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„Lebendige Bibliothek“ öffnet am Sonnabend in Radeberg

„Schmöker“ auf zwei Beinen „Lebendige Bibliothek“ öffnet am Sonnabend in Radeberg

Miteinander statt übereinander reden: Die „Lebendige Bibliothek“ bringt Menschen zusammen. In Radeberg stehen an diesem Sonnabend bei der zweiten Auflage wieder rund 20 Erzähler zur Ausleihe bereit.

Hartmut Kirschner hat die „Lebendige Bibliothek“ ins Leben gerufen.

Quelle: Sebastian Kahnert, dpa

Radeberg. Malaika musste schon viele Hürden im Leben nehmen. Noch im Bauch ihrer Mutter Doreen Thämelt gab es die schlimme Diagnose: Das kleine Herz schlägt aufgrund einer seltenen Krankheit nicht im richtigen Takt. Deshalb schlagen die Ärzte die Implantation eines Herzschrittmachers vor – und zwar gleich nach der Geburt in einer Spezialklinik in Leipzig. Diese dramatischen Tage sind inzwischen 13 Jahre her. Heute engagiert sich die Schülerin in der Jugendfeuerwehr und träumt von der Zukunft. An diesem Sonnabend wird sie ihre Geschichte gemeinsam mit der Mutter bei der zweiten Auflage der „Lebendigen Bibliothek“ in Radeberg erzählen.

Aufregung spüren Doreen Thämelt und ihr kleiner Liebling nicht. „Unsere Geschichte haben wir schon häufig erzählt. Inzwischen fällt es auch leichter“, sagt die Reiseverkehrskauffrau. Auch ihre Tochter hat nicht lange nachgedacht, als sie gefragt wurde, ob sie bei der „Lebendigen Bibliothek“ Rede und Antwort stehen will. Diese besondere Bücherei funktioniert ähnlich wie eine klassische Bibliothek: Menschen leihen sich für 20 bis 30 Minuten eine Geschichte aus – nur dass in diesem Fall die „Bücher“ echte Menschen sind. Und aus Lesen wird ein Gespräch unter vier Augen.

Bei der ersten Auflage vor einem Vierteljahr in Radeberg kamen 25 Besucher. Zuhören und Fragen konnten sie unter anderem auch Rainer Böhme. Der Sebnitzer hat seine Geschichte erzählt, wie er vom Kriminalisten zum Krimiautor wurde. „Ich würde mir wünschen, dass bei diesem Mal noch mehr Interessierte kommen“, sagt er. Der 70-Jährige hat fünf Bücher geschrieben, sein letztes Werk spielt in der Oberlausitz und ist ein Kriminalroman. Die Bibliotheksnutzer dürfen sich selbstverständlich auf eine Kostprobe freuen.

Organisator Hartmut Kirschner hat den genauen Überblick, wie oft die „Bücher“ ausgeliehen wurden. Zweimal mussten die meisten ihre Geschichten erzählen, sagt der Radeberger Mediziner. Er ist auf diese Idee bei seiner Zeitungslektüre gestoßen. Ein Beitrag berichtete über die erste „Lebendige Bibliothek“ in Dänemark. „Ende der 1990er Jahre haben Jugendliche, deren Freund zusammengeschlagen wurde, einen Verein gegen Gewalt und Intoleranz gegründet“, weiß Kirschner.

Daraus entwickelte sich das Gesprächsformat im Jahr 2000, das inzwischen nicht nur bei den nordischen Nachbarn Schweden und Norwegen übernommen wurde. Dort heißt die „Lebendige Bibliothek“ übrigens „Fördomsbiblioteket“ – auf Deutsch „Vorurteilsbibliothek“. Darum geht es auch den Radeberger Machern. „Wir wollen Vorurteile aus dem Weg räumen und Menschen in Kontakt bringen, die sich sonst nie begegnen würden. Wenn es gelingt, einige Voreingenommenheiten abzubauen, haben wir viel geschafft“, sagt Kirschner.

Organisiert wird die Veranstaltung gemeinsam von den Kirchgemeinden und der Stadt Radeberg. 25 Bücher auf zwei Beinen haben sich für das Projekt zur Verfügung gestellt. Nach Kirschners Vorstellungen sind in der Bibliothek noch Platz für viele weitere „Schmöker“ mit unterschiedlicher Herkunft, Religion, Geschichte sowie ganz verschiedenen Berufen, Hobbys oder Weltanschauungen.

Am Sonnabend können sich die Leser im Humboldt-Gymnasium zwischen 15 und 17 Uhr wieder auf etwa 20 „Bücher“ freuen. Im Mittelpunkt der lebenden Bücher stehen ungewöhnliche Hobbys, außergewöhnliche Erlebnisse und die Arbeit – das pure Leben. Selbstverständlich ist Hartmut Kirschner dabei. Der 78-Jährige hat bis vergangenes Jahr noch als Arzt für Innere Medizin und Facharzt für Psychotherapie gearbeitet.

Sein Thema heißt „Psychotherapie und Seelsorge“. Wünschen würde er sich, wenn die „Lebendige Bibliothek“ in Radeberg zu einer Tradition werden würde. Die Organisationsgruppe will das Format auf jeden Fall zwei bis drei Mal pro Jahr anbieten. Dann halten sich vielleicht auch wieder Malaika und Rainer Böhme als Buch mit ihrer besonderen Lebensgeschichte bereit.

Von Miriam Schönbach, dpa

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