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Umland Knatsch um Bahnhof Radebeul-West
Region Umland Knatsch um Bahnhof Radebeul-West
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18:00 02.11.2018
Der Bahnhof in Radebeul-West steht seit Jahren leer und verfällt zusehends. Quelle: Silvio Kuhnert
Radebeul

Es ist einer der größten Schandflecke in Radebeul-West – das Bahnhofsgebäude. Zum Herbst- und Weinfest mussten alle Besucher, die mit der S-Bahn anreisten, an dem maroden Objekt vorbeilaufen. Seit dem Erwerb durch einen privaten Investor vor rund vier Jahren ist an dem Backsteinbau sichtbar nichts passiert. Für den jetzigen Zustand und den damals gescheiterten Kaufversuch durch die Stadt macht die Radebeuler SPD Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) verantwortlich.

Gey 2014: „Ich glaube nicht, dass wir einen zweiten Kulturbahnhof brauchen.“

SPD-Stadtratsfraktionschef Thomas Gey fragte jüngst beim OB an, aus welchen Gründen der am 20. März 2013 mit sehr großer Mehrheit beschlossene Kauf des Bahnhofs nicht erfolgt sei. „Immerhin hatte der Stadtrat Sie mit dem Erwerb des Gebäudes beauftragt. Die Nichterfüllung dieses Stadtratsbeschlusses könnte als Pflichtverletzung Ihrerseits gewertet werden, falls keine zwingenden Gründe dem Erwerb entgegenstanden“, so Gey weiter. In einem Facebook-Post werden Radebeuls Sozialdemokraten deutlicher, von einem „persönlichen Versagen“ des OBs schreiben sie dort. „Den Kauf des Bahnhofs hat er einzig und allein persönlich vergeigt“, heißt es weiter.

OB Bert Wendsche. Quelle: Martin Förster

Den in den Raum gestellten Verdacht der Pflichtverletzung weist das Stadtoberhaupt zurück und bezeichnete diese Art des Umgangs als völlig daneben. Er spielt den Ball zurück. In seiner Antwort auf die Anfrage Geys zum Thema Bahnhof Radebeul-West verweist Wendsche darauf, dass Gey selbst in der Öffentlichkeit wiederholt kundgetan habe, „dass Sie dem Bahnhofskauf skeptisch gegenüber stehen“. Als Beleg zitiert der OB unter anderem aus einem am 20. September 2014 erschienen DNN-Interview mit Gey, worin dieser von einem „Orchideenprojekt“ sprach. Und weiter sagte Gey: „Ich glaube nicht, dass wir einen zweiten Kulturbahnhof brauchen.“ In einem Leserbrief an die SZ schrieb der SPD-Fraktionschef Gey im selben Jahr, dass „kein finanzieller Spielraum für derartige Prestigeobjekte vorhanden“ sei. „Diese kommunalpolitischen Meinungsäußerungen habe ich nicht zu kommentieren, sie stützen jedoch jenes Bild, welches Sie selbst als angebliche ’Legendenbildung’ beklagen“, so Wendsche.

Gey wehrt sich gegen die Legende, dass der Erwerb des Bahnhofs an „Querschüssen aus dem Stadtrat“ gescheitert sei, wie CDU-Stadtratsfraktionschef Ulrich Reusch an anderer Stelle einmal meinte, sowie dass das Projekt „zerredet“ wurde.

Was war damals passiert? Die Lößnitzstadt hegte im Jahr 2013 die Absicht, gemeinsam mit einem privaten Investor den Bahnhof Radebeul-West zu erwerben. Im östlichen Kopfbau sowie in Teilen des Verbindungsbaus wollte die Stadt die Stadtbibliothek Radebeul-West sowie weitere kulturelle Nutzungen unterbringen. Den anfänglichen Gesamtkaufpreis konnte im Laufe der Verhandlungen auf rund 170000 Euro reduziert werden. Am 16. April 2014 fasste der Stadtrat einen konkreten Kaufbeschluss.

Noch im Dezember war der Bahnhof verkauft

Zur Umsetzung des Beschlusses kam es jedoch nicht mehr, da sich der private Partner kurz nach der Stadtratsentscheidung laut Wendsche „wegen Finanzierungsproblemen angesichts der nur schwer abschätzbaren städtischen Entscheidungsprozesse zu Bau und Fertigstellung ihres Gebäudeteils von dem gemeinsamen Projekt zurückzog“. Der angedachte Notartermin war damit obsolet geworden. Einer Fristverlängerung für einen alleinigen Erwerb durch die Stadt über den 31. Mai 2014 hinaus wurde seitens des Verkäufers nicht zugestimmt. „Die gefassten Stadtratsbeschlüsse waren somit trotz der intensiven Bemühungen der hauptamtlichen Verwaltung nicht mehr umsetzbar“, so Wendsche. Eine angebliche „Pflichtverletzung“ durch ihn könne nicht einmal ansatzweise erkannt werden.

Wegen des damals geplatzten Notartermins hakte Gey in einer weiteren Anfrage nach. „Gab es zwischen der Stadt und dem privaten Partner Absprachen über den Beginn der Sanierung des gesamten Gebäudes?“, wollte er von Wendsche wissen.

Diese Frage musste das Stadtoberhaupt verneinen. „Aufgrund der intensiven Diskussion im Stadtrat zum Ankauf und zur Nutzung sowie der zu dieser Zeit noch unklaren Aufnahme in das Städtebauförderprogramm“ – das Sanierungsgebiet „Stadtzentrum Radebeul-West“ gibt es erst seit 2016 (Anmerkung der Redaktion) – „sah der private Partner einen Sanierungsbeginn des städtischen Bahnhofteils nicht vor 2020“, informierte Wendsche. Der private Investor habe sich jedoch eine zügige Umsetzung seines Gebäudeteils vorgestellt, so dass er seine Vermietungschancen neben einem unsanierten Teil hinsichtlich der erhofften Mieteinnahmen bzw. der erzielbaren Miethöhen gefährdet sah. Da sein Finanzierungsmodell für sein Gebäudeteil durch Immobiliendienstleister und finanzierender Bank, die verminderte Mieteinnahmen prognostizierten, in Frage gestellt war, trat er laut Wendsche vom gemeinsamen Kauf zurück.

Auf diese schriftliche Antwort hin stellte Gey auf der jüngsten Stadtratssitzung fest: „Nicht das Zerreden und Querschüsse aus dem Stadtrat haben zum Scheitern des Erwerbs des Bahnhofsgebäudes geführt, sondern der Rückzug des Investors.“

Der weitere Werdegang zum Bahnhof Radebeul-West im Jahr 2014 ist bekannt. Nach dem geplatzten Notartermin schrieb der damalige Verkäufer das Objekt öffentlich aus und erhielt ein halbes Dutzend Interessensbekundungen. Noch im Dezember desselben Jahres kam es zur Unterzeichnung eines Kaufvertrages mit dem jetzigen Eigentümer.

Von Silvio Kuhnert

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