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In St. Marien Pirna: Brahms-Requiem im Kontext zu anderen Werken

In St. Marien Pirna: Brahms-Requiem im Kontext zu anderen Werken

Gewöhnlich steht "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms für sich, um das jährliche Totengedenken musikalisch zu tragen. Die Pirnaer Kantorei St. Marien, die wie seit vielen Jahren in großen Kirchenkonzerten auch diesmal gemeinsam mit der Heinrich-Schütz-Kantorei der Lutherkirche Remscheid und dem Chor der evangelischen Stadtkirche Remscheid sang, hatte nun das Brahms-Requiem mit zwei anderen Werken verbunden, wodurch der Gedanke des Trauerns universeller gefasst und die theologische Unfertigkeit des Requiems, die Brahms in seiner Textauswahl durchaus bewusst war, aufgefangen werden sollte.

Inhaltlich gelang dies, nur haben die stimmlichen Reserven von Kantoreien auch ihr Limit.

Am Beginn des Konzertes stand als Uraufführung "Unser Vater" für Chor und Orchester von Stefan Heucke (geb. 1959), eine Vertonung der Übertragung des lateinischen "Pater noster" durch Norbert Lammert. Der Bundestagspräsident hat das Gebet in griffiges Deutsch gegossen, das Klarheit vermittelt, bei dem man aber den rhythmischen Schwung der Luther-Übersetzung vermisst. Der musikalische Rahmen, den Stefan Heucke dazu gefunden hat, wirkt großformatig von Beginn an und betont die Kraft der Worte in linearen Chorabschnitten, die einen spätromantischen Gestus nicht verhehlen. Das Orchester (Elbland Philharmonie Sachsen, Leitung: Ruth Forsbach, Remscheid) akzentuiert den Chorsatz gelegentlich und kontrastiert die Worte in freierer Form, doch erst der Schluss bietet überraschende Farben. Neben dem opulent spielenden Orchester hatte auch der Chor vehement zu singen und sorgte damit zunächst für einen kraftvollen musikalischen Eindruck.

Das folgende Werk, die "Trauermusik" für Viola und Orchester von Paul Hindemith, entstand 1936 für den verstorbenen englischen König George V. während eines Gastspiels des Komponisten in London. Bratschist Edmund Miller spielte gemeinsam mit seinem Orchester und unter Leitung von Jörg-Martin Kirschnereit (Remscheid) mit der nötigen Zurückhaltung und gleichwohl ohne die Emotionalität des Werkes zu unterdrücken.

Für das Brahms-Requiem schließlich fand Thomas Meyer (Pirna) fast durchweg stimmige Tempi und den richtigen Gestus. Lediglich in den bewegteren Teilen (So seid nun geduldig; Wie lieblich) überlagerte etwas Unruhe den Gehalt des Textes. Jana Büchner (Sopran) und Johannes Schmidt (Bass) waren ebenso verlässliche wie sehr genau gestaltende Solisten, und besonders Schmidts klare Höhe hob die Worte expressiv heraus. Auf dem sicheren Fundament des Orchesters konnten die Chöre vor allem bei leiseren Passagen ausdrucksvoll singen und boten auch in voller Stärke zunächst einen eindrücklichen Klang. Doch die Menge der Aufgaben zusammen mit dem vorangestellten Chorstück hinterließ im stillen letzten Satz des Requiems merkliche Spuren, die von den Gedanken zum Text (Selig sind die Toten) erheblich ablenkten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

Hartmut Schütz

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