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Umland Knatsch um neue Motocross-Rennstrecke in Bannewitz
Region Umland Knatsch um neue Motocross-Rennstrecke in Bannewitz
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11:10 22.09.2018
In Bannewitz wird am Wochenende erstmals auf einer neuen Motocross-Piste um die Wette gefahren. Quelle: MCC Bannewitz e.V.
Bannewitz

Wer in diesen Tagen durch das Wohngebiet Nöthnitz spaziert, dem fallen die orangefarbenen Aufkleber an mehreren Haustüren ins Auge. „Hier nein“ steht in Großbuchstaben auf den Stickern, in der oberen linken Ecke ist eine Zielflagge angedeutet. Die Botschaft, die am Hauseingang vermittelt wird, ist unmissverständlich: Viele Menschen aus Nöthnitz und der näheren Umgebung wollen keinen lärmenden Motorsport in ihrer Nachbarschaft. Nur ist gerade eine neue Rennstrecke für den hiesigen Motocrossverein MCC Bannewitz gebaut worden, gut 100 Meter von der Siedlung entfernt. Und an diesem Wochenende steht das erste Rennen an.

Die meterhohen Erdrampen an der B 170 spalten die Bannewitzer im Vorfeld des Rennauftakts in zwei Lager: diejenigen, die sich freuen, dass die neue Sportanlage nun mit Motocross-Wettbewerben aufwartet – und so im dörflichen Nöthnitz für Abwechslung sorgt. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, die den Motorsport eher skeptisch sehen.

Einige Nöthnitzer sind vor Jahren guten Gewissens vor der städtischen Hektik aufs Land geflohen. So wie Dirk Ritter. Gemeinsam mit Gleichgesinnten hat er die Bürgerinitiative „Motocross am Wohngebiet – hier nein“ gegründet, um sich gemeinsam gegen die drohende Belästigung durch Lärm, Schmutz und Gestank zu wehren.

Rund 30 000 Quadratmeter umfasst das Streckenareal, auf dem künftig Cross-Maschinen und Quads um die Wette fahren sollen. „Wir haben eigentlich nur zufällig von den Bauplänen für die Strecke erfahren“, sagt Dirk Ritter. Die Planungen seien still und heimlich gelaufen, an den betroffen Bürgern vorbei, kritisiert der Anwohner.

Sie machen sich in einer Bürgerinitiative gegen Motocross-Lärm in Bannewitz stark: Dirk Ritter, Thomas Mächold und Michael Reichel (v.l.n.r.) Quelle: Junes Semmoudi

Motocross hat in Bannewitz eine lange Tradition. Die Rennen fanden bislang aber nur einmal im Jahr statt, in abgelegenen Arealen wie dem Gewerbegebiet Welschhufe. So ruhig wird es künftig nicht mehr sein, befürchten die Initiativmitglieder. Schließlich sieht das Nutzungskonzept des MCC Bannewitz vor, dass an mehreren Wochenenden im Monat Trainingseinheiten auf dem Gelände stattfinden. Auch eine regelmäßige Nutzung der Anlage an Werktagen steht laut Aussagen des Vereins im Raum.

„Wir haben an sich nichts gegen die Motocross in Bannewitz. Nur kritisieren wir den dauerhaften Betrieb der neuen Strecke“, betont Anwohner Thomas Mächold. Er zückt sein Smartphone und zeigt ein Handyvideo. Zu sehen ist sein Garten. Zu hören ein Geräusch, das dem einer Kreissäge ähnelt. Das Video wurde während einer Probefahrt der hiesigen Motocrosser vor zwei Wochen aufgenommen. Sogar im benachbarten Rosentitz seien die knatternden Cross-Maschinen noch zu hören gewesen, so Mächold.

Einen Lärmpegel von 74 Dezibel wollen die Mitglieder der Aktionsgruppe gemessen haben – so laut ist in etwa ein Rasenmäher. „Dauerhaft sind solche Werte nicht auszuhalten. Daran wird man sich auch nicht gewöhnen können. Und gerade für Familien mit Kindern könnte der Motorsport zur Belastungsprobe werden“, meint Dirk Ritter. Er fürchtet sogar den Wertverlust seiner Wohnimmobilie: „Von den 16 Motocross-Pisten im Freistaat ist keine so nah an einem Wohngebiet gebaut worden wie hier bei uns. Eine Motorsport-Strecke in der unmittelbaren Nachbarschaft macht auf einen potenziellen Käufer natürlich keinen guten Eindruck.“

Des einen Freud, des anderen Leid: Die rund 50 Mitglieder des MCC Bannewitz sind begeistert von ihrer neuen Anlage und fiebern dem Groß-Event entgegen. „Endlich haben wir eine richtige Rennstrecke, die wir auch in Zukunft nutzen können“, freut sich Vereinspräsident Frank Zschirnstein. Für die Rennstrecke gibt es zwar weder ein Lärmgutachten noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung, für das Rennen am Wochenende liegt dem Verein aber eine Ausnahmegenehmigung vor. Die ausstehenden Untersuchungen sollen im Rahmen des Wettbewerbs von den entsprechenden Behörden durchgeführt werden, kündigt Zschirnstein an.

„Was uns jetzt noch fehlt, ist ein Kompromiss mit der Bürgerinitiative“, so der Vereinschef weiter. „Die Bedenken der Anwohner sind durchaus nachvollziehbar. Nun ist es an beiden Parteien, eine Lösung zu finden und die Belastung durch den Streckenbetrieb zu minimieren.“ Auch wenn sich beide Streitparteien bislang noch nicht gemeinsam an einen Tisch gesetzt haben, scheint eine Lösung gar nicht so weit entfernt: Dirk Ritter wäre zufrieden, wenn die heulenden Viertaktmotoren leiseren Elektroantrieben weichen würden. Das könnte sich auch Frank Zschirnstein vorstellen. „Wir sind bereits mit Anbietern im Gespräch, die E-Motorräder im Sortiment haben“, sagt der Vereinschef und zeigt sich kompromissbereit.

So könnte der lärmende Spuk für die Bewohner des Nöthnitzer Ortskerns schon bald ein Ende haben – und die orangefarbenen Aufkleber mit der klaren Forderung der Bürgerinitiative würden zeitnah wieder aus dem Ortsbild verschwinden.

Von Junes Semmoudi

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