswerda haben Trockenheit und Witterung eine Windhose ausgelöst.

24.08.2018