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Umland Katholiken um Meißen schließen sich in einer Großpfarrei zusammen
Region Umland Katholiken um Meißen schließen sich in einer Großpfarrei zusammen
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12:00 24.06.2018
Bischof Heinrich Timmerevers während der Weihe der neuen Pfarrei in der St.-Benno-Kirche in Meißen. Im Hintergrund im hellen Ornat die beiden Priester der Pfarrei, Norbert Gatz (sitzend im Rollstuhl) und Stephan Löwe (stehend rechts neben der Säule). Quelle: Tomas Gärtner
Dresden

Als Minderheit von rund dreieinhalb Prozent der Bevölkerung leben katholische Christen in Sachsen und Ostthüringen weit verstreut in kleinen Gemeinden, die vor allem in Dörfern und Kleinstädten schrumpfen. Um ihr geistliches Leben auch in Zukunft zu sichern, hatte Bischof Heiner Koch 2013 im Bistum Dresden-Meißen weitreichende Umgestaltungen auf den Weg gebracht, die Heinrich Timmerevers, seit 2016 sein Nachfolger, mit den Gläubigen nun in die Praxis umsetzt.

Der neue Pfarrer nimmt weite Wege in Kauf

Die Veränderungen sind einschneidend. Nach Leutersdorf (Oberlausitz) und Chemnitz hat der Bischof eine weitere neue Großpfarrei gegründet, die ihren Mittelpunkt in Meißen hat, in der 1887 errichteten neugotische Backsteinkirche im Triebischtal. Kirche und Pfarrei tragen den Namen des Heiligen Benno, der zugleich Bistumspatron ist. Zusammengeschlossen haben sich sieben Gemeinden. Das Gebiet umfasst damit nun auch Nossen, Lommatzsch, Wilsdruff, Weinböhla, Coswig und Radebeul. Reichlich 4800 Katholiken leben dort. Zum Vergleich: Evangelisch-lutherische Christen gibt es in diesem Gebiet vier mal so viele.

Stephan Löwe, den neuen Pfarrer, erwarten weite Wege. Damit vertraut gemacht hat sich der 52-Jährige, der aus dem mittelfränkischen Ansbach stammt, bereits in Bischofwerda, wo er zuvor sieben Jahre Pfarrer war.

Sein Vorgänger in Meißen, Bernhard Dittrich, ist mit 69 Jahren ins Bischof-Benno-Haus gewechselt, in die Bildungseinrichtung des Bistums in Schmochtitz bei Bautzen. Er hatte bereits engere Verbindungen nach Wilsdruff geknüpft. Den Festgottesdienst zur Pfarrei-Gründung gestalteten die beiden Chöre aus Wilsdruff und Meißen im Zusammenspiel. Deshalb kann Pfarrer Löwe sagen: „Wir beginnen hier nicht am Punkt Null.“ Was ihn gleichfalls zuversichtlich stimmt: „Ich habe viele, die mitarbeiten.“ Zweiter Pfarrer an seiner Seite ist Norbert Gatz (Coswig).

Gemeinschaft pflegen und Mut machen

Als Kaplan ist Markus Scholz tätig. Außerdem sind die beiden Gemeindereferentinnen Regina Schulze und Christine George dabei. Administrativ müsse alles so unter einen Hut gebracht werden, dass die Verwaltung nicht zur Hauptaufgabe werde, betont Pfarrrer Löwe. „Aber da mache ich mir keine Sorgen.“

Bischof Heinrich Timmerevers ermuntert dazu, den Horizont zu öffnen, Vielfalt und Reichtum der jeweils anderen Gemeinden wertzuschätzen. „Das Aufeinanderzugehen ist nicht einfach“, räumt er ein. Intensives Suchen, Fragen und Ringen mit den Nachbargemeinden sei schwierig. „Und manchmal verhakt es sich.“ In langjährigen Erfahrungen hätten die Mitglieder ein festes Bild ihrer Pfarrei ausgebildet.

„Doch so wird es nicht bleiben“, betont der Bischof. „In Zukunft kommt es darauf an, so viel wie möglich gemeindliches Leben vor Ort zu stärken.“ Wichtig sei es, in den Gemeinden Gemeinschaft zu pflegen, um einander den Mut zu machen, den es künftig brauche. Deutlicher denn je müsse der Blick für jene Menschen ringsum geöffnet werden, die Not leiden und Hilfe brauchen.

Den Blick in diese Richtung sollte der „pastorale Erkundungsprozess“ in der zuvor gebildeten „Verantwortungsgemeinschaft“ lenken, auf Einrichtungen der Caritas oder katholische Kindergärten, wo Zusammenarbeit mit Konfessionslosen bereits zum Alltag gehört.

Gemeindemitglieder äußern Zuversicht und Sorge

Der evangelische Superintendent Andreas Beuchel rief auf, auch Konfessionslosen die guten Worte aus der Bibel weiterzugeben, nach denen viele suchen. Er steht vor einer ähnlichen Aufgabe: Bis Jahresende müssen sich die Gemeinden seines Kirchenbezirks Meißen-Großenhain in Regionen zusammenfinden.

Fragt man Mitglieder verschiedener Orte der neuen Pfarrei, hört man Zuversicht ebenso wie Sorgen. Orte wie Wilsdruff könnten an den Rand geraten, befürchten einige. Womöglich werde es weniger Messen mit Eucharistie, dafür mehr Wortgottesdienste geben. Der feierliche Charakter könne verloren gehen. Wege der Gottesdienstbesucher verlängerten sich, was für Ältere zum Problem werden könne. Beunruhigt zeigten sich etliche über immer weniger Kinder und Jugendliche in den Gottesdiensten.

Andere bekundeten große Hoffnung auf engere Zusammenarbeit der früheren Einzelgemeinden, bei den Chören zum Beispiel. Starke Gemeinden wie Coswig und Radebeul seien eine Bereicherung und sorgten für mehr Lebendigkeit. Laien hätten die Chance, sich intensiver in das Gemeindeleben einzubringen.

Radebeuls parteiloser Oberbürgermeister Bert Wendsche mahnt die Katholiken, aus Fehlern der Kommunen bei der Fusion zu größeren Landkreisen zu lernen: „Die hat bei vielen das Gefühl hinterlassen, abgehängt worden zu sein.“

Neue Pfarrei St. Benno Meißen

Meißen: Pfarrkirche St. Benno in Meißen-Triebischtal, Wettinstr. 15; ein neugotischer Backsteinbau von 1887; 1959 im Inneren neu gestaltet, über dem Altar schwebt ein verklärter Christus aus Meißner Porzellan

Wilsdruff: Kirche St. Pius X., Kirchplatz 2a; nach der Reformation wurden katholische Gottesdienste wieder ab 1896 gefeiert; Kirche wurde 1956 gebaut und bietet rund 200 Personen Platz

Lommatzsch: Kirche Heiliges Kreuz, Am Rodeland 14; 1927 baute die Gemeinde eine alte Turnhalle zur Kapelle um; 1932 wurde die Kirche eingeweiht

Nossen: St. Bernhard, Am Schloß 1; ein ehemaliges Wohnhaus zwischen Schloss und evangelischer Stadtkirche, 1995 zur Kirche umgebaut; darin steht eine Bernhard-Figur von Jochen Zieger

Coswig: Heilig Kreuz, Jaspisstr. 44; die alte Kirche stand seit 1925 in der Mozartstr.

Weinböhla: Kirche Heiliger Geist, Barthügelstr. 20; entstanden 1950 durch Umbau der Gaststätte „Schweitzerhöhe“

Radebeul: Christus König, Borstr. 11; als Kirche im Weinberg 2001 geweiht

Patron: Benno, geboren um 1010, war 1066 bis zu seinem Tod 1106 Bischof von Meißen; Papst Hadrian VI. sprach ihn 1523 heilig, womit er mitten in der Reformation den Zorn von Martin Luther erregte; seine Gebeine wurden nach München geschmuggelt; seit 1580 ruhen sie dort in der Liebfrauenkirche

Von Tomas Gärtner

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