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Kultursommer lockt nach Kleinwelka

Ein Dorf voller Geschichte Kultursommer lockt nach Kleinwelka

Wer in den Sommerferien nach Kleinwelka fährt, will häufig in den Dinosaurierpark. Doch der Ortsteil von Bautzen entwickelt sich immer mehr auch zu einem kulturellen Geheimtipp. Denn ein kleiner Verein veranstaltet dort im Sommer jedes Wochenende Konzerte und Tanznachmittage.

Wird wieder zum Leben erweckt: das sanierungsbedürftige Gebäudeensemble mitten im Dorfkern von Kleinwelka.

Quelle: Adina Rieckmann

Kleinwelka. Wer in den Sommerferien nach Kleinwelka fährt, will häufig in den Dinosaurierpark. Doch der Ortsteil von Bautzen entwickelt sich immer mehr auch zu einem kulturellen Geheimtipp. Denn ein kleiner Verein veranstaltet dort im Sommer jedes Wochenende Konzerte und Tanznachmittage. Kultursommer nennt sich diese Reihe. Sie bietet jedoch nicht nur Unterhaltung. Sie erfüllt auch noch einen guten Zweck erfüllt. Denn der Kultursommer soll dabei helfen, ein einzigartiges Dorfensemble zu retten – die Schwesternhäuser in Kleinwelka.

Mit einem riesigen Schlüsselbund geht Mike Salomon durch große, leere Räume voller Geschichte. Er will ihnen wieder Leben einhauchen und ist schon kräftig dabei. Er sieht keinen Leerstand, sondern Platz für Möglichkeiten. „Jeder, der mich näher kennt, weiß, dass ich ein Faible für charismatische Orte habe“, sagt er und auch, dass ihn dieser Ort von Anfang an fasziniert habe. Ein leerstehendes, barockes Gebäudeensemble mitten im Dorfkern, eine spannende Historie dazu - wo, fragt er, wenn nicht an solch einem Ort könne man träumen, sich eine Zukunft erspinnen. Mike Salomon meint: „Dieser Fleckchen Erde lädt doch gerade dazu ein, Visionen zu entwicherkeln. Die Geschichte der Herrnhuter in Kleinwelka kann doch nicht mit Ruinen enden. Wenn diese Häuser nicht mehr da sind, erinnert sich auch niemand mehr an die einstigen Besitzer!“

Die Herrnhuter Brüdergemeine jedenfalls hatte ganz offensichtlich Sinn für Idylle, als sie 1751 beschloss, sich an diesem Fleckchen Erde in der Oberlausitz niederzulassen. Hier gründete sie eine Kolonie – für ihre Schwestern. Sechs Häuser baute die Glaubensgemeinschaft in Kleinwelka für die Frauen – das Schwesternhaus, Chorhaus, Gartenhaus, Waschhaus, die einstige Zuckerbäckerei und heutige Apotheke und die Villa Anna. Die Anbauten seien nötig gewesen, weiß Mike Salomon: „Die Schwesternhäuser füllten sich sehr schnell mit Leben. Hier haben jüngere Frauen und – so nannte man das damals – ältere Mädchen gelebt. 1770 wurden das erste Gebäude gebaut und 1796 haben schon 104 Damen hier ein Zuhause gefunden.“

Fast drei Jahrhunderte lebten, arbeiteten und beteten die Schwestern hier. Davon zeugt auch dieser einstige, riesige Schlafsaal mit dem gewaltigen Holzdach. 1930 aber zog die letzte Herrnhuterin hier aus. Bis zum Jahr 2000 wurden die Gebäude mehr oder weniger noch genutzt, auch als Wohnungen. Heute aber sind sie sanierungsbedürftig, stehen vor dem Verfall. Genau das ist auch der Grund, warum der Verein Remise hier den Kultursommer stemmt – schon das zweite Jahr: Jazz, Folklore, Klassik, Weltmusik, Tanz und Pantomime – mitten im Dorf. Die Liste der Künstler beeindruckt allein schon mit Namen: Duo Kratschowsky, Pascal von Wroblewsky, Elena Yarovaya, Stahlquartett, Richard Siedhoff, Masaa, Sinti Swing Berlin und viele gute Künstler mehr. Das wissen nicht nur die Gäste von außerhalb zu schätzen, auch die Einheimischen wie Katrin Böhme. Sie sei glücklich, dass es den Kultursommer in Kleinwelka gebe, erzählt sie und weiter: „Das kann man sich eigentlich nicht erträumen, das ist wunderbar. Solch tolle Künstler hier in unserem kleinen Dorf! Ich denke, das ist auch ein sehr guter Weg, dieses sehr einmalige Gebäudeensemble wieder zu beleben, ohne dass man es zerstört.“

Die Konzerte jedenfalls seien nicht nur Lust, sondern wirklich auch Mittel zum Zweck, meint Mike Salomon, Spiritus rector des Kultursommers. Später einmal – so träumt er – gibt es hier Ferienwohnungen, Ateliers, Dorfläden und Seminaräume. Es ist die Vision, die ihn antreibt – trotz der zu erwartenden Kosten in Millionenhöhe. Er hofft auf Geldgeber, die nicht auf schnelle Rendite aus sind, sondern ein Herz haben – für dieses besondere Kulturdenkmal „Machen wir uns doch nichts vor. Die Herrnhuter Brüdergemeine hat jahrelang nach einen tragfähigen Konzept und nach Investoren dafür gesucht. Leider erfolglos. Ich suche jetzt kulturaffine Investoren. Menschen, die sich von dieser Idylle verzaubern lassen, das kulturhistorische Erbe sehen und erhalten wollen. Ich glaube nicht, dass sie aus diesem Kulturraum kommen werden, nicht aus Kleinwelka, nicht aus Bautzen oder Dresden.“ Mit dem Kultursommer aber will er auf dieses einzigartige Kulturdenkmal in der Oberlausitz überregional aufmerksam machen und so auch Kaufinteressenten anziehen. Mike Salomon setzt auf Liebhaber aus Süddeutschland, Schweiz, vielleicht aus Norddeutschland. Er meint: „So oder so muss jeder, der das hier anpackt, einen Zugang haben. Man kann hier keine Dividende rauszerren. Das funktioniert nicht.“

Bis zum 10. September treten Musiker jedes Wochenende in Kleinwelka auf. Sie spielen kostenlos zur Freude aller – und zur Rettung dieser denkmalgeschützten Idylle. Finanziell unterstützt wird der Verein Remise von verschiedenen Stiftungen und Sponsoren, so von der Kulturstiftung des Bundes und der Evangelischen Brüder-Unität. Auch dank dieser Hilfe ist der Kultursommer Kleinwelka zumindest in der Region kein Geheimtipp mehr.

Nähere Informationen zum Programm unter www.schwesternhauser.de

Von Adina Rieckmann

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