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Kampf ums Überleben im Schleuser-Lkw

Prozess Kampf ums Überleben im Schleuser-Lkw

Der Prozess gegen einen Schleuser am Landgericht Dresden bringt entsetzliche Details zu Tage. Flüchtlinge waren endlos lange in einen Lkw eingesperrt. Manche litten unter Atemnot. Aus Angst vor Entdeckung wehrten sich Flüchtlinge gegen einen Notruf.

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81 Flüchtlinge mussten in diesem Lkw ausharren.

Quelle: Marko Förster

Geising/Dresden. Am Dresdner Landgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen einen bulgarischen Schleuser fortgesetzt worden. Der 34 Jahre alte Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt, am 17. August vergangenen Jahres 81 Asylsuchende aus Afghanistan, dem Irak, Iran, Pakistan und Syrien von Ungarn nach Sachsen gefahren zu haben – meist junge Männer aber auch Familien mit Kindern. In Geising wurden die Flüchtlinge nach etwa 12 bis 13 Stunden Fahrt aus dem relativ kleinen LKW gelassen. „Ich sollte dafür 3000 Euro bekommen, damit wollte ich Schulden bezahlen“, begründete Ilmaz A. seine Schleuserfahrt.

Am Mittwoch sagten Zeugen aus, die sich in dem Kühllaster befunden hatten. „Zwei Schleuser brachten uns zu Fuß von Serbien über die Grenze nach Ungarn. Dort stand in einem Wald ein Laster und ich und die Leute sind eingestiegen“, erzählte ein Syrer. Das Schlimmste sei die geringe Luftzufuhr gewesen. Luft bekamen die Flüchtlinge nur durch einige Schlitze im Wagen. Nach mehreren Stunden Fahrt wählte er den internationalen Notruf 911, da er extreme Atemnot hatte. „Ich habe Asthma und bekomme, wenn viele Leute zusammen sind, Luftprobleme. Da ich Angst hatte, bewusstlos zu werden, rief ich die Notrufnummer an. Aber ich konnte nicht sagen, wo wir uns gerade befinden, dann war der Kontakt weg.“ Auch ein Afghane berichtete über die knappe Frischluft. Seine Frau werde noch immer von Alpträumen geplagt, sagte er aus.

Als die Kinder anfingen zu weinen, hätten deren Eltern an das Fahrerhaus geklopft, erzählte der Syrer. Dies habe andere Flüchtlinge gestört. „Die Eltern wollten, dass wir anhalten, aber die meisten anderen wollten, dass wir weiterfahren. Da gab es Konflikte.“ Als er seinen Notruf absetzte, hätten ihm einige der Männer im LKW Schläge angedroht, wenn die Polizei erscheinen würde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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