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Umland In Maxen steht Sachsens ältester protestantischer Sandsteinaltar
Region Umland In Maxen steht Sachsens ältester protestantischer Sandsteinaltar
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07:00 08.07.2018
Pfarrer Daniel Lamprecht erklärt, was auf dem Altar in der evangelischen Dorfkirche Maxen dargestellt ist. Das Werk des Hans Walter II von 1558 ist der älteste protestantische Sandsteinaltar in Sachsen. Quelle: Foto: Tomas Gärtner
Dresden

Hans Walther, sagt Angelica Dülberg, scheine eine Vorliebe für Engel gehabt zu haben. „Auch im Portal des Dresdner Residenzschlosses findet man sie“, erklärt die Denkmalpflegerin und Kunstgeschichtsprofessorin. Und hier, im Altarrelief der evangelischen Dorfkirche in Maxen, hat der berühmte Bildhauer des 16. Jahrhunderts – den man Hans Walter II nennt, um ihn von seinem 62 Jahre älteren Bildhauer-Großvater zu unterscheiden – die pausbäckigen Putten ganz in den Vordergrund gesetzt.

Der Altar steht schon immer an derselben Stelle

Mit etwas Fantasie könnte man sie für Verwandte jener berühmten Engel vor der Sixtinischen Madonna halten. Wie Schilde halten sie Schrifttafeln, auf denen Kernsätze aus dem Neuen Testament die beidseits des gekreuzigten Christus im Hintergrund dargestellten Szenen aus dem Alten Testament deuten.

Typisch für diesen Meister der sächsischen Renaissance seien die feinen Falten der Gewänder, erläutert Angelica Dülberg. „Die sind hier leider mit dem Farbanstrich verloren gegangen.“ Ursprünglich zeigte das Relief die reine Sandsteinoberfläche. Wilfried Sitte, Restaurator aus Klipphausen-Hühndorf, hat an einigen unauffälligen Stellen den älteren Untergrund freigelegt. Spätere Zeiten scheinen der schlichten Schönheit der reinen Form nicht mehr vertraut zu haben.

Dabei ist dies eine Berühmtheit: Gefertigt 1558, ist er einer der ältesten protestantische Altäre Sachsens. Als ältester protestantischer gilt der aus Alabaster gefertigte „Dresdener Altar“ von 1554, der 1662 in die Torgauer Schlosskapelle umgesetzt wurde. Der Maxener ist zumindest der älteste aus Sandstein. Und seinen Standort hat er nie verlassen.

„Unser Blick kann nicht am Kreuz vorbei.“

Hans Walther II muss schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit gewesen sein. Den Hof des Dresdner Residenzschlosses hat er mitgestaltet und die Schlosskirche in Schwerin, wie Angelica Dülberg erzählt. Dresdner Bürgermeister ist er gewesen und muss ganz gut verdient haben. „Er ließ sich ein stattliches Haus am Altmarkt bauen und hat Ländereien in der Region besessen.“

Außenansicht der evangelischen Dorfkirche in Maxen Quelle: Tomas Gärtner

Wie gelangt eine solche Kostbarkeit in diese kleine Dorfkirche auf der Hochebene zwischen den Tälern von Lockwitzbach und Müglitz? Zu tun hat das mit der Adelsfamilie von Schönberg, der das hiesige Schloss damals gehörte, wie Kirchvorsteherin Gisela Niggemann-Simon erläutert. „Die hatten recht gute Beziehungen zum Dresdner Hof.“

Was das in der Reformationszeit ganz und gar Neue an diesem Altarrelief gewesen ist, das Protestantische eben, erklärt Daniel Lamprecht, der als Pfarrer von Gottleubatal die zwei Gottesdienste im Monat hier übernommen hat, nachdem Pfarrerin Ramona Uhlemann Anfang des Jahres als Seelsorgerin an die Reha-Klinik in Kreischa gewechselt ist. „Worauf schauen Sie als erstes?“, fragt er in die Runde der Besucher. „Auf das Kreuz“, entgegnet einer. Auffällig daran sei, dass es höher als alles auf dem Relief sei. „Unser Blick kann nicht am Kreuz vorbei. Aber wir betrachten den erhöhten Christus – erhöht über den Tod. Dieser Gedanke war den Reformatoren wichtig.“

Im Hintergrund rechts ist Moses zu sehen, der in der Wüste eine eherne Schlange erhöht. Links sieht man Abraham, Erzvater der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam, im Begriff, seinen Sohn Isaak auf Gottes Geheiß als Brandopfer darzubringen. Ein Engel Gottes verhindert das und tauscht den Sohn durch einen Widder aus. Im Römerbrief schreibt der Apostel Paulus, Abraham habe, wo keine Hoffnung war, „auf Hoffnung hin geglaubt“. „Für Martin Luther war das eine zentrale Bibelstelle“, sagt Daniel Lamprecht.

Die Restaurierung wird fortgesetzt

Nun, zum 460. Geburtstag, wollen ihm die Maxener 460 Sterne schenken. Die sollen wie einst das himmelblaue Gewölbe des Altarraums zieren. Um das im Zuge der weiteren Restaurierung der Kirche zu finanzieren, vergeben sie 460 symbolische Sterne, jeden gegen eine Spende von zehn Euro. Jetzt im Juli wird ein Gerüst im Altarraum aufgestellt. Die Wände sollen neue Farbe bekommen, Kanzel, Fenster, Türen repariert werden, wie Astrid Wölk sagt. Die Dresdner Architektin leitet die Arbeiten.

Damit wird die 2016 begonnene Restaurierung des Äußeren der Kirche und des Kirchenschiffs fortgesetzt, sagt Gisela Niggemann-Simon. So werde der Sakralbau vor dem Verfall bewahrt, gerade jetzt, da weniger Pfarrer immer mehr kleiner gewordene Gemeinden zu betreuen haben. „In der Schlacht zwischen Österreichern und Preußen 1759, die als ‚Finckenfang von Maxen’ in die Geschichte des Siebenjährigen Krieges einging, sind so viele hier gestorben“, sagt sie. „Auch 1813, als die Marodeure der Napoleonischen Kriege hier durchzogen. Aber ihre Kirche und ihre Kirchgemeinde haben die Bewohner immer erhalten. Und da sollten wir sie heute, wo es uns so gut wie nie zuvor geht, aufgeben?“

Kirche Maxen im Kurzporträt

Geschichte: verputzter Bruchsteinbau vermutlich aus dem 16. Jahrhundert mit romanischen Mauerteilen; eine Kirche wurde Ende des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt; der Turm ist 1625 gebaut, das oberste Geschoss 1748 erneuert worden; der Saal ist ein Neubau von 1878; der Chorraum erhielt im 18. oder 19. Jahrhundert ein Gewölbe

Altar: ältester protestantischer Sandsteinaltar Sachsens von 1558; Schöpfer ist der Bildhauer Hans Walther II (1526-1586); er schuf u. a. das Moritzmonument in Dresden (Nordwestecke der Brühlschen Terrasse), den großen Altar der Dresdner Kreuzkirche (heute in der St.-Johannis-Kirche Bad Schandau), gestaltete den Innenhof des Dresdner Residenzschlosses mit und die Schlosskirche in Schwerin

Ausstattung: Kanzel aus Sandstein von Caspar Klöpl aus Pirna (1631); hölzernes Lesepult, Geschenk des Rates von Dresden (1881); links im Altarraum Gemälde „Erbarme dich unser“ von Anton Dietrich (1833-1904, schuf auch das Altargemälde der Dresdner Kreuzkirche), gestiftet 1916

Sanierung: soll bis Ende November dauern und kostet rund 165 000 Euro

Kirchgemeinde: fast 300 Mitglieder; Schwesterkirche der Gemeinde Heidenau-Dohna-Burkhardswalde

Internet: kirchgemeinde-maxen.jimdo.com, u. a. mit Hinweisen auf Führungen

Maxen: Schloss auf dem Gelände einer 1307 erstmals erwähnten Burg, 1728 als Anlage mit drei Flügeln neu gebaut; Heimatmuseum am Dorfplatz; Naturbühne Maxen; Pavillon in Form einer Moschee, das „Blaue Häusel“, Major Friedrich Anton Serre und seine Frau Friederike Serre ließen ihn 1848 für den javanischen Prinzen und Maler Raden Saleh errichten; das Ehepaar, das 1819-1872 auf dem Schloss residierte, lud bekannte Künstler ein, z. B. Clara und Robert Schumann

Von Tomas Gärtner

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