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Umland Landesumweltamt rät zur Wachsamkeit bei der Kirschessigfliege
Region Umland Landesumweltamt rät zur Wachsamkeit bei der Kirschessigfliege
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15:24 12.08.2016
Oenologe Hendrik Weber kontrolliert die Fliegenfallen des Landesumweltamtes in seiner Rebanlage regelmäßig. Vor zwei Jahren hatte er starke Einbußen durch das Schadinsekt. Quelle: Lars Müller
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Meißen

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hält in den kommenden Wochen größere Probleme mit der im Obst- und Weinbau gefürchteten aus Asien eingeschleppten Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) für möglich. „Die Gefahr des Befalls ist in diesem Jahr höher als in den zurückliegenden Jahren“, betont Alfred Trapp vom Landesumweltamt. Eine Ursache dafür sei der deutlich stärkere Befall in Sauerkirschen und Brombeeren. In unbehandelten Brombeeren waren Früchte so geschädigt, dass ein Verkauf nicht mehr möglich war. Auch bei Sauerkirschen habe es Verluste gegeben. „Insbesondere im Wein sowie in Pflaumen, Brombeeren, Heidelbeeren und Herbsthimbeeren besteht die Gefahr des Befalls bis zu einem Maß, dass die Früchte nicht verwertet werden können“, so die deutliche Warnung der Behörde. Je später im Jahr eine Frucht reife, umso gefährdeter sei diese.

Ein Monitoring der Kirschessigfliege, also eine Überwachung der Ausbreitung, findet den Angaben zufolge das ganze Jahr über statt. An Obst- und Weinbaustandorten würden in der Vegetationszeit zeitweilig weitere Fallen hinzugenommen und auch Fruchtproben auf einen Befall mit der Kirschessigfliege untersucht. Gegenwärtig würden an 16 Standorten über Sachsen verteilt 27 Fallen ausgewertet, hieß es. An vier Standorten im Wein hängen gegenwärtig acht Fallen.Weitere zwei Fallen im Wein werden nächste Woche erstmalig ausgewertet.

Seit Ende Juli seien die Fallenfänge besonders im Gebiet Westsachsen deutlich angestiegen. „Aber auch im Umfeld der Weinberge im Elbland sind die Fänge angestiegen, und es werden Fliegen in den Weinbergen selbst gefangen.“ Die Größenordnung der Fänge entspreche zwar der des vergangenen Jahres, aber die Einwanderung der Fliegen in die Weinberge habe erst begonnen. „In einem Weinberg mit Cabernet Dorsa sind die Fänge seit der vergangenen Woche im Umfeld und im Rebbestand selbst sprunghaft angestiegen“, heißt es in einem speziellen Warndienst zur Drosophila suzukii. Dort gibt das Amt den Winzern und Weinbauern auch konkrete Hinweise, mit welchen vorbeugenden Maßnahmen, besonders Laubarbeiten die Anlagen für die Kirschessigfliege unattraktiv gehalten werden können. Viel Luft und Licht rund um die Früchte meidet der Schädling, der schattige Ruheplätze bevorzugt.

„Erwartungsgemäß nehmen die Fänge zu, da sich die Population mit jeder weiteren Generation aufbaut“, so Trapp. Zu einem generellen Einsatz von chemischen Mitteln gegen das Schadinsekt wird derzeit allerdings noch keine Empfehlung gegeben. Ziel des Amtes sei es, die Produzenten von Obst und Wein so gut zu informieren, dass sie kurzfristig selbst über geeignete Maßnahmen in ihren Anlagen entscheiden können. Denn schon in benachbarten Rebflächen oder Obstplantagen kann der Befall völlig unterschiedlich sein.

Erstmals wurde die Kirschessigfliege 2013 in Sachsen entdeckt. Nennenswerte Schäden gab es nach Erkenntnissen des Amtes bisher nur in Sauerkirschen – und zwar in diesem Jahr. „Für den Wein wurden wiederholt Vermutungen geäußert. Uns wurde aber keine Probe zur Untersuchung vorgelegt“, so Pflanzenschutzfachmann Trapp.

Panik will das Amt vermeiden: Eier würden zwar schon an reifende Beeren abgelegt, also wenn die Umfärbung der roten Trauben beginnt oder die weißen Sorten langsam weich werden. Wenn unterstellt werde, dass sich mindestens eine, eher zwei Generationen im Wein entwickeln und ein geringer Befall zur Lese akzeptabel ist, sei die Kirschessigfliege bei rechtzeitigem, aber nicht zu frühem vorbeugendem Einsatz mit den zugelassenen Mitteln bei den bestehenden Wartezeiten ausreichend bekämpfbar, hieß es. „Vorausgesetzt, alle vorbeugenden Maßnahmen wurden durchgeführt, was zu einer indirekten Erhöhung der Wirksamkeit der Insektizidanwendungen führt.“

Winzer und Oenologe Hendrik Weber schaut derzeit regelmäßig in die beiden Fallen des Landesumweltamtes auf seinem Weinberg im Spaargebirge. Vor zwei Jahren hat ihm die Kirschessigfliege einen Teil der Ernte seines Cabernet Dorsa ruiniert, seither ist er wachsam, rodet beispielsweise immer wieder wilde Brombeeren am Rande seiner Weinberge. Seit 2015 erntet er die Trauben fast nur noch für Sektgrundweine. Das geschieht, bevor die Früchte vollreif sind. Erst dann sind sie besonders interessant für das Schadinsekt. Zudem sorgt Weber vorbeugend für eine lockere Traubenzone.

Winzer und Weinbautechniker Matthias Schuh will noch keine Prognose wagen, ob die Kirschessigfliege ihm in diesem Jahr das Leben schwer machen wird. Nach den Meldungen von Obstbauern aus westlichen Bundesländern will der Betriebsleiter besser gut vorbereitet sein, sagt er. In den vergangenen Tagen und Wochen hat Schuh deshalb die Traubenzone der roten Sorten komplett entblättert und die Rebstöcke mehrfach gekalkt. Das könne die Schadinsekten abhalten, wenn die Trauben reif werden. Im vergangenen Jahr hat er mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht, als nach einem Hagelschlag am 1. September sich auch Kirschessigfliegen über die reifenden Weinbeeren hermachten. Kalk und eine zügige Lese konnten einen Totalausfall verhindern. Der Fruchtkalk hat keinerlei Auswirkungen auf die Qualität des Weins und ist zudem kein synthetisches Spritzmittel, schädigt also keine Flora und Fauna. Das ist dem naturnah wirtschaftenden Winzer besonders wichtig. Seit wenigen Tagen hängt auch erstmals eine Monitoring-Falle des Landesumweltamtes im Klausenberg des Weinguts Schuh. Auf gut einem Drittel seiner Rebflächen kultiviert der Familienbetrieb Rotweine, die als besonders gefährdet gelten.

Wachsam sind auch die Außenbereichsmitarbeiter im Weingut Schloss Proschwitz. Selbst wenn die Gefahr dort bisher als gering eingeschätzt wird, sollen ab der nächsten Woche die Anlagen auf Eiablagen untersucht werden, so Unternehmenssprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe. Ein Monitoring werde durch das LfULG und parallel durch die Winzer selbst erfolgen, wobei das Umweltamt zwei Fallen aufgehängt hat und die Winzer vor allem mögliche Eier an Beeren überwachen wollen. Zudem halte man die Begrünung zwischen den Rebzeilen kurz, hieß es. Besonders gefährdet seien Regent und Dornfelder. Schäden habe Proschwitz in den vergangenen Jahren durch die Kirschessigfliege noch nie gehabt. Auf Insektizide gegen die Kirschessigfliege soll möglichst weiterhin verzichtet werden, so die Firmensprecherin.

Im Obstbau im Elbland hat die Kirschessigfliege bisher keine Schäden angerichtet. Kirschen und Johannisbeeren seien verschont geblieben, sagte Michael Görnitz vom gleichnamigen Obstbaubetrieb im Coswiger Ortsteil Brockwitz. Er habe auch noch keine Zunahme der Insekten in Fallen festgestellt. Man werde die Situation aber weiter beobachten, insbesondere in den Aronia-Kulturen. Da Görnitz überwiegend Bio-Anbau betreibt, seien synthetische Pflanzenschutzmittel im Falle eines Befalls aber nicht einsetzbar. Görnitz macht Handelketten für das eingewanderte Schadinsekt mitverantwortlich. Sie hätten die Kirschessigfliege mit billigem Obst eingeschleppt, würden nun aber nicht in die Pflicht genommen, an der Erforschung einer wirksamen Bekämpfung mitzuwirken. Die Weibchen der Kirschessigfliegen sägen die Schalen von Früchten förmlich auf und legen ihre Eier darin ab. Die Larven zerstören die befallenen Früchte in wenigen Tagen. Das Obst beginnt zu faulen, ist dann nicht mehr zu verkaufen oder zu verarbeiten. Weil der Befall meist kurz vor der Ernte im reifen Obst erfolgt, ist der Einsatz der wenigen im konventionellen Obst- und Weinbau gegen die Kirschessigfliege zugelassenen Insektizide recht kompliziert, da Karenzzeiten eingehalten werden müssen.

Von Lars Müller

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