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Umland Lehrer in Radebeul reagieren auf Handlungsprogramm des Freistaats
Region Umland Lehrer in Radebeul reagieren auf Handlungsprogramm des Freistaats
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07:43 20.04.2018
Tanja Bendel, Frank Scholz, Margret Schubert-Erkrath und Sophia Partzsch (v.l.n.r.) bilden den Lehrerrat des Lößnitzgymnasiums. Quelle: A. Lindackers
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Radebeul

Am 9. März 2018 hat die sächsische Staatsregierung des Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen“ beschlossen. Bis 2023 sind umfangreiche Maßnahmen geplant mit einen finanziellen Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro. Wie reagieren die Lehrer auf dieses – für sie zugeschnittene – Programm? Ein Gespräch mit dem Lehrerrat des Lößnitzgymnasiums Radebeul.

Frage: Wie hat das Lehrerkollegium des Lößnitzgymnasiums auf das am 9. März von der Sächsischen Staatsregierung beschlossene Handlungsprogramm zur „Nachhaltigen Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen“ reagiert?

Antwort: Die Reaktion des Kollegiums reichte von Sprachlosigkeit und Fassungslosigkeit über sachliche Ablehnung bis hin zum Zorn, weil vom Kultusministerium angedacht ist, pädagogische Arbeit, die wir unabhängig vom Geburtsjahr und vor allem auch gemeinsam leisten, ungleich zu bezahlen. Das Handlungsprogramm bietet ab 2019 Lehrern, die noch nicht 42 Jahre alt sind, die Verbeamtung an, um dem Lehrermangel mit Anreizen zu begegnen. Einen adäquaten finanziellen Ausgleich soll es für alle anderen so gut wie nicht geben. Darüber, dass diese ungleiche Behandlung eine große Ungerechtigkeit darstellt, sind sich unsere Kollegen einig.

Gibt es weitere Gründe für diese entstandene Stimmung?

Ja! In den vergangenen 28 Jahren haben die Lehrer ein Schulsystem aufgebaut und aufrecht erhalten, das mitunter unglaubliche Zumutungen barg. Zu Beginn der 1990er Jahre haben viele unserer Kollegen mit einem berufsbegleitenden Studium dem damals bereits absehbaren Lehrermangel in Fächern wie Ethik, Englisch und Informatik versucht entgegenzutreten. Die Erhöhung der Pflichtstundenzahl ohne Mehrvergütung wurde allen auferlegt. Wir haben den permanenten Rückgang der Gelder ausgehalten. In den 2000ern wurden viele Kollegen zur Zwangsteilzeit verpflichtet. Wir haben an unserer Schule mit Innovation und Mut eine drohende Schließung, dann Fusion verhindert; mehrmals Sanierungen und Umzüge bei laufendem Schulbetrieb gemeinsam mit den Schülern bewältigt. Dabei stehen wir stellvertretend für unzählige andere Schulen.

Das Handlungsprogramm bietet ab 2019 den Lehrern, die noch nicht 42 Jahre alt sind, die Verbeamtung an, und stellt Lehrkräften mit DDR-Abschluss den an ihrer Schulart tätigen Lehrern gleich. Wie viele Lehrer arbeiten am Lößnitzgymnasium, wie hoch ist der Anteil an Lehrern unter 42 Jahren, und wie viele Lehrkräfte mit DDR-Abschluss gibt es?

Am Lößnitzgymnasium arbeiten momentan sechs Referendare und 52 Lehrer, von denen zwölf die Möglichkeit zur Verbeamtung nutzen können. Unseres Wissens sind die Abschlüsse aller Lehrer an unserer Schule mit DDR-Abschlüssen anerkannt. Das betrifft etwa die Hälfte des Kollegiums.

Welche Auswirkungen wird die Ausführung des Handlungsprogramms auf das Schulklima haben?

Es besteht die Gefahr des Unfriedens im Lehrerzimmer, weil die jungen Lehrer unter Gewissensfragen leiden und die Älteren sich benachteiligt fühlen.

An welchen Stellen muss das Handlungsprogramm noch bearbeitet werden?

Wir erwarten eine Überarbeitung des Handlungsprogramms in der Weise, dass für alle „Ü42“-Lehrer ein gerechter finanzieller Ausgleich geschaffen wird. Darüber hinaus fordern wir für unsere Schüler, dass gekürzter Unterricht nicht in der Nachmittagsbetreuung aufgefangen wird.

Wie meinen Sie das?

Im Handlungsprogramm steht auch geschrieben: „um kurzfristig zusätzliche Angebote zu ermöglichen und langfristig Veränderungen der Stundentafel konzeptionell zu begleiten, werden die Mittel für Ganztagsangebote erhöht.“ Das heißt für uns übersetzt, dass Schulen, die den Unterricht mit Lehrkräften nicht abdecken können, in der Nachmittagsbetreuung zum Beispiel Ball spielen lassen dürfen.

Sind sie mit den Schulen in Radebeul dazu im Gespräch?

Ja, es gibt ein breites Vernetzen der Schulen per Mail und Plattformen, um gemeinsam zu handeln und sich zu unterstützen.

Was sind Ihre Wünsche an Kultusminister Christian Piwarz?

Wir erwarten, dass es keine Benachteiligungen aus Gründen des Alters gibt, sondern, dass gleiche Arbeit gleich bezahlt wird. Wir erwarten auch, dass, wenn es um „nachhaltige Bildungsqualität“ geht, unsere Erfahrungen eingeholt und wir zur Mitsprache hinzugezogen werden.

Gespräch: Annette Lindackers.

Info: Das Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen“ ist zu finden unter: https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2018/03/09/handlungsprogramm/

Der Lehrerrat: Die Wahl der Vertreter der Lehrer in der Schulkonferenz und ihrer Stellvertreter erfolgt in der Gesamtlehrerkonferenz entsprechend der Schulkonferenzverordnung (SächsGVBl. S. 374). Vier Lehrer gehören zum Lehrerrat und werden für jeweils zwei Jahre gewählt.

Von Annette Lindackers

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