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Umland Kirschessigfliege im Anflug auf Weinberge
Region Umland Kirschessigfliege im Anflug auf Weinberge
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08:16 12.09.2017
  Eine Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) auf einer Traube der Sorte Portugieser. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa
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Radebeul/Meißen

 Das wechselhafte Wetter mit Schauern mahnt die Winzer im Elbland zu Wachsamkeit. Seit Ende August tritt die gefürchtete Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) wieder verstärkt in Erscheinung. Das belegen Fallenfänge des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in den Weinbergen und angrenzten Flächen. Das aus Asien eingeschleppte Schadinsekt treibt seit wenigen Jahren auch in Sachsens Obstanlagen sein Unwesen und kann kurz vor der Reife komplette Ernten vernichten.

Durch Wespen-, Mäuse- und Vogelfraß sowie aufgequollene Trauben nach Regen sind Beeren vorgeschädigt, was zudem noch die einheimische Frucht- oder Taufliege (Drosophila melanogaster) anzieht, die ihre Eier dort legt. Die Kirschessigfliege kann mit ihrem Legeapparat hingegen auch die Schale intakter Früchte aufsägen und ihre Eier darin ablegen. Noch bewertet das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie die Fallenfänge als gering. Den Fachleuten fällt aber auf, dass Fruchtproben ebenfalls schon Larven der Drosophila suzukii aufweisen. Laut Warndienst Weinbau wurden bis zu sechs Larven je 50 Beeren in Proben von Regent, Pinotin, Dornfelder und Dunkelfelder nachgewiesen. Vier Prozent Befall sei der Richtwert für eine Insektizidanwendung. Zuerst befällt die Kirschessigfliege wieder rote Rebsorten, wie in den vergangenen Jahren auch. Vier Insektizide sind gegen den Schädling zugelassen, wobei die Wartezeit von deren Anwendung bis zur Ernte sieben bis 14 Tage beträgt. Deshalb müssen die Winzer nun kurzfristig entscheiden, ob sie spritzen. Um Erfahrungen aus der Praxis zu erhalten und zu bündeln, hat das Landesamt im August mit besonders kompetenten Winzern einen Arbeitskreis zur Kirschessigfliege und deren Bekämpfung ins Leben gerufen. Davon sollen alle Weinbauern – auch die weniger geschickt agierenden – in der Region künftig profitieren.

Bisher äußern sich die Winzer zurückhaltend zu Pflanzenschutzmaßnahmen. Dem Vernehmen nach sollen erste Elblandwinzer in diesen Tagen ihre Rotweinlagen vorsorglich bereits behandelt haben. Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth verweist zunächst auf ständige Überwachung seiner Weinberge. In der Fangstation zur Befallsanalyse im Dornfelder in der ehemaligen Rebenversuchsanstalt in Radebeul seien noch keine Kirschessigfliegen nachgewiesen worden, so Weinbauleiter Till Neumeister. „Wir gehen zurzeit von keinem wirtschaftlichen Schaden durch die Kirschessigfliege aus und erwarten außerdem aktuell keine Auswirkungen dieses Schädlings auf die Lesemenge und die Qualität unserer Trauben.“ Nichtsdestotrotz bleibe man wachsam und passe die Lesepläne im Bedarfsfall kurzfristig.

Hendrik Weber von der Sektmanufaktur Perlgut in Meißen hat seinen besonders gefährdeten Cabernet Dorsa am Wochenende geerntet. „Für Sektgrundweine benötige ich sowieso geringere Oechsle-Grade und etwas mehr Säure und kann deshalb lesen, bevor die Kirschessigfliege Schaden anrichten kann“, erklärte der Winzer und Oenologe. Aus den Trauben wird nach der zweiten Gärung Rosé-Sekt. Müsste er die Trauben für den Ausbau von Rotwein hängen lassen, könnte es Probleme mit der Kirschessigfliege geben, schätzt er ein.

Auch ganz herkömmliche Schädlinge halten die Winzer mit zunehmender Reife der Trauben auf Trab, so die durch einen Schlauchpilz ausgelöste Botrytis. Ab einem Mostgewicht von 50 Grad Oechsle steige die Infektionsgefahr, heißt es vom Landesamt. Es droht Essigfäule. Dann müssen die Lesehelfer die Trauben aufwendig auspuhlen, was Zeit kostet und mitunter auf die Motivation schlägt. Bei spätreifenden Sorten rät das Landesamt ebenfalls nochmals zu Pflanzenschutz. Manche Präparate haben allerdings eine Wartezeit von 28 Tagen zwischen Anwendung und Ernte, sodass die Winzer mit langjähriger Erfahrung oder guter Ausbildung weit vorausschauen müssen. Vom Einsatz von Fruchtkalk hält die Behörde übrigens nichts, es fehle die nachgewiesene Wirksamkeit und zudem könne sich der pH-Wert im späteren Most erhöhen. Die Botrytis wird ebenfalls durch das feuchte Wetter begünstigt. Die Beeren quellen auf und quetschen sich bei kompakten Sorten in der Traube ab. Platzen die Beerenhäute, ist das eine Eintrittspforte für Schädlinge, es entstehen Fäulnisnester. So ist es in diesen Tagen beispielsweise schon bei Goldriesling passiert, der aber sowieso bereits geerntet werden kann, was Ausfälle minimiert. Das Landesamt warnt davor, dass bei Fäulnis ausgelesene oder zur Ertragsreduzierung heruntergeschnittene Traubenmaterial in den Rebzeilen liegenzulassen beziehungsweise Trester (Beerenhäute, Stiele und Kerne) zurück in die Weinberge zu bringen. Es sind potenzielle Infektionsherde. Allerdings ist es schwierig bis unmöglich für Weingüter, ausgepuhlt Beeren oder geteilte Trauben aufzusammeln. Trester wird zudem von ökologisch orientieren Betrieben kompostiert und als Düngung im Weinberg genutzt. Das schafft einen Kreislauf, der den Einsatz synthetischer Mittel verringern hilft. Für die Winzer bestätigt sich abermals, wie gut die Ernte wird, steht erst dann fest, wenn die letzten Trauben im Keller sind. Wie gut der Jahrgang wird, das liegt dann noch in den Händen der Kellermeister.

Von Lars Müller

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