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Kreis muss immer häufiger bei Erziehung helfen - 550 Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung

Kreis muss immer häufiger bei Erziehung helfen - 550 Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung

Das Jugendamt muss immer häufiger zum Schutz und Wohl von Kindern eingreifen. Aktuell leistet es in 757 Fällen Erziehungshilfe.

Pirna. Von Silvio Kuhnert

Pirna . Das Jugendamt muss immer häufiger zum Schutz und Wohl von Kindern eingreifen. Aktuell leistet es in 757 Fällen Erziehungshilfe. "Die Fallzahlen steigen entgegen dem demografischen Trend", berichtet Vize-Landrat Peter Darmstadt (CDU). Als Beigeordneter ist er für Soziales und Gesundheit im Landkreis zuständig. "Im Vergleich von 2010 zu 2011 gab es einen Anstieg um 9,7 Prozent, seit der Kreisreform 2008 um 30 Prozent", so Darmstadt weiter.

Diese Zunahme geht einher mit der wachsenden Zahl von Meldungen zur Kindeswohlgefährdung. In diesem Jahr gingen im Jugendamt bereits 550 Anzeigen ein. 2011 klopfte es nach 624 Hinweisen, dass Eltern ihren Erziehungsaufgaben nicht nachkommen oder damit überfordert sind, an Wohnungstüren. Dies waren 12,8 Prozent mehr im Vergleich zu 2010. "Wir gehen jeder einzelnen Meldung nach", betont Darmstadt. Die Meldungen kommen von Angehörigen, Nachbarn, aus Kitas und Schulen sowie von Tagesmüttern und der Polizei. "Die Sensibilität für das Kindeswohl ist gestiegen", konstatiert Darmstadt.

Das Personal im Allgemeinen Sozialen Dienst wurde seit Anfang des Jahres um drei Stellen aufgestockt. Wenn die 20 Mitarbeiter gerufen werden, weil ein Kind schreit, liegt nicht immer eine Gefährdung vor. "Wir handeln in jedem Fall, wenn zu vermuten oder erwarten ist, dass die Gesundheit oder die emotionale und psychische Entwicklung durch die familiäre Realität gefährdet ist", umschreibt Darmstadt in allgemeinen Worten. Was sich in der Realität mitunter biete, entbehre der Vorstellungskraft. Da würden Kinder geschlagen. In anderen Fällen lebten sie quasi auf einer Müllhalde. Zwischen den Abfällen würden Katzen und Hunde herumspringen und ihren Kot liegenlassen. Neben hygienischer Verwahrlosung gebe es emotionale und soziale Vernachlässigung, so Darmstadt.

Die Gründe sind vielfältig. Einer ist der Verlust von Erziehungskompetenzen. "Die Eltern sind mit der Aufga- be überfordert", so Darmstadt. Ein anderer ist die soziale Lage. "Es ist eine Tatsache, dass junge Menschen aus problematischen und prekären Verhältnissen früher Kinder bekommen als Menschen mit Schulabschluss, die sich in einer Ausbildung befinden oder einen Beruf ausüben", stellt Darmstadt fest. Die Hälfte der Fälle zur Erziehungshilfe leistet das Jugendamt in den Städten Heidenau, Pirna und Freital vorwiegend in den Plattenbausiedlungen.

Das Amt sucht immer nach einer individuellen Lösung der Probleme. Je nachdem, wie sich die Situation und das Familienumfeld darstellt, reicht manchmal eine Ermahnung aus. Mitunter wird ein Beistand zur Seite gestellt oder sozialpädagogische Bildungshilfe geleistet. Je nach Schwere des Falls kommt ein Pädagoge regelmäßig ins Haus, oder das Kind besucht eine Fünf-Tages-Gruppe. Dort wird es nach Kita- oder Schulbesuch betreut und geht nur abends und am Wochenende nach Hause. "Unser Ziel ist es, den Kontakt zwischen Eltern und Kind zu erhalten", sagt Darmstadt. Vorrang habe immer eine dauerhafte Lösung zum Wohl des Kindes.

Rund ein Drittel der Fälle kann das Jugendamt im Jahr abschließen. Allerdings nehmen sie auch Zeit in Anspruch - im Schnitt 24 Monate. Das letzte Mittel ist die Unterbringung im Kinderheim oder bei Pflegeeltern. "Zurzeit leben 196 Kinder im Heim und 180 in der Vollzeitpflege", informiert Darmstadt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2012

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