Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Kontrastreicher Dialog: Jubiläumsausstellung zum 20. Jahrestag der Wiedergründung des Meißner Kunstvereins e.V.

Kontrastreicher Dialog: Jubiläumsausstellung zum 20. Jahrestag der Wiedergründung des Meißner Kunstvereins e.V.

Das gleich zu Beginn: Selten habe ich eine solch gute Präsentation von Gegenwartskunst aus der Region auf engstem Raum gesehen. Die in dreifacher Hängung übereinander platzierten Kunstwerke im Hauptraum und im Kabinett profitieren eher voneinander als dass sie sich störten.

Dreifach übereinander, viele nebeneinander: Die Werke von Mitgliedern des Meißner Kunstvereins, die derzeit anlässlich von dessen 20. Gründungsjubiläum im Bennohaus zu sehen sind, profitieren durch diese Hängung voneinander.

Quelle: Meißner Kunstverein

Damit stellt sich der Meißner Kunstverein e. V. ein gutes Zeugnis für die in den vergangenen Jahren geleistete Kunst- und Ausstellungsarbeit aus. Zum Jubiläum sind ein Großteil der Künstler vertreten, die in diesem Zeitraum ausgestellt haben - bekannte, aber auch weniger bekannte Künstler, die in der zusammenhängenden Präsentation durchaus ihren Platz behaupten. Das Verdienst für die Idee und die Gesamtkonzeption der Ausstellung kommt den Künstlern Daniel Bahrmann (Vorsitzender des Vereins) und Else Gold (Stellvertreterin) zu. In mehrtägiger Arbeit schuf Else Gold eine Collage aus verschiedenen Handschriften mit kontrastreichem Dialog.

Zur Geschichte des Meißner Kunstvereins referierte am Tag der Eröffnung in seiner Laudatio Prof. Rainer Beck. Förderung und Pflege von Kunst durch Kunstvereine sind unbedingter Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. In einer sorgfältigen Recherche spannte der Wissenschaftler den Bogen von den Anfängen und Planungen bis zur Gründung eines Kunstvereins in Meißen (1917/18). Im Jahr 1920 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder auf 1000. In den Tageblättern war der Kunstverein fast täglich präsent. Danach schrumpfte in den Inflationsjahren die Mitgliederzahl rapide; 1931 verzeichnete der Verein noch 200 Mitglieder. Die Ausstellungsstätte des Vereins befand sich damals im Meißner Stadtmuseum, wo Ausstellungen von bedeutenden Künstlern ausgerichtet wurden (1922 Joseph Hegenbarth und Ludwig Richter, 1924 Wilhelm Rudolph, Ferdinand Dorsch und Max Feldbauer, 1928 Heinrich Zille).

Im Jahr 1939 wurde der Verein über den nationalsozialistischen Kulturbund gleichgeschaltet, 1948 löschte man ihn aus dem Vereinsregister, ohne ihn in irgendeiner Weise weiterzuführen. Die Neugründung erfolgte 1992 durch das Engagement von 18 Personen, die sich als "Fortsetzer der Tradition des Kunstvereins Meißen Stadt und Land" verstanden, darunter Philipp von Appen, Manfred Beyer, Christoph Egert, Renate Koch, Ludwig Zeppner und andere. Bis 2006 wechselten die Vorsitzenden, bis schließlich der Bildhauer Daniel Bahrmann den Vorstand übernahm, der zusammen mit Else Gold heute noch amtiert. Ab 1998 hatte der Verein ein eigenes Domizil bei der AOK, anschließend in Räumen der Stadtverwaltung am Markt 3 (heute Kaffeehaus) und jetzt im Bennohaus, Markt 9.

Seit 1992 hat der Verein im Jahr durchschnittlich neun Veranstaltungen ausgerichtet, das sind im vergangenen Zeitraum 180 im Kulturraum. Die aus Anlass des Jubiläums ausgerichtete Ausstellung von 33 Künstlerinnen und 42 Künstlern aus Meißen und der Region einschließlich Dresden, Berlin, Halle, Bautzen und Gera gibt einen Überblick über die Vielfalt der Handschriften in den unterschiedlichsten Techniken und Medien zeitgenössischer Kunstausübung. Dabei stellen ebenso Kunsthochschulabsolventen wie Autodidakten aus. Natürlich kann in diesem Rahmen nur ein Überblick gegeben werden, der stichprobenartig einige Künstler vorstellt, ohne eine qualitative Wertung vorzunehmen.

Unter den jungen Künstlerinnen macht Fee Vogler im Bennosaal (große Wand) mit ihren Männerakten "Boy" auf sich aufmerksam. In der Spannung zu Helmut Symmangks weiblichem Akt (Acryl) wird hier eine interessante Zusammenschau von männlicher und weiblicher Sichtweise deutlich. Mit der Kaltnadel "Feldweg" beschreitet Rita Geißler den Weg feiner Linienführung und sorgsam ponderierter Flächen in der Stille poetischer Landschaftsbetrachtung. Kerstin Franke-Gneuß' "strahlen" zelebriert ein fragiles Liniengeflecht mit verborgenen Botschaften aus wechselnden Licht. Ins Kosmische gesteigert wirkt Wolfgang E. Herbst Silesius' Holzschnitt "Extempore" mit dem Hell-Dunkel eines sich öffnenden Himmels. Eingebettet in zahlreiche Arbeiten funkelt sonor Daniel Bahrmanns "Roter Herbst", eine verfremdete Fotografie von rotem Weinlaub in herbstlicher Dunkelheit.

Höhepunkt der Präsentation bildet eine Applikation/Stickerei von Brigitte Bretschneider ("Das Auge meines Vaters"), die auf konstruktive Weise berührend schöne Kunst mit ihrer Nadelmalerei schafft. Fritz Peter Schulzes "Kubus" in Blau und Matthias Jakischs "Wolfgang" (Porträtbüste in Terrakotta) sind ein Teil der Plastiken, die die Ausstellung bereichern. Einen Kontrapunkt zur Ausstellung stellt die Fotografie des in Shanghai lebenden Berliners Matthias Hagemann ("Skyline Shanghai 2012", Camera Obscura) dar, dessen Arbeit Meißen mit der Welt verbindet. Beim Betrachten ergeben sich im Wechsel von Nähe und Ferne kontrastvolle Einsichten von Licht und Farbe. Heinz Weißflog

Bis 23. Dezember. Kunstverein Meißen e. V., Bennohaus, Markt 9. 01662 Meißen. Kontakt über Tel. 03521/47 66 50, www.kunstverein-meissen.de, geöffnet Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.12.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

13.12.2017 - 13:14 Uhr

Zusammen mit der Dynamo-Giraffenbande waren die Spieler beim Süßwarenhersteller Nudossi zu Besuch und durften Plätzchen backen.

mehr