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Umland Landesumweltamt kontrolliert Weinbauern und deckt Missstände auf
Region Umland Landesumweltamt kontrolliert Weinbauern und deckt Missstände auf
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08:33 14.08.2017
Die Fachleute des LfULG haben nicht deklarierte Mittel beispielsweise in Margarine-Döschen gefunden.   Quelle: LfULG

 Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) will in den kommenden Wochen 21 Winzer und Weinbaubetriebe kontrollieren. In der Hälfte der Fälle handele es sich um Nachkontrollen von bereits 2016 geprüften Weinbauern, sagte Jörg Müller von Berneck, Referatsleiter Kontrolldienst Agrarwirtschaft beim LfULG. Als Folge des Weinskandals hatte das Landesamt voriges Jahr mehr als 50 Winzer und Traubenerzeuger kontrolliert. Zuvor lag die jährliche Zahl bei weniger als zehn. In der gesamten Agrarbranche im Freistaat wurden voriges Jahr 300 Betriebe kontrolliert, womit die Dichte höher als im bundesweiten Durchschnitt liege, hieß es.

Bei den zumeist angekündigten Kontrollen wurden auch im Weinbau Unregelmäßigkeiten und Verstöße festgestellt. Ein Hauptproblem ist nach Müller von Bernecks Angaben das Umfüllen von Pflanzenschutzmitteln. Das ist verboten und das wissen Winzer auch, da sie einen Sachkundenachweis mit entsprechender Schulung zum Kauf und zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in gewerblichen Betrieben benötigen. Pflanzenschutzmittel – ohne geht in der Monokultur des Weinbaus schlichtweg nicht – müssen sicher, in abgeschlossenen, gekennzeichneten Lagern, auf stabilen Regalen oder in Wannen sowie zwingend in Originalverpackung aufbewahrt werden. Laut Pflanzenschutzgesetz ist die Originalverpackung mit Daten zur Anwendung, Dosierung und zum Verfallsdatum untrennbarer Bestandteil der Zulassung. Nicht alle sächsischen Weinbauern sind sich aber der strengen Vorschriften bewusst, wie die bisherigen Kontrollen zeigten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Vertrauen ist gut, genaueres Hinschauen kann aber nicht schaden. Das wissen sächsische Agrarbehörden nicht erst seit dem Weinskandal. Sie kontrollieren weiter. Wie in einigen Lagern Spritzmittel aufbewahrt werden, ist erschreckend. Selbst, wenn es nur Einzelfälle sind, ist das nicht zu tolerieren. Wenn ein Dresdner Weinbauer voriges Jahr nach wochenlangem Zögern einräumte, 2015 ein nicht eindeutig gekennzeichnetes Pflanzenschutzmittel ausgebracht zu haben, so ist das eben weder ein Kavaliersdelikt noch ein bedauerlicher Fehler. Bedauerlich ist allenfalls, dass ein solches Versagen den Ruf einer ganzen Branche ramponieren kann. Erstaunlich ist es umso mehr, dass die vielen korrekt und voller Leidenschaft arbeitenden Profiwinzer augenscheinlich fast widerspruchslos so schwarze Schafe in ihren Reihen dulden. Das gefährdet die Glaubwürdigkeit des Winzerhandwerks nachhaltig. Es kann nicht Aufgabe von Behörden (und letztendlich von Steuerzahlern) sein, durch lückenlose Kontrolle aller Weine und Stichpunktkontrollen in Betrieben für ein sauberes Image des Sachsenweins zu sorgen. Ob Aussitzen unangenehmer Vorfälle auf Dauer den Absatz der Weine sichert, sollte vom Branchenverband der Winzer zumindest hinterfragt werden.

Die Fachleute des LfULG haben nicht deklarierte Mittel in Cola-Flaschen und Margarine-Döschen oder Bi-58 aus DDR-Produktion gefunden. Handschriftliche Dosierungshinweise gaben einen „Schwubb“ als Mengenempfehlung an. So etwas sei bei Lebensmittelunternehmen, zu denen Winzer und Traubenerzeuger zweifelsohne gehören, nicht zu tolerieren, sagte Müller von Berneck. Im Übrigen sei es im Interesse jedes Winzers, nicht mehr nutzbare Pflanzenschutzmittel und die damit verbundenen Gefahren schnellstmöglich aus dem Betrieb zu entfernen. Erwischt wurden nicht nur unerfahrene Hobbywinzer, sondern auch gewerbliche Traubenerzeuger. Alle hätten sich aber einsichtig und kooperativ gezeigt, betont die Behörde. Deshalb wurden auch keine Strafen verhängt.

In vier Fälle im Jahr 2016 hätten die zehn Außendienstmitarbeiter des Landesamtes sogenannte beseitigungspflichtige Mittel entdeckt und deren ordnungsgemäße Entsorgung angeordnet. Hierbei handelt es sich laut Müller von Berneck überwiegend um Mittel, die schon lange nicht mehr zugelassen sind und deren Wirkstoffe heute zumindest teilweise als gefährlich eingestuft werden. Bei vielen Mitteln, deren Zulassung lediglich abgelaufen ist, hätten die Kontrolleure aber keine rechtliche Handhabe – solange die Mittel nicht mehr eingesetzt werden. Selbst dann, wenn Mittel, die gar nicht im Weinbau angewendet werden dürfen, im Lager stehen, können die Behörden zunächst wenig machen, solange keine Verwendung nachweisbar ist. Auch nach illegalen Umfüllen bleibt den Kontrolleuren kaum mehr, als die Entsorgung anzumahnen und das nachzukontrollieren.

Das Landesumweltamt rät generell zur Lagerung der Spritzmittel am Weingut, wo auch ein Wasseranschluss vorhanden ist. Zudem muss ein Feuerlöscher griffbereit stehen. Generell dürfen aber Pflanzenschutzmittel auch in historischen Weinbergshäuschen gelagert werden. Allerdings müssen diese so gesichert sein, dass sich Unbefugte keinen Zutritt verschaffen können. Alle solche Lager müssen ferner mit einem Aufkleber gekennzeichnet werden, der Unbefugten den Zutritt verwehrt. Auch abschließbare Schränke mit entsprechender Kennzeichnung können beispielsweise für Kleinwinzer geeignete Lager sein. Eine Übersicht, wo genau in Sachsens Weingütern und Weinbergen Pflanzenschutzmittel lagern, haben die Behörden jedoch nicht.

Die Kleinteiligkeit des sächsischen Weinbaus mit gut 2.000 Weinbauern, die oftmals winzige Flächen bewirtschaften, kann vor allem für die Hobbywinzer zum Problem werden: Viele Pflanzenschutzmittel für die gewerbliche Anwendung werden nur in größeren Abpackungen angeboten, die sie kaum selbst aufbrauchen können. Vergleichbare Mittel für Haus- und Kleingärtner dürfen rein rechtlich nicht in kommerziell genutzten Anlagen gespritzt werden oder sind gar nicht im Angebot. Deshalb toleriert das Landesamt, dass beispielsweise in Weinbaugemeinschaften geschulte Verantwortliche die angesetzten Spritzbrühen nur direkt zum Anwendungstermin an Sachkundige ausgeben. Eine Alternative ist die Beauftragung professioneller Dienstleister für Pflanzenschutzmaßnahmen.

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit dürfen Pflanzenschutzmittel beispielsweise auch nicht von Genossenschaften für deren Mitglieder in kleinere Packungen umgefüllt werden. Dazu wäre eine komplette Neuzulassung nötig – inklusive Verpackung und neuer Etiketten. Mit den strengen Regeln sollen gleich mehrere Ziele erreicht werden: Verbraucherschutz, Arbeitsschutz, Umwelt- und Grundwasser- beziehungsweise Gewässerschutz. Denn nur in Originalverpackungen sind Verwechslungen und Fehlanwendungen vermeidbar. Neben den Lagern werden auch die Geräte und die Dokumentationen zum Pflanzenschutz kontrolliert. In einem Verdachtsfall wurde sogar eine Spritze zur Probennahme demontiert.

Den Herstellern der Mittel – namhaften Chemiekonzernen – war die Struktur des sächsischen Weinbaus und die damit verbundenen Probleme mit den Packungsgrößen vorm Weinskandal gar nicht bekannt. Vergangenes Jahr waren Branchenvertreter extra nach Sachsen gekommen. Eine schnelle Lösung konnten aber auch sie nicht in Aussicht stellen.

Von Lars Müller

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