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Kamenzer Bestattungswald ist selbst gestorben

Stadt verfolgt Projekt nicht weiter Kamenzer Bestattungswald ist selbst gestorben

Einen Bestattungswald wird es in der Umgebung von Kamenz auf absehbare Zeit nicht geben. Nach dem „Nein“ des Haselbachtaler Gemeinderates sieht die Stadt keine Möglichkeit mehr, das Vorhaben weiter zu verfolgen.

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Aus der Traum: In und um Kamenz wird es in absehbarer Zeit keinen Bestattungswald geben.

Quelle: Foto: Friedwald GmbH

Kamenz/Region. Einen Bestattungswald wird es in der Umgebung von Kamenz auf absehbare Zeit nicht geben. Nach dem „Nein“ des Haselbachtaler Gemeinderates sieht die Stadt keine Möglichkeit mehr, das Vorhaben weiter zu verfolgen. Und auch die Initiatoren gestehen sich das Scheitern ein, wollen aber eventuelle andere Initiativen in der Region unterstützen.

Das Ergebnis war am Ende ebenso deutlich wie unerwartet: Nur einer von 15 anwesenden Gemeinderäten stimmte für den Bestattungswald, zwölf waren dagegen. Die anderen beiden enthielten sich der Stimme. Marion Junge traf dieses Votum kalt, denn: „Die Signale zuvor waren andere gewesen.“ Die Kamenzer Landtagsabgeordnete der Linkspartei zählt zu den Initiatoren des ostsächsischen Bestattungswald-Projektes und hat sich mehr als drei Jahre lang dafür engagiert. Umso enttäuschter ist sie jetzt über das jähe Aus.

„Dabei hätte die Gemeinde Haselbachtal keinerlei Risiko tragen müssen. Es war vereinbart, dass sich die Stadt Kamenz, die ja auch Eigentümerin des in Frage kommenden Waldstücks ist, um alles kümmert“, so Marion Junge. Die Stadt Kamenz wollte das Gelände an einen Betreiber verpachten, den man zuvor im Zuge einer Ausschreibung bestimmt hätte. Doch schon im Kamenzer Stadtrat war das Abstimmungsergebnis für den Bestattungswald knapp ausgefallen. Insbesondere die Sorge um den Fortbestand der Friedhöfe hatte sieben Abgeordnete dazu bewogen, gegen das Vorhaben zu stimmen (zehn waren dafür). „Es gab Druck von der Kirche“, erklärt auch Marion Junge.

Doch wie soll es jetzt weitergehen? Immerhin hatten mehr als 900 Menschen Anfang 2015 eine Petition, in der die Schaffung des Bestattungswaldes gefordert wurde, an den Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) übergeben. Das Interesse an dieser alternativen Form der Bestattung ist also in breiten Kreisen der Bevölkerung vorhanden, und daran ändert ja auch das Votum des Haselbachtaler Gemeinderates nichts.

Für die Stadt Kamenz ist die Angelegenheit „unter den derzeitigen Rahmenbedingungen beendet“, wie Pressesprecher Thomas Käppler auf Anfrage mitteilt. Das vorgeschlagene Waldstück in der Gemeinde Haselbachtal sei das einzige gewesen, das den Kriterien entsprochen habe. Deshalb könne „der Beschluss des Stadtrates hinsichtlich der Einrichtung eines Bestattungswaldes nicht vollzogen werden“.

„Es wird sicher in zwei bis drei Jahren einen Bestattungswald in der Region geben, aber nicht in und um Kamenz“, prognostiziert Marion Junge und verweist auf neue Initiativen, die unabhängig von der in Kamenz entstanden seien und die man jetzt unterstützen wolle.

Am weitesten ist das entsprechende Projekt in der Gemeinde Markersdorf (Landkreis Görlitz) gediehen: Hier will ein privater Grundstücksbesitzer einen zu seinem Anwesen gehörenden Park zu einem Bestattungswald umgestalten. Allerdings stehen die entsprechenden Beschlüsse noch aus.

Und auch im Stadtrat von Bautzen, das über einen weitläufigen Stadtwald verfügt, stand das Thema vor zwei Jahren schon mal auf der Tagesordnung, wurde aber „mangels Bedarf“ wieder ad acta gelegt. In anderen Teilen Sachsens ist man schon weiter: So gibt es neben dem ersten sächsischen Bestattungswald, der im Juni 2015 in Bennewitz (Landkreis Leipzig) eingerichtet wurde, mittlerweile auch einen in Coswig (Landkreis Meißen). Und vielleicht ist hinsichtlich von Kamenz das letzte Wort doch noch nicht gesprochen, denn laut Marion Junge läuft noch „eine rechtliche Prüfung, ob die Stadt als Grundstückseigentümer wirklich nichts mehr machen kann“.

Von Uwe Menschner

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