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Umland Landkreis Meißen trägt Hauptlast bei Energiewende im Planungsverband
Region Umland Landkreis Meißen trägt Hauptlast bei Energiewende im Planungsverband
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19:26 13.03.2018
In der Planungsverbandsregion sollen 84 Windräder stehen. Quelle: Foto: Patrick Pleul, dpa
Meissen/Pirna

Die Worte sind deutlich: „grundsätzlich ist festzustellen, dass der Kreis Meißen als Teil des ländlichen Raumes von den Folgen der Energiewende besonders belastet wird.“ Mit diesem Satz soll die Stellungnahme des Kreises Meißen zum Entwurf der Zweiten Gesamtfortschreibung des Regionalplanes Oberes Elbtal/Osterzgebirge beginnen. Das Schreiben an den Regionalen Planungsverband befindet sich selbst noch im Entwurfsstadium. Der Kreistag soll auf seiner nächsten Sitzung über den abschließenden Inhalt entscheiden.

485 Hektar für Windparks

Was der Kreisverwaltung besonders sauer aufstößt, ist, dass der Kreis Meißen in der Planungsregion, zu der auch die Landeshauptstadt Dresden und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehören, in Bezug auf Windkraftanlagen die Hauptlast trage. „Von den insgesamt 485 Hektar VREG (Vorrang- und Eignungsgebiete, Anm. d. Red.) Windenergienutzung der Region befinden sich 392 Hektar im Kreis Meißen“, steht weiter in der geplanten Stellungnahme in Rahmen des Beteiligungsverfahren. Das seien mithin rund 82 Prozent der VREG-Fläche. Die Kreisverwaltung führt Vergleichzahlen an: Der Flächenanteil des Landkreises Meißen an der Planungsregion liegt bei rund 42,2 Prozent; der Bevölkerungsanteil macht noch nicht einmal ein Viertel aus und beträgt 23,5 Prozent. „Die alleinige Belastung des ländlichen Raumes allgemein und des Kreises Meißen insbesondere mit den Folgen der Energiewende und des Klimaschutzes ist nicht hinnehmbar“, moniert die Kreisbehörde in ihrer noch nicht abgesendeten Stellungnahme.

Das Thema Windkraft ist seit vielen Jahren ein Reizthema in der Region des Planungsverbandes. Kritiker von Windkraftanlagen befürchteten eine Verspargelung der Landschaft, Bürgerinitiativen wollten keine Windräder in der Nähe ihrer Häuser sehen und pochten auf Mindestabstände zu bebauten Gebieten. Die Regionalplaner versuchten bereits im Jahr 2009 mit einer Überarbeitung des Teilregionalplanes Windenergie die Ansiedlung von Windparks zu steuern. Dieser Versuch wurde aber vom sächsischen Innenministerium kassiert, weil aus seiner Sicht der regionale Anteil am Klimaschutzziel nicht erreicht werden konnte, da zu wenig Flächen für die Windenergienutzung ausgewiesen wurden. Im nun vorliegende Entwurf des überarbeiteten Regionalplanes unternehmen die Regionalplaner einen neuen Anlauf zu einer Regelung.

Die Vorgaben sind klar: Im aktuellen Energie- und Klimaprogramm des Freistaates wurde der angestrebte Jahresenergieertrag für den Bereich Windenergienutzung auf 2200 Gigawattstunden bis zum Jahr 2022 festgelegt. Um diese Zielmarke zu erreichen, soll die Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge jährlich mindestens 410 Gigawattstunden beitragen. Nach langer Suche sowie intensiver Untersuchung und Beratung haben die Regionalplaner 15 Standorte zu Vorrang- und Eignungsgebieten erkoren. Acht befinden sich im Landkreis Meißen und machen, wie bereits erwähnt, den Bärenanteil an der für Windparks vorgesehenen Gesamtfläche aus. Sieben weitere liegen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 84 Windkraftanlagen sollen insgesamt dort stehen können und einen durchschnittlichen Jahresenergieertrag von rund 613 Gigawattstunden liefern.

In Bezug auf die Klimaziele vermisst das Landratsamt Meißen konkrete Vorgaben für die anderen Gebietskörperschaften im Planungsverband. Im Fokus hat es vor allem die Landeshauptstadt. Aus vielerlei Gründen – Flughafen, Bebauungsdichte und Mindestabstand zu Wohngebieten, Abstände zu Überschwemmungsgebieten oder Schutz des Landschaftsbildes des Elbtals – können und dürfen in Dresden keine Windräder aufgestellt werden. Das Landratsamt Meißen fordert daher, dass die Dresdner beispielsweise durch Photovoltaikanlagen und Energieeinsparung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Regionalplan soll deshalb auf Vorschlag der Meißner eine verbindliche Zielstellung für die Landeshauptstadt festgelegt werden.

Sorge um geschützte Vogelarten

Hinsichtlich der VREG-Fläche bei Thiendorf hat der Landkreis Meißen Bedenken wegen des Natur- und Artenschutzes. Das für einen Windpark vorgesehene Areal berührt Bruthabitate von Seeadler, Rohrweihe, Rotmilan und Weißstorch. Zudem liegt dieses Gebiet an einer überregionalen Zugroute von Fledermäusen. Die Kreisverwaltung fordert daher, auf eine Ausweisung dieser Fläche für Windkraftanlagen zu verzichten.

Artenschutzrechtliche Bedenken hegt auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bezüglich der Potenzialfläche bei Breitenau. Windräder würden dort zu nah an Brutrevieren und Nahrungshabitaten der streng geschützten Vogelarten Uhu und Schwarzstorch stehen. Deshalb sollte Breitenau von der Liste der VREG-Flächen gestrichen werden. Beim Standort Rückersdorf sieht das Landratsamt in Pirna den Lebensraum von Rot- und Schwarzmilan bedroht. Beide Greifvogelarten brühten in der näheren Umgebung.

Von Silvio Kuhnert

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